Anhand der 50 größten börsennotierten Unternehmen Österreichs identifiziert die Studie klare Unterschiede zwischen den jeweils zehn best- und schlechtestplatzierten Unternehmen im Index. Besonders deutlich wird die Spreizung bei Qualifizierung, Talentstruktur und operativem KI-Einsatz.
Top Unternehmen setzen stärker auf KI-Qualifizierung
50 Prozent der zehn bestplatzierten Unternehmen weisen laut Geschäftsbericht strukturierte Schulungen zu KI-Themen aus. In der Gruppe der zehn am niedrigsten gereihten Unternehmen findet sich kein entsprechender Hinweis. Auch beim Anteil der Beschäftigten mit KI-Kompetenzen zeigen sich Unterschiede: In den Top 10 liegt dieser durchschnittlich bei 2,8 Prozent, in der Bottom-10-Gruppe bei 1,7 Prozent – ein Plus von rund 69 Prozent.
Beim operativen Einsatz von KI geben 70 Prozent der Top-10-Unternehmen an, entsprechende Anwendungen im Unternehmen zu nutzen. In der Vergleichsgruppe sind es 20 Prozent. Für Automatisierung und Effizienzsteigerung setzen 60 Prozent der Top 10 KI ein, gegenüber 20 Prozent in der Bottom-10-Gruppe. Für Innovation und Wachstum – etwa für neue Produkte oder Geschäftsmodelle – nennen 50 Prozent der bestplatzierten Unternehmen KI als Instrument, in der Vergleichsgruppe kein einziges.
„Technologie allein macht noch keinen KI-Erfolg aus. Bei BCG sprechen wir von der 10/20/70-Formel: Nur zehn Prozent entfallen auf Algorithmen, 20 Prozent auf Technologie – 70 Prozent hängen von Menschen, Organisation und Prozessen ab. Wer Lernen strukturiert ermöglicht, Verantwortung klar verankert und Veränderung aktiv führt, schafft die Voraussetzungen dafür, dass KI ihr Potenzial entfalten kann“, sagt Heike Dorninger, Managing Director & Partner, Leiterin des Wiener BCG-Büros bei Boston Consulting Group in Wien und Studienautorin.
Frauenanteil in Vorständen steigt leicht
Nach einem Rückgang im Vorjahr steigt der Frauenanteil in österreichischen Vorständen wieder moderat. 46 Prozent der Vorstände der Top-50-Unternehmen sind mit zumindest einer Frau besetzt. Der bisherige Höchstwert lag 2023 bei 48 Prozent. Der durchschnittliche Frauenanteil in den Vorständen beträgt aktuell 15 Prozent. Unter den untersuchten Unternehmen gibt es weiterhin keine weibliche Vorstandsvorsitzende.
Im Aufsichtsrat verfügen 86 Prozent der Unternehmen über zumindest eine Frau. Sieben Unternehmen – das entspricht 14 Prozent der Top 50 – haben derzeit keine Frau im Aufsichtsrat. Der durchschnittliche Frauenanteil im Aufsichtsrat liegt bei 29 Prozent. Mit Blick auf 2026 gewinnt das Thema zusätzliche Relevanz: Eine EU-Richtlinie sieht unter bestimmten Voraussetzungen einen Frauenanteil von 40 Prozent im Aufsichtsrat bis 30. Juni 2026 vor.
Vergütungslücke auf historischem Tiefstand
Die durchschnittliche Vergütungsdifferenz zwischen Frauen und Männern in Vorstand und Aufsichtsrat liegt laut Studie bei 23 Prozent. Im Vorstand verdienen Frauen im Schnitt rund ein Viertel weniger als Männer, im Aufsichtsrat beträgt die Differenz 21 Prozent. Unter den 25 bestverdienenden Vorständen mit einer durchschnittlichen Vergütung von mehr als 2,2 Millionen Euro findet sich eine Frau. Auf den Plätzen 26 bis 80 stehen sieben Frauen 48 Männern gegenüber.
„Ein Teil der Vergütungs-Differenz ist strukturell bedingt. Unter den Top 50 gibt es weiterhin keine weibliche CEO, und Vorsitzfunktionen sind deutlich höher dotiert als andere Mandate im Vorstand“, sagt Florian Brunnader, Managing Director & Partner bei Boston Consulting Group in Wien und Co-Autor der Studie. „Gleichzeitig zeigt sich ein weiteres Muster: In den Unternehmen mit dem höchsten durchschnittlichen Gehaltsniveau sind Frauen besonders selten vertreten. Im Quintil der bestbezahlenden Unternehmen beträgt ihr Anteil lediglich neun Prozent, im Quintil mit dem niedrigsten Durchschnittsgehalt hingegen 16 Prozent.“
Diversity Champions 2025
An der Spitze des aktuellen Rankings steht die BKS Bank mit 95,3 Punkten. Auf Rang zwei folgt Linz Textil Holding mit 82,7 Punkten. Platz drei belegt Josef Manner & Comp. mit 78,4 Punkten. Verbund erreicht 77,1 Punkte und liegt damit auf Rang vier. Raiffeisen Bank International folgt mit 76,6 Punkten auf Platz fünf. Insgesamt überschreiten 24 Unternehmen die Marke von 50 Punkten, im Vorjahr waren es 18. Die Spitzengruppe ist damit breiter geworden.
„Der Index macht deutlich, dass Vielfalt mehr ist als eine Kennzahl. Sie zeigt sich in der Zusammensetzung von Gremien, in der Vergütungsstruktur und im Umgang mit Zukunftsthemen wie KI. Entscheidend ist, ob Unternehmen diese Dimensionen zusammen denken und konsequent weiterentwickeln. Dort, wo das gelingt, entsteht nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit“, so Heike Dorninger von Boston Consulting Group in Wien.