Künstliche Intelligenz (KI) gewinnt in der Logistik und in Supply Chains zunehmend an Bedeutung. Laut einer aktuellen Studie nutzen bereits über 90 Prozent der befragten Unternehmen zumindest eine Form von KI. Besonders häufig kommen Anwendungen der Sprachverarbeitung sowie generative KI zum Einsatz. Dennoch bleibt die Integration in zentrale logistische Prozesse in vielen Betrieben bislang punktuell.
Die Untersuchung „Möglichkeiten von KI in der Logistik – Chancen und Risiken in der Umsetzung in Österreich“ wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) erstellt. Ergänzt wird sie durch einen praxisorientierten Leitfaden, der insbesondere Klein- und Mittelunternehmen (KMU) bei der Einführung und Skalierung von KI unterstützen soll.
Leitfaden setzt auf praxisnahe Orientierung
Der Leitfaden ist als niederschwellige Unterstützung konzipiert und verzichtet bewusst auf starre Vorgaben. Stattdessen formuliert er zentrale Leitfragen, die Unternehmen bei der eigenen Standortbestimmung und bei der Planung von KI-Projekten unterstützen sollen. Inhaltlich gliedert sich das Dokument in drei Phasen: die Vorbereitung vor dem KI-Einsatz, die Umsetzung eines ersten Projekts sowie die Skalierung und Verankerung der Technologie im Unternehmen.
„Logistik ist das Rückgrat einer wettbewerbsfähigen und resilienten Wirtschaft und Künstliche Intelligenz wird in den kommenden Jahren maßgeblich dazu beitragen, Prozesse effizienter, ressourcenschonender und krisenfester zu gestalten“, sagt Franz Schwammenhöfer, Leiter der Abteilung für Logistikkoordination im Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur in Wien.
KI im Einsatz, aber selten in Kernprozessen
Die Datengrundlage der Studie umfasst eine systematische Literaturauswertung, eine österreichweite Befragung von 80 Unternehmensvertreter:innen sowie vertiefende Interviews. Die Ergebnisse zeigen, dass KI in vielen Unternehmen bereits angekommen ist. Neben Sprachverarbeitung und generativer KI werden auch Chatbots sowie Automatisierungslösungen häufig eingesetzt.
Gleichzeitig bleibt der Einsatz in logistischen Kernprozessen wie Planung, Bestandsmanagement oder Transport vielfach begrenzt oder experimentell. „KI ist in der Praxis angekommen, besonders in Sprachverarbeitung und generativer KI. In der Logistik wird daraus aber erst dann echter Nutzen, wenn man KI sauber in Kernprozesse wie Planung, Bestandsmanagement oder Transport einbettet“, sagt Patrick Brandtner, Professor für Data Driven Management am Logistikum der FH Oberösterreich in Steyr.
Hürden bei Ressourcen, Daten und Regulierung
Als zentrale Herausforderungen nennt die Studie fehlende personelle und finanzielle Ressourcen, unzureichende Datenqualität sowie mangelndes Know-how. Auch rechtliche Fragen, etwa im Zusammenhang mit dem EU AI Act und Datenschutz, gewinnen laut den Ergebnissen an Bedeutung.
„Wir sehen aktuell eine deutliche Lücke zwischen dem, was KI in der Logistik leisten könnte, und dem, was tatsächlich umgesetzt wird – vor allem bei KMU“, sagt Franz Staberhofer, Obmann des Verein Netzwerk Logistik in Linz. Vielen Unternehmen fehle es weniger am Interesse als vielmehr an klarer Orientierung und geeigneten Rahmenbedingungen.
Der erwartete Nutzen von KI liegt laut Studie vor allem in effizienteren Prozessen, geringeren Kosten und einer gesteigerten Produktivität. Entscheidend für einen nachhaltigen Einsatz sei jedoch die Integration in bestehende Organisationsstrukturen sowie eine klare Governance.