Logistik

Das bringt das Logistik-Jahr für KMU

13.01.2026

Globale Umbrüche, technologische Sprünge und neue Regularien verändern die Logistik nachhaltig. Für kleine und mittlere Unternehmen in Österreich bedeutet das: anpassen, investieren, weiterbilden und aktiv Chancen nutzen.

Das Logistikjahr 2026 wird für Österreichs kleine und mittlere Unternehmen (KMU) zu einer entscheidenden Phase. Geopolitische Spannungen, Handelskonflikte, Cyber-Risiken, steigende CO₂-Vorgaben und anhaltender Fachkräftemangel erhöhen den Druck. Gleichzeitig beschleunigt sich die Digitalisierung: automatisierte Lagertechnik, intelligente Softwarelösungen und KI-gestützte Prognosen werden für KMU zunehmend leistbar. Digitalisierung wird damit zur Antwort, Technologie zum Werkzeug. Wer jetzt in modernere Prozesse, qualifiziertes Personal und verlässliche Partner investiert, kann Unsicherheiten in Wettbewerbsvorteile verwandeln.

Geopolitische Unsicherheit

Trump Figur auf Karneval
©Kira-Yan iStock Getty Images Plus

Auch in diesem Jahr muss weiterhin mit geopolitischen Spannungen, anhaltenden kriegerischen Auseinandersetzungen und einer erratischen Handels- und Zollpolitik des US-Präsidenten gerechnet werden. Damit bleibt die Planung für KMU schwierig. Durch geopolitische Spannungen wird es zu weiteren Veränderungen wichtiger Routen kommen. Egal, ob im See- oder Landverkehr – Lieferzeiten können sich dadurch verlängern. Um auf unplanbare Transitzeiten vorbereitet zu sein, sollten Unternehmen alternative Beschaffungswege prüfen und in Erwägung ziehen.
Ein weiterer zentraler Punkt für 2026 ist der Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM), der nun vollständig in Kraft tritt und erstmals auch kleinere Unternehmen betrifft, die CO₂-intensive Waren in die EU importieren. Für Produkte wie Stahl, Aluminium, Zement, Dünger oder Elektrizität muss dann der eingebettete CO₂-Ausstoß nachgewiesen und bepreist werden. Unternehmen sind verpflichtet, Emissionsdaten ihrer Lieferanten zu erfassen und in einem EU-zertifizierten Berichtssystem (CBAM Transitional Registry) zu melden. Ziel ist es, Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden und klimafreundlichere Lieferketten zu fördern. Für KMU bedeutet das vor allem höheren Dokumentationsaufwand, engere Abstimmung mit Lieferanten und mögliche Kostensteigerungen.

Technologietools für mehr Effizienz

2026 steht für die KMU-Logistik ein weiterer Technologieschub an: flexible Cloud-Lösungen, die keine hohen Anfangsinvestitionen erfordern, werden immer wichtiger. Tools wie Google Route Optimization, das als Open-Source-Framework für KMU mit IT-Partner geeignet ist, oder Routific, das den Fokus auf die letzte Meile legt und ein Abo-Modell für kleine Flotten anbietet, können hilfreich sein. Für die kurzfristige Transportvergabe eignet sich der digitale Logistikmarktplatz Timocom. Für KMU dient Timocom vor allem dazu, Transportaufträge schnell zu vergeben oder freie Laderaumkapazitäten anzubieten.
Wo die Digitalisierung Chancen bietet, da sind auf der anderen Seite auch Risiken zu finden. Ransomware-Angriffe oder unsichere Schnittstellen von Partnern oder Dienstleistern können zu erheblichen Problemen werden. So kann ein Beispiel sein, dass ein KMU einen Transport über einen digitalen Logistikmarktplatz vergibt und durch eine kompromittierte Schnittstelle Lieferadressen und Zeitfenster verändert werden. Dadurch gehen mehrere Sendungen verloren oder kommen verspätet an. Die Ursache liegt in diesem Fall zwar bei einem externen IT-Dienstleister – dennoch haftet das KMU gegenüber seinen Kunden. Deshalb ist es wichtig, IT-Partner und Plattformen zu prüfen sowie Sicherheitsstandards, Zertifizierungen und Verantwortlichkeiten vertraglich festzuhalten.

Weiterbildung statt Wartezeit

Staplerfahrer belädt LKW
Copyright: ake1150sb-iStock-GettyImages-plus

Eine Herausforderung, vor der viele KMU stehen, ist der anhaltende Fachkräftemangel. Dieser erschwert die Transformation und kann eine Bremse in der logistischen Weiterentwicklung sein. Qualifizierte Disponenten, IT-affine Logistiker oder WMS-Spezialisten sind schwer zu finden und für kleine Betriebe oft kaum leistbar. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an bestehende Mitarbeitende durch Digitalisierung und komplexe Lieferketten. Ein Beispiel aus der Praxis: Ein regionaler Logistikdienstleister investiert in ein neues Transportmanagementsystem, findet jedoch keine erfahrene Fachkraft für Betrieb und Optimierung. Die Software wird daher nur eingeschränkt genutzt, wodurch Effizienzpotenziale ungenutzt bleiben.
Um trotz knapper Personalressourcen Potenziale nicht ungenutzt zu lassen, ist die Weiterbildung von Personal unerlässlich. Erfolgreiche KMU setzen 2026 daher auf Qualifizierung, Vereinfachung und Kooperation. Statt auf seltene Spezialisten zu warten, werden bestehende Mitarbeitende gezielt weitergebildet. Hier kann ein Beispiel wie folgt aussehen: Ein Handels-KMU schult erfahrene Disponent*innen über WIFI-Lehrgänge im Umgang mit neuen Transportation-Management-Systemen und kombiniert das mit kurzen Online-Trainings der Softwareanbieter. Gleichzeitig helfen benutzerfreundliche Cloud-Lösungen mit automatisierten Standardprozessen, den Bedarf an hochqualifiziertem IT-Personal zu reduzieren. Ergänzend lagern KMU komplexe Aufgaben – etwa Systembetrieb oder Datenanalyse – an externe Logistik- oder IT-Partner aus und sichern so den Nutzen neuer Technologien trotz begrenzter interner Ressourcen.

Fachlicher Austausch

2026 hält für Logistikerinnen mehrere spannende Veranstaltungen bereit, die sowohl Information als auch fachlichen Austausch ermöglichen. Der Logistik Dialog am 21. und 22. Mai am Wiener Flughafen vereint Expertinnen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik und bietet eine Plattform für den strategischen Diskurs über aktuelle Herausforderungen der Branche. Die Digital Days Vienna setzen ihren Schwerpunkt auf die Schnittstelle von Digitalisierung und Mobilität und präsentieren praxisnahe Innovationen sowie neue Geschäftsmodelle, wobei der genaue Termin noch bekanntgegeben wird. Ergänzend dazu sind die WKO-Logistikthementage empfehlenswert, die regionale Perspektiven eröffnen, den Austausch fördern und Unternehmen praxisnahe Unterstützung bieten – mit je nach Bundesland unterschiedlichen Terminen.

Logistiknetzwerke in Österreich

VNL Österreich (Verein Netzwerk Logistik)
Österreichs größtes Logistiknetzwerk. Vernetzt Unternehmen, Wissenschaft und Politik, fördert Wissensaustausch, Innovation und praxisnahe Logistiklösungen.
www.vnl.at

BVL Bundesvereinigung Logistik Österreich
Plattform für Fach- und Führungskräfte aus Logistik und Supply Chain. Fokus auf Wissenstransfer, Events und branchenübergreifendes Networking.
www.bvl.at

WKO – Sparte Transport und Verkehr
Interessensvertretung für Transport- und Verkehrsunternehmen. Bietet Beratung, Serviceleistungen und politische Vertretung auf Bundes- und Landesebene.
www.wko.at/transport-verkehr

Logistik Cluster Oberösterreich
Regionales Netzwerk zur Stärkung des Logistikstandorts Oberösterreich. Fördert Kooperationen, Innovation und Austausch zwischen Wirtschaft und Forschung.
www.logistik-cluster.at

ACstyria Mobilitätscluster
Steirisches Netzwerk für Mobilität und Logistik. Verbindet Unternehmen, Forschung und öffentliche Hand entlang der Wertschöpfungskette.
www.acstyria.com

GS1 Austria
Organisation für globale Standards wie Barcodes und Identnummern. Unterstützt effiziente, transparente Prozesse entlang der gesamten Supply Chain.
www.gs1.at

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