Konjunkturflaute

Österreichs Wirtschaft nahe an der Stagnation

Konjunkturprognose
25.03.2024

Die aktuelle Konjunkturschwäche in der EU (vor allem in Deutschland und Österreich) soll um die Jahresmitte 2024 wieder Fahrt aufnehmen. Für das Gesamtjahr erwartet das WIFO ein weiterhin schwaches Wirtschaftswachstum von nur 0,2 Prozent. 2025 beschleunigt es sich auf 1,8 Prozent.
Geschäftsmann mit Regenschirm im Gegenwind

„Der ursprünglich für Anfang 2024 erwartete Aufschwung verzögert sich. Befragungen heimischer Industrieunternehmen zeigten im Februar 2024 eine weitere Eintrübung der Stimmung", so Marcus Scheiblecker, einer der Autoren der aktuellen WIFO-Prognose. Die hohen Zinssätze im Euro-Raum dämpfen deutlich die Nachfrage nach Investitionsgütern. Im IV. Quartal 2023 schrumpften in diesem Wirtschaftsraum sowohl die Investitionen in Ausrüstungen als auch die Bauinvestitionen (real, gegenüber dem Vorquartal). Die auf die Produktion von Maschinen spezialisierten Volkswirtschaften Deutschland und Österreich leiden besonders unter diesem Nachfragerückgang. In beiden Ländern, in denen die Unternehmensstimmung derzeit trüb ist, wird die Wirtschaft 2024 abermals schwächer wachsen als im Durchschnitt des Euro-Raums. Für Österreich erwartet das WIFO ein Wachstum von lediglich 0,2 Prozent.

Die Inflationsrate sank im Euro-Raum deutlich rascher und ausgehend von einem höheren Niveau als in den USA, erreichte bereits im Jänner 2,8% und ging im Februar weiter auf 2,6% zurück. Damit hat sie sich in den letzten Monaten rasch dem 2%-Zielwert der EZB (Europäische Zentralbank) angenähert. Dies wie auch die schwache Konjunktur sollten es der EZB ermöglichen, ab der Jahresmitte 2024 eine Lockerung der Geldpolitik einzuleiten. Von der folgenden Belebung der Investitionsnachfrage sollten allen voran Deutschland und Österreich profitieren. Mit der Verbesserung der Wirtschaftslage dürfte Österreichs BIP ab der Jahresmitte 2024 expandieren und 2025 um 1,8% wachsen.

Verlangsamung der Inflation

Auch in Österreich ist mit einer weiteren Verlangsamung der Inflation zu rechnen. Die Inflationsrate wird nach 7,8% im Vorjahr in diesem Jahr auf 3,8% zurückgehen und 2025 weiter auf 2,7% sinken. Der Arbeitsmarkt reagiert verzögert auf die Konjunkturflaute. Nachdem die Zahl der unselbständig aktiv Beschäftigten 2023 trotz Rezession um 1,2% stieg, ist 2024 nur mehr mit einer Ausweitung um 0,4% zu rechnen. Auf Grundlage der prognostizierten Konjunkturerholung wird 2025 auch die Beschäftigung wieder stärker wachsen (+1,1%). Im Gegenzug sollte die Arbeitslosenquote nach einem vorübergehenden Anstieg auf 6,7% (2024) auf 6,5% zurückgehen (2023: 6,4%; nach nationaler Berechnungsmethode).

Die schwache Konjunktur, vor allem in der energieintensiven Industrie, und der überdurchschnittlich warme Februar tragen zu einer stärkeren Reduktion der Treibhausgasemissionen bei, als dies in der letzten WIFO-Prognose errechnet wurde. Für 2024 wird ein Rückgang um 2,5 Prozent erwartet. In der vorliegenden Vorausschau prognostiziert das WIFO erstmals Kennzahlen zur Einkommensverteilung und rechnet ab 2023 mit einem neuerlichen Anstieg der relativen Armutsgefährdung, während die Verteilungsungleichheit in der Tendenz abnehmen wird.