Länder im Inkasso-Ranking

Finanzen
21.06.2022

 
Wo Unternehmen am einfachsten zu ihrem Geld kommen, zeigt eine Rangliste mit 49 Ländern.
Ein Münzstapel wird durch eine Hand vor umfallenden Bauklötzen geschützt.

Die Fieberkurve der Weltwirtschaft steigt, es drohen vermehrt Zahlungsausfälle und Insolvenzen werden wieder häufiger. Schnelle und einfache Inkassoverfahren sind in dieser angespannten Wirtschaftslage für Unternehmen entscheidend. Der Kreditversicherer Acredia hat gemeinsam mit Allianz Trade eine Rangliste mit 49 Länder hinsichtlich der Komplexität beim Inkasso erstellt. Bewertet wurden Zahlungspraktiken sowie Gerichts- und Insolvenzverfahren in den einzelnen Ländern. „Österreich hat gut funktionierende Mechanismen“, berichtet Michael Kolb, Vorstand von Acredia. „In anderen Ländern ist das nicht so. Da ist es nicht mit ein paar Mahnläufen getan, sondern das Verfahren kann sehr aufwändig sein. In manchen Ländern kann es Monate oder Jahre dauern, bis Unternehmen ihr Geld bekommen. Vor allem im Mittleren Osten, Asien und Afrika kann es kompliziert werden.“

In Europa ist es am einfachsten, Schulden einzutreiben

Die Experten analysierten über 40 Indikatoren rund um lokale Zahlungspraktiken, Gerichts- und Insolvenzverfahren. Das daraus resultierende Ranking reicht von einem Score von 0 (geringe Komplexität) bis 100 (sehr hohe Komplexität).
Das Ergebnis zeigt klar: In Europa sind Inkassoverfahren am einfachsten. Elf Länder mit den niedrigsten Komplexitätswerten sind in Europa, erst auf Platz zwölf folgt mit Neuseeland das erste nicht-europäische Land. Die Länder mit den einfachsten Inkassoverfahren sind Schweden (Score von 30), Deutschland (30) und Finnland (32). Weltweite Schlusslichter sind Saudi-Arabien (91), Malaysien (78) und die Vereinigten Arabischen Emirate (72). Die Komplexität in diesen Ländern ist fast dreimal so hoch als in Westeuropa.

Österreich auf Rang 6, Insolvenz als größte Herausforderung 

Österreich reiht sich mit einer guten Zahlungsmoral, schnellen Gerichtsverfahren und einem umfassenden Insolvenzrecht unter die Top 10, auf Platz 6 (Score von 33). Gutes Debitorenmanagement ist dennoch ein Gebot der Stunde: „Die größte Herausforderung ist, wenn Kunden insolvent werden“, schildert Kolb. „Speziell für Klein- und Mittelunternehmen kann das Ausbleiben von Zahlungen rasch existenzbedrohend werden. Unternehmen tun grundsätzlich gut daran, Bonitäten zu prüfen und Zahlungsausfälle abzusichern.“

Große Unterschiede bei Österreichs Exportpartnern

Schaut man sich die Bewertung für die Exportpartner Österreichs an, zeigen sich große Unterschiede. Die meisten Waren und Dienstleistungen liefert Österreich nach Deutschland. Dort wird es Unternehmen leicht gemacht, offene Forderungen einzutreiben (Score 30). Auf Platz zwei der häufigsten Exportdestinationen liegt Italien, das mit einer Punkteanzahl von 49 eine vergleichsweise hohe Komplexität aufweist. Die Schweiz liegt auf dem dritten Platz der beliebtesten Handelspartner Österreichs, Inkassoverfahren sind hier relativ einfach (Score 33). Besonders schwer haben es Österreichs Exporteure in Tschechien (51) und in der Slowakei (53), um bei Zahlungsverzug an ihr Geld zu kommen.

Zur vollständigen Studie von Acredia und Allianz Trade: Inkasso-Ranking (PDF, Englisch)