Was Mitarbeiter krank macht

Gesundheit
24.11.2021

 

Viele Erkrankungen von Mitarbeitern können nur vermieden werden, wenn sich ihre Chefs für ihr Wohlbefinden mitverantwortlich fühlen. Auch im Homeoffice.

Stress

Zugluft. Giftige Dämpfe. Ohrenbetäubender Lärm. Solche „Krankmacher“ am Arbeitsplatz können Unternehmen leicht erkennen. Ebenso ist es, wenn sich ein Mitarbeiter in der Produktion beim Stanzen die Hand quetscht. Anders verhält es sich bei der Büroarbeit – egal, wo sie stattfindet. Hier sind die „Krankmacher“ oft schwer erkennbar. Doch es gibt sie. Das verdeutlicht ein Blick auf die häufigsten Erkrankungen von Büroangestellten. Neben Infektionskrankheiten sind dies

  • Erkrankungen der Wirbelsäule und des Bewegungsapparats,
  • Herzkreislauf- und Stoffwechselerkrankungen sowie
  • psychosomatische Erkrankungen.

Diese „Zivilisationskrankheiten“ verursachen 80 Prozent der krankheitsbedingten Fehltage – unter anderem, weil ihr Verlauf oft chronisch ist.

Mit der Prävention möglichst früh beginnen

Deshalb sollte ihre Prävention früh beginnen. Darüber sind sich die Experten einig. Weniger klar ist jedoch: Wie können sie vermieden werden? Schließlich haben diese Erkrankungen meist keine eindeutige Ursache. So werden zum Beispiel viele Herzkreislauf-Erkrankungen durch Stress (mit-)verursacht. Und der kann viele Auslöser, auch private, haben. Hinzu kommt: Was eine Person als Stress erlebt, ist subjektiv. Der eine Mitarbeiter denkt, wenn er eine neue Aufgabe erhält, „Toll“, den anderen packt die Panik.

Diese Denk- und Verhaltensmuster zeigen die Mitarbeiter auch privat. Berufliches und Privates sind folglich eng verwoben, wenn es um den Krankmacher Stress geht. Das gilt in Zeiten, in denen die Mitarbeiter vermehrt im Homeoffice arbeiten, mehr denn je. Ähnlich verhält es sich bei den Risikofaktoren, die oft die genannten Zivilisationskrankheiten auslösen. Zum Beispiel eine ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel.

Den Menschen als Ganzen im Blick haben

Deshalb sollte die betriebliche Gesundheitsprävention stets den Menschen als Ganzen im Blick haben. Zudem sollten die Präventionskonzepte, sofern möglich, nicht rein auf Information setzen. Denn Wissen allein veranlasst Menschen meist nicht dazu, ihr Verhalten zu ändern – wie das Beispiel Rauchen beweist. Vielmehr sollten sie auch die Elemente „Training“ und „Diagnostik“ enthalten.

Diagnostische Elemente, wie das Bestimmen der Blutwerte, sind wichtig, weil viele Menschen, deren Gesundheitsdaten schon eine Gefährdung signalisieren, sich noch topfit fühlen. Also sehen sie keinen Anlass, aktiv zu werden. Erläutert man ihnen aber ihre Gesundheitsdaten, die ihnen zum Beispiel ein stark erhöhtes Herzinfarkt- oder Burn-out-Risiko zeigen, dann reagieren sie betroffen und fragen fast automatisch nach: Wie kann ich einen Kollaps vermeiden?

Dann genügt es nicht dem Mitarbeiter zu sagen: Ernähre dich gesünder, bewege dich mehr. Das wissen die meisten. Vielmehr sollte ihnen dann zum Beispiel auch gezeigt werden, wie sie Sport treiben sollten, damit dies ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden fördert.

Führungskräfte spielen eine Schlüsselrolle

Ein weiteres Element aller modernen Gesundheitsförderkonzepte ist: Die Führungskräfte spielen in ihnen eine Schlüsselrolle, denn sie prägen weitgehend die Arbeitsbedingungen ihrer Mitarbeiter –auch im Homeoffice. Gibt ein „Chef“ keine klaren Anweisungen und wissen seine Mitarbeiter nicht, was sie zu tun haben, erzeugt dies bei ihnen Stress. Ebenso ist es, wenn der „Chef“ Mitarbeiter für Fehler regelmäßig an den Pranger stellt. Dann sind die sie oft nicht nur gekränkt, sondern auch schnell gestresst – aufgrund der permanenten Sorge „Hoffentlich mache ich keinen Fehler“. Und dies führt nicht selten dazu, dass sie irgendwann erkranken.

Das Homeoffice schafft neue Rahmenbedingungen

Diese Gefahr ist besonders groß, wenn ein größerer Teil  der Mitarbeiter corona-bedingt – mehr oder minder freiwillig – vermehrt im Homeoffice arbeitet. Denn dann nehmen die Führungskräfte aufgrund der nun fehlenden persönlichen Begegnungen häufig auch seltener oder später wahr, wenn Mitarbeiter zum Beispiel Stress-Symptome zeigen. Sie können zudem anders als im Büro nur bedingt checken, ob das Arbeitsumfeld im Homeoffice eines Mitarbeiters so gestaltet ist, dass dieser weitgehend stress-frei arbeiten kann. Also können sie auf mögliche Krankmacher in ihm auch nicht reagieren. Entsprechend wichtig sind gerade bei der virtuellen Zusammenarbeit solche Tools wie digitale Gesundheitszirkel – also Online-Gesprächskreise, in denen die Mitarbeiter selbst ermitteln, welche Faktoren ihr Wohlbefinden unter den veränderten Rahmenbedingungen negativ beeinflussen und wie diese beseitigt werden können. So geraten auch Krankmacher in den Blick, die ansonsten nur schwer zu erkennen sind.  Zum Beispiel Mängel in der (digitalen) Kommunikationskultur. Zudem sollten, wenn aufgrund der Arbeit im Homeoffice, Berufliches und Privates stärker als bisher verschmelzen, die Unternehmen ihren Mitarbeitern die Möglichkeit offerieren, bei Bedarf einen Coach oder Präventionsspezialisten zu kontaktieren, um

  • mit ihm zu analysieren, was sie unter den veränderten Arbeitsbedingungen warum belastet, und
  • mit ihm individuellen Aktionsplan zu entwerfen.

Am wichtigsten ist jedoch, dass die Unternehmen ihre Führungskräfte dafür sensibilisieren, wie schnell die veränderte Arbeits- und Führungssituation zu einem Ausbrennen gewisser Mitarbeiter – zum Beispiel aufgrund von Überforderung oder sozialer Isolierung – führen kann. Zudem dass sie ihnen Techniken vermitteln, wie sie auch online ermitteln können, wie es ihren Mitarbeitern gerade geht. Denn nur dann können sie ihre Fürsorgepflicht für diese aktiv wahrnehmen.

Text: Sabine Machwürth, Machwürth Team International (MTI Consultancy). 

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