Im österreichischen Wintersport ist Spitzenleistung kein Zufall. Sie ist das Ergebnis von Disziplin, mentaler Stärke und einem unerschütterlichen Willen, unter höchstem Druck Leistung zu bringen. Von der gefürchteten Streif in Kitzbühel bis hin zu den von Millionen Zuschauer*innen verfolgten olympischen Starttoren haben sich österreichische Skifahrer*innen und Wintersportler*innen weltweit einen Ruf für Entschlossenheit, Widerstandsfähigkeit und unermüdliche Vorbereitung erarbeitet. Namen wie Marcel Hirscher, Hermann Maier, Anna Veith und Matthias Mayer sind in die Sportgeschichte eingegangen, weil sie es verstanden haben, mit Druck umzugehen, wenn Scheitern keine Option war.

Mit dem Wintersport wieder im Fokus der internationalen Aufmerksamkeit hat Hogan Assessments, weltweit führend im Bereich Persönlichkeitsbewertung am Arbeitsplatz und Führungskräfteberatung, die psychologischen Grundlagen hinter den Leistungen der österreichischen Spitzensportler*innen analysiert. Ziel war es, herauszufinden, was Mitarbeitende und Führungskräfte unternehmensweit von diesen Champions lernen und direkt auf die eigene Karriere anwenden können.

Disziplin vor Ruhm

Österreichische Champions sind nicht nur für ihr außergewöhnliches Talent bekannt, sondern auch für ihre Beständigkeit. Marcel Hirscher, achtmaliger Weltcupsieger, wurde nicht nur wegen seines Könnens legendär, sondern auch aufgrund seiner obsessiven Vorbereitung und seiner Konstanz über mehrere Saisons hinweg. Ebenso baute Hermann Maier, der „Herminator“, seine Karriere nach einem fast tödlichen Motorradunfall durch Disziplin und Widerstandsfähigkeit wieder auf. Ihre Disziplin und Widerstandsfähigkeit sind geprägt von Gewissenhaftigkeit – einer Persönlichkeitseigenschaft, die mit Disziplin, Zuverlässigkeit und Selbstbeherrschung verbunden ist. Es ist kein Zufall, dass Gewissenhaftigkeit branchenübergreifend als stärkster Persönlichkeitsfaktor für Arbeitsleistung gilt.

Elite-Skifahrer*innen trainieren Jahr für Jahr für Abfahrten, die nur Sekunden dauern. Sie wiederholen konsequent die Grundlagen, managen ihre Erholung präzise und minimieren vermeidbare Fehler. Am Arbeitsplatz liefern Fachkräfte mit derselben Mentalität zuverlässige Ergebnisse, halten Termine auch unter Druck ein und werden lange vor einer Beförderung zu vertrauenswürdigen Mitarbeitenden.

„Der Erfolg im österreichischen Wintersport wird lange vor dem entscheidenden Tag vorbereitet“, sagt Ryne Sherman, Chief Science Officer, bei Hogan, USA. „Das Gleiche gilt auch in der Wirtschaft. Erfolgreich sind diejenigen, die sich gründlich vorbereiten, gut organisiert sind und auf die man sich verlassen kann, wenn es wirklich darauf ankommt.“

Mentale Konzentration

Nur wenige Sportarten sind so gnadenlos wie eine Startbox bei einer alpinen Abfahrt. Wenn Matthias Mayer sich in olympische Abfahrtsstrecken stürzte oder Skispringer wie Stefan Kraft sich von der Absprungschanze katapultierten, war höchste Konzentration unabdingbar. Eine einzige Ablenkung, eine Fehleinschätzung – und jahrelange Vorbereitung konnte in Sekundenschnelle zunichtegemacht werden. Österreichische Athlet*innen werden darauf trainiert, sich zu fokussieren, ihre Nerven zu kontrollieren und klar zu handeln, selbst wenn die Fehlerquote in Hundertstelsekunden gemessen wird.

Untersuchungen zeigen, dass mentale Bilder und Konzentrationstechniken die Leistung in Hochdrucksituationen erheblich verbessern können. Champions proben ihren Erfolg lange vor Beginn des Wettkampfs und bauen dadurch Ängste ab, während sie ihre Entscheidungsfähigkeit schärfen.

Für Fachkräfte sind die Parallelen offensichtlich: Präsentationen im Sitzungssaal, Beförderungsgespräche und Krisensituationen erfordern dieselbe mentale Kontrolle. „Konzentration ist nicht nur eine Fähigkeit, sondern wird auch von der Persönlichkeit beeinflusst“, so Sherman. „Menschen, die verstehen, wie Stress ihr Verhalten beeinflusst, können Ablenkungen bewältigen, gelassen bleiben und auch unter höchstem Druck Leistung bringen.“

Respektvolle Zusammenarbeit

Trotz ihrer ausgeprägten Wettbewerbsorientierung trainieren österreichische Wintersport-Champions in eng verbundenen Teams. Rival*innen spornen sich gegenseitig zu höheren Leistungen an und teilen zugleich Erkenntnisse, Respekt und kollektive Verantwortung. Dieses Gleichgewicht zwischen Wettbewerb und Zusammenarbeit ist ein entscheidendes Merkmal nachhaltigen Erfolgs. Trainingsgruppen, aus denen Athlet*innen wie Benjamin Raich und Katharina Liensberger hervorgegangen sind, leben von gemeinsamen Standards, gegenseitigem Respekt und kollektiver Verantwortung. Rivalinnen treiben sich zu Höchstleistungen an und wissen gleichzeitig, dass Fortschritt nur durch Zusammenarbeit möglich ist.

Auch die Unternehmenswelt spiegelt diese Dynamik wider. Leistungsstarke Organisationen fördern Ehrgeiz, ohne dass dieser das Vertrauen untergräbt. Fachkräfte, die um Ergebnisse konkurrieren und gleichzeitig zu gemeinsamen Zielen beitragen, sind eher erfolgreich und werden häufiger in Führungspositionen befördert. „Die Persönlichkeit bestimmt, wie Menschen ihren Ehrgeiz mit Zusammenarbeit in Einklang bringen“, sagt Sherman. „Die effektivsten Führungskräfte sind ehrgeizig, verlieren aber nie das Team aus dem Blick. Langfristiger Erfolg – im Sport wie in der Wirtschaft – wird niemals allein erreicht.“

Von der Piste ins Büro

Der Erfolg des österreichischen Wintersports erinnert daran, dass Karrieren ebenso wie Meisterschaften nicht durch einzelne Glanzmomente entschieden werden. Sie entstehen durch Belastbarkeit, Selbstbewusstsein und die Bereitschaft, jeden Tag harte, oft unsichtbare Arbeit zu leisten. Anna Veiths Rückkehr in den Spitzensport nach einer Verletzung sowie Hermann Maiers außergewöhnliches Comeback unterstreichen die Bedeutung von Belastbarkeit, Selbstbewusstsein und anhaltender Anstrengung.

Für Mitarbeitende und Führungskräfte ist die Botschaft klar: Verstehen Sie Ihre Persönlichkeit, bereiten Sie sich konsequent vor, bleiben Sie unter Druck konzentriert und konkurrieren Sie, ohne Brücken abzubrechen. Durchhaltevermögen und ein starker Wille sind nicht nur sportliche Tugenden, sondern auch entscheidende Faktoren für beruflichen Erfolg. „Ob auf einem eisigen Berghang oder in einem Besprechungsraum – Leistung wird durch Einsicht, Absicht und Persönlichkeit angetrieben“, so Sherman. „Die stärksten Karrieren, wie die stärksten Champions, werden lange vor dem Rampenlicht aufgebaut.“