Kopfüber zum Erfolg

06.07.2012

Interview: In drei Jahren vom Konkurs zum zweistelligen Wachstum. Bei Komplettanbieter Inku ist außer dem Markennamen alles neu, sagen nicht nur die Geschäftsführer. Ein Gespräch über solide Partnerschaften, neue Technologien und den Willen alles auf den Kopf zu stellen.

Verena Böhm-Czech und Herbert Seidl in der neuen Inku-Zentrale in Wiener Neudorf.

Color-Chefredakteur Dominique Platz im Gespräch mit Verena Böhm-Czech und Herbert Seidl

Im Jahre 2008 musste das Traditionsunternehmen Inku Konkurs anmelden. 2009 bekam man mit der W. & L. Jordan GmbH einen starken Partner aus Deutschland an die Seite. Seither ist Inku 100-prozentige Jordan-Tochter. Während der letzten 2 ½ Jahre erfolgte unter der Leitung von Mario Freiberger eine umfangreiche personelle und organisatorische Neuausrichtung des Unternehmens, was u.a. auch durch die Gründung neuer Filialstandorte in fünf österreichischen Landeshauptstädten begleitet wurde. Wir haben Geschäftsführer Herbert Seidl und Prokuristin Verena Böhm-Czech zum Gespräch in der neuen Zentrale in Wiener Neudorf getroffen.

Der Geschäftsführungsvertrag mit Mario Freiberger wurde mit 30. April einvernehmlich und wie geplant beendet. Nun sind Sie an der Reihe. Was steht auf ihrer Agenda?

Verena Böhm-Czech: Vielleicht müssen wir da erst einmal ein Stück in die Vergangenheit zurück gehen, denn in den letzten beiden Jahren haben wir mit dem Umzug der Zentrale von Klosterneuburg nach Wiener Neudorf bereits einiges geleistet. Insgesamt sind wir mit sechs Standorten und der personellen wie räumlichen Entwicklung auf Schiene. In Zukunft wird es darum gehen, diese Regionalisierung weiter voran zu treiben und die Partnerschaft mit unseren Kunden weiter auszubauen.

Herbert Seidl: Nachdem die räumliche Regionalisierung nun abgeschlossen ist, wollen wir das Prinzip auch in den Köpfen der Kunden verankern und ihnen die Vorteile vor allem in Sachen Lagerung und Logistik näher bringen. Unser Grundsatz lautet: „Our Business is local“ und dementsprechend freuen sich unsere Kunden auch über Ansprechpartner aus ihrer jeweiligen Region, die, im wahrsten Sinne des Wortes, ihre Sprache sprechen.

Böhm-Czech: Durch die Niederlassungen in den Regionen ist es möglich, dass Raumausstatter mit ihren Kunden zu uns kommen und unsere Schauräume für ihre Beratung nutzen.

Seidl: Um auf Ihre Eingangsfrage zurück zu kommen. Die Restrukturierung von einer zentralen zu einer dezentralen Organisation, die Herr Freiberger vorgenommen hat, ist nun positiv abgeschlossen. Jetzt geht es darum, die Marke Inku mit Leben zu füllen und unseren Fachhandelspartnern mit Servicequalität ihre tägliche Arbeit zu erleichtern. Das spannende an unserem Markt ist die Dynamik, obwohl es ja eigentlich ein alter Markt ist.

Inkus Werbeslogan lautet „Die Bühne meines Lebens“. Welche Bühne bedeutet Inku für Herbert Seidl als neuen Geschäftsführer?

Seidl: Die Bühne meines Lebens (lacht)? Sagen wir es mal so: Grundsätzlich setzt Inku als eigentümergeführtes Familienunternehmen auf authentisches und überzeugendes Eintreten für den Betrieb – sowohl den Kunden als auch den Mitarbeitern gegenüber. Und da lässt sich eigentlich der Kreis zu mir schließen, denn die Bühne meines Lebens bezieht sich auf die Verschönerung unseres Lebensraums, einerseits bei mir persönlich, aber in erster Linie natürlich bei unseren Kunden bzw. deren Kunden. Wobei der Slogan eigentlich einem früheren Casa-Auftritt von Inku entstammt. Wir haben dort im übertragenen Sinne die Bretter, die die Welt bedeuten, gestaltet. Das lässt wiederum einen Brückenschlag zum Parkett, zum Laminat, aber auch zu anderen Bodenbelägen zu, die eben für uns die Welt bedeuten. Die adaptierte Version und somit brandaktueller Slogan lautet „Vollkommenheit erleben“.

„Vollkommenheit erleben“ ist also nicht nur das Motto der neuen Bodenbelagskollektionen?

Seidl: Hierbei geht es generell um den neuen Markenauftritt. Da geht es um die Bildsprache und die gesamtheitliche Aufstellung der neuen Kollektionen. Wir unterscheiden zwischen Classic und Deluxe, wobei sich Classic eher als alltägliche, konsumige, trendige Produktion präsentiert, während Deluxe unser gediegenes Hochwertprogramm für den anspruchsvollen Privat-, aber auch Objektbereich darstellt.

Wie kann man dem hoch gesteckten Ziel Vollkommenheit gerecht werden und dabei trotzdem wirtschaftlich sein? Vor allem gegenüber Billiganbietern?

Seidl: Grundsätzlich ist der Bodenbelagsbereich kein Markenthema. Das heißt, man kann sich nur mit einer ganzheitlichen Bearbeitung als Marke positionieren. Wichtig ist das Drumherum, sprich: wie die Marke gefüllt wird. Da geht es um Serviceleistungen, da geht es um die Qualität der Produkte selbst, da geht es aber auch um den Marketingauftritt. Und über alldem steht natürlich, dass unser Fachhandwerk unsere Systemprodukte qualitativ und vor allem fachgerecht beim Endkunden auch verlegt bzw. installiert. Dafür gibt es ja auch unsere Fachberater.

Wie können Sie dafür Sorge tragen, dass dies vonseiten der Partnerbetriebe auch so gehandhabt wird?

Böhm-Czech: Grundsätzlich natürlich nur bedingt, zumal unsere Kunden – auch die Inku-Fachberater – komplett eigenständig arbeiten. Wir unterstützen unsere Partnerfirmen mit Seminaren, Fortbildungen, gehen sehr individuell auf die Bedürfnisse der einzelnen Partner ein und geben ihnen verschiedene Marketingtools an die Hand. Allerdings werfen wir nicht einen Trend nach dem anderen auf den Markt, sondern verfolgen eine langfristige Strategie, was vor allem auch der Qualität der Produkte zu Gute kommt.

Kann man dennoch einen allgemeinen Trend in der Raumgestaltung ausmachen?

Seidl: Im Bodenbelagsbereich ist ein Trend klar erkennbar und das sind Designbeläge bzw. so genannte Luxury Vinyl Tiles. Diese LVTs sind weiterhin auf dem Siegesmarsch, was vor allem ihren positiven Eigenschaften zuzuschreiben ist: Sie sind leicht zu reinigen und zu pflegen, hoch strapazierfähig und überdies relativ einfach in bestehende Gebäude einzubauen – auch mit der geringen Aufbauhöhe. Kurzum: LVTs sind ein Bodenbelag, der so gut wie alles kann.

Wobei die Vorteile von Vinyl-, aber auch Laminatböden ja nicht nur auf funktioneller Ebene liegen. Gerade die Oberflächengestaltung wird immer authentischer. Welche Fortschritte bzw. Entwicklungen sind denn noch zu erwarten?

Seidl: Wir befinden uns mittendrin in der Entwicklung. Mit unserer Designkollektion etwa beantworten wir die Nachfrage in Richtung Authentizität, sprich: der Natur nachgeahmte Produkte mit entsprechenden Struktureindrücken. Die Poren des Astes werden dabei so authentisch wie möglich gestaltet. Das geht so weit, dass selbst für die Fachwelt eine Unterscheidung zum Naturvorbild auf den ersten Blick nahezu unmöglich ist. Da muss man dann schon niederknien und fühlen.

Und im Teppichbodensegment?

Seidl: Neben dem Designbelag erkennen wir absolutes Steigerungspotenzial im hochwertigen, textilen Bodenbelag. Wobei das meist als Highlight zum Tragen kommt – im Schlafzimmer etwa. Da kommt dann der Wohlfühlfaktor zum Vorschein: Klar betreten die Füße am Morgen nach dem Aufstehen lieber einen kuscheligen Teppich als einen kälteren, harten Belag.

Wie stellt sich das im Heimtextiliensegment dar?

Böhm-Czech: Richtige Trends gibt es meiner Meinung nach auch im Heimtextiliensegment nicht. Wir konzentrieren uns auf die verschiedenen Wohnwelten, die wir in Privat Comfort, Modern Dreams und Natural Feeling unterteilen. Gerade auf letzterem liegt bei Inku aktuell ein starker Fokus.

Im Textilienbereich vollzieht sich derzeit ein Wandel, schwer brennbare Stoffe, Cradle-to-Cradle etc. Es gibt viele Möglichkeiten sich zu positionieren, wo ist Inku verortet?

Böhm-Czech: Wir sind da natürlich mittendrin. Ein Fokus liegt mit Sicherheit auf dem Thema Trevira CS (Fasern und Garne, die weltweit den wichtigen Brandschutzvorschriften standhalten, Anm. d. Red.). Gerade im Objektbereich ist das ein großer Aspekt der heimischen Bauvorschriften – zum Glück. Selbstverständlich kollektionieren wir auch in diese Richtung.

Seidl: Um nochmal auf das Thema Cradle-to-Cradle zurück zu kommen. Das geht ja weit über den Textilienbereich hinaus. Auch andere Zertifizierungen wie etwa der Blaue Engel, Green Building etc. werden von uns unterstützt. Vor allem im öffentlichen Bereich sind Produkte, die unter dem großen Titel Nachhaltigkeit firmieren, selbstverständlich nicht mehr wegzudenken. Aber auch im Privatbereich haben wir mit unserer Teppichkollektion Smartstrand, die zu über 40 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen besteht, auf diesen Trend reagiert. Für den Bodenleger bedeutet das ein starkes Verkaufsargument bei seinen Kunden, das sich stetig wachsenden Zuspruchs erfreut.  

Sprechen wir hier nur von einem Marketingtool oder gibt es auch funktionelle Vorteile?

Seidl: Sowohl als auch. Die Fasern bei besagter Kollektion zum Beispiel sind weniger schmutzempfindlich und somit leichter zu reinigen, aber natürlich ist der Faktor Ökologie auch in Sachen Marketing hilfreich.

Wie lassen sich die Themen Cradle-to-Cradle und schwer brennbare Stoffe eigentlich vereinen? Immerhin bestehen Trevira-Fasern aus Polyester.

Seidl: Bei Teppichfliesen funktioniert das sehr wohl. Das heißt, gemäß den Cradle-To-Cradle-Kriterien holen wir die Ware vom Kunden zurück und binden diese auch wieder in den Produktionskreislauf ein. Biosfera ist ein Beispiel, wo wir so vorgehen. Beim neuen Produkt haben wir dann wieder alle Objekteigenschaften vereint. Auf der technischen Ebene heißt das etwa die Trennung von Rücken- auf Trägermaterial. Rohöl wird allerdings noch keins daraus (lacht).

Wie stellt sich eigentlich die Verteilung im Inku-Sortiment dar?

Seidl: Der gesamte elastische Bereich umfasst knapp 40 Prozent, jeweils 25 Prozent entfallen auf Parkett/Laminat bzw. auf den Bereich textile Bodenbeläge. Die restlichen zehn Prozent entfallen auf die Bereiche Bauchemie und Zubehör. Da kommt wiederum der Vollsortimenter-Anspruch zum Tragen. Wir bieten unseren Kunden von der Spachtelmasse bis zur Produktpflege alles an.

2011 hat man ein zweistelliges Wachstum erreicht. Für heuer ist man angetreten, dies zu wiederholen. Nach dem ersten Quartal, zeichnet sich schon ein Trend ab?

Seidl: Der zweistellige Zuwachs zeichnet sich glücklicherweise auch im heurigen Jahr wieder ab und an diesem Ziel werden wir weiterhin festhalten. Wir sind ja nach wie vor in der Expansionsphase.

Ist eine Expansion auch nach Europa geplant oder konzentriert man sich auf den heimischen Markt?

Seidl: Wir bewegen uns ja stets im Schulterschluss mit Jordan und da gibt es sicherlich noch den einen oder anderen weißen Fleck in Deutschland, aber natürlich haben wir historische Verbindungen zu Tschechien, zur Slowakei und zu Südtirol, wo wir sukzessive das Geschäft ausbauen. Das läuft aber gemeinsam mit Partnern vor Ort.

Jörg Ludwig Jordan sagte kürzlich „Außer dem Namen ist bei Inku alles neu“. Was sind die Neuheiten, die Ihnen besonders am Herzen liegen?

Seidl: Tatsächlich ist kein Stein auf dem anderen geblieben. Herausheben möchte ich aber dennoch die Kundenorientierung, die nun ganz anders funktioniert. Die neue Politik lautet: Unser Handeln wird durch die Bedürfnisse unserer Kunden maßgeblich beeinflusst.

Wie muss man sich das vorstellen?

Böhm-Czech: Grundsätzlich ist uns die Partnerschaft mit unseren Kunden sehr wichtig – und das ist nicht nur ein Schlagwort. Für uns heißt das: Wir wollen Partner für unsere Kunden sein und natürlich auch dort unterstützen, wo wir gebraucht werden. Wenn der Kunde einmal dringend etwas braucht, sind wir da, um mit ihm gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.