Alter(n) – na und!?

Ruhezeit
29.01.2020

Von: Mag. Dr. Franz J. Schweifer

Wir leben im Schnitt länger denn je und werden im Vergleich zu früheren Generationen uralt. Demografische Entwicklungen bzw. ein sorgsames Generationenmanagement werden damit zur virulenten Herausforderung – gesellschaftlich wie unternehmerisch. Und was nun?

So verlauten Bevölkerungsprognosen diverser Institute unisono, dass die Gruppe der Erwerbstätigen drastisch kleiner wird, jene der Älteren hingegen immer größer. Und Frank Schirrmacher hatte bereits 2004 in seinem scharfsinnigen Methusalem-Komplott (S. 10) gemeint: „Ungläubig schlägt man die Augen auf, als wäre man nicht seit Jahren vorgewarnt, und plötzlich ist man alt. So wird es unserer Gesellschaft ergehen. Die unerschütterliche Logik der Abreißkalender sagt uns, dass die Drohung mit jedem neuen Geburtstag für uns alle wächst. Und doch tun wir so, als wäre es nicht unsere Zeit, die gerade abläuft.“

Alter(n) ist nicht das Problem

Auch die Europäische Union hat sich des Themas angenommen und bereits 2012 zum „Europäischen Jahr des aktiven Alterns und der Solidarität zwischen den Generationen“ erklärt, um mehr Bewusstsein zu schaffen. Umso ermutigender der Appell des ehemaligen EU-Kommissars Vladimir Spidla: „Ältere sind nicht Teil des Problems, sie sind Teil der Lösung.“ Mehr als 2000 Jahre vor Vladimir Spidla hatte bereits ein anderer Politiker entgegen der verbreiteten Larmoyanz gemeint: „Nicht das Alter ist das Problem, sondern unsere Einstellung dazu.“ (Marcus Tullius Cicero)

Faktum ist, dass…

  • aktuell die über 65-Jährigen rd. 20% der Gesamtbevölkerung Österreichs ausmachen und die 50- bis 54-Jährigen die größte Kohorte der erwerbsfähigen Personen repräsentieren
  • innerhalb der nächsten Jahre altersbedingt ein erheblicher Teil der Führungskräfte aus den Unternehmen ausscheidet und dadurch bis zu 40% der Positionen vakant werden
  • ein Wertewandel bei Jüngeren eingesetzt hat („Nicht leben, um zu arbeiten, sondern arbeiten, um zu leben!“)
  • sich das Defizitbild der Älteren wandelt: „Alter ist Umbau statt Abbau“, „grau & schlau“, „Silberschatz“, „Oldies but Goldies“, usw.

Erfolgsfaktoren & Handlungsfelder

Generationenmanagement (GM) gelingt, wenn...

  • das verantwortliche Management 100% dahintersteht
  • es nicht nur eine Sache eines Projektteams, sondern eine exklusive Management- und Führungsaufgabe ist
  • es kein singuläres Projekt, sondern Teil eines laufenden Prozesses ist
  • es ganzheitliche Parameter und Handlungsfelder berücksichtigt ´(s. Link weiter unten)
  • Klarheit in Bezug auf Fragen besteht wie etwa: Was konkret kann und soll GM (nicht) leisten? Was sind mögliche Ziel- und Interessenkonflikte? Wer konkret ist inwiefern betroffen (Zielgruppen)? Was hat das Unternehmen bzw. haben die Betroffenen davon (Nutzen)?
  • offen kommuniziert wird: von Beginn an mit allen Betroffenen, angemessen in Inhalt, Sprache, Verständlichkeit

Details zu 4 konkreten Handlungsfeldern und Hebeln finden Sie hier.  

Kommunikation & Sensibilisierung als Schlüssel

Gewissermaßen als Meta-Hebel mit zentraler Scharnierfunktion gelten Kommunikation und Sensibilisierung. Das oberste Gebot lautet: Alle Betroffenen zu Beteiligten machen und sie von Beginn an „mit auf die Reise nehmen“. Offen und klar kommunizieren. Denn nur wer sich angesprochen, beteiligt und verstanden fühlt, macht auch wirklich mit und zieht am (Erfolgs-)Strang.

Auch Generationenmanagement muss Ausdruck einer besonderen Unternehmens- und Führungskultur sein, die bewusstseinsbildend wirkt. Oder wie es der finnische Arbeitsmediziner Juhani Ilmarinen, ausgezeichnet für die Umsetzung eines „nationalen Programms für ältere Arbeitnehmer“, auf den Punkt bringt: „Der wichtigste Hebel zur vermehrten Beschäftigung Älterer ist eine gute, altersgerechte Unternehmensführung.“

Fazit

Generationenmanagement ist...

  • grundsätzlich für alle Altersgruppen intendiert
  • kein Spezialprojekt oder Schonprogramm (nur) für sogenannte Ältere
  • eine Wertschöpfungs- & Wertschätzungs-Investition, die sich für alle lohnt
  • ein vitales Überlebens- & Attraktivitäts-Programm für jedes Unternehmen (Wettbewerbsvorteil)
  • nicht nur eine Frage von Einstellung und Unternehmenskultur, sondern auch von Organisation, denn „Produktivität ist nicht vom Alter abhängig, sondern von der Organisation der Tätigkeit.“ (Juhani Ilmarinen)

Und zuletzt noch ein kleiner Selbsttest: Glauben Sie, dass Sie Ihre derzeitige Tätigkeit bis zum voraussichtlichen Pensionsantritt bewältigen können? Wenn JA, wieso? Wenn NEIN, was wäre notwendig?