In Österreich wurden 2025 rund 18 Prozent mehr Wohnimmobilien gekauft als im Vorjahr. Laut dem aktuellen Deloitte Property Index ist das der stärkste Anstieg seit mehr als einem Jahrzehnt. Die zum 15. Mal erschienene Studie untersucht die Wohnimmobilienmärkte in 25 europäischen Ländern und zeigt auch europaweit eine Stabilisierung. Die Nachfrage kehre insbesondere bei gebrauchten Wohnungen zurück, erklärt Gabriele Etzl, Partnerin und Immobilienexpertin bei Deloitte Legal in Österreich. Verbesserte Finanzierungsbedingungen und eine Preisentwicklung unterhalb der Inflation hätten Immobilienkäufe wieder attraktiver gemacht. Im Neubausegment lägen die Transaktionen allerdings weiterhin unter dem langjährigen Durchschnitt.
Baubewilligungen auf Tiefstand
Während die Käufe zunehmen, bleibt die Neubautätigkeit schwach. Die Zahl der Baubewilligungen für neue Wohnbauten sank 2025 um weitere 7,1 Prozent auf den niedrigsten Stand seit 2010. Nach Einschätzung von Deloitte könnte die Kombination aus steigender Nachfrage und geringem zusätzlichem Angebot die Preise weiter erhöhen.
„Mehr Käufe bedeuten noch keine Entspannung am Wohnungsmarkt. Die Nachfrage nimmt wieder zu, während aus dem Neubau wenig zusätzliches Angebot nachkommt. Das erhöht den Druck auf die Preise. Die niedrigen Bewilligungszahlen dürften sich auch 2027 noch bei den Fertigstellungen bemerkbar machen“, sagt Etzl.
Neubaupreise: Österreich auf Platz vier
Eine Neubauwohnung kostete in Österreich 2025 durchschnittlich 5.199 Euro pro Quadratmeter. Damit liegt Österreich unter den untersuchten Ländern auf Platz vier, hinter Luxemburg mit 9.160 Euro, Tschechien mit 5.412 Euro und Deutschland mit 5.200 Euro. Gegenüber dem Vorjahr stiegen die österreichischen Neubaupreise um 2,9 Prozent. In Kroatien, der Slowakei und Ungarn waren die Zuwächse hingegen zweistellig.
Im Städtevergleich liegen die Neubaupreise in Österreichs großen Städten unter jenen mehrerer westeuropäischer Metropolen. Für Wien weist die Studie durchschnittlich 6.711 Euro pro Quadratmeter aus, für München 11.200 Euro, für Amsterdam 8.650 Euro und für Barcelona 8.037 Euro. In Graz beträgt der Durchschnittspreis 3.935 Euro, in Linz 4.655 Euro pro Quadratmeter.
Bestandsmieten: Wien unter Graz und Linz
Bei den durchschnittlichen Bestandsmieten liegt Wien mit 11,10 Euro pro Quadratmeter unter Graz mit 11,60 Euro und Linz mit 12,30 Euro. Deutlich höhere Werte nennt die Studie für Luxemburg mit 45,40 Euro, Paris mit 31,20 Euro und Barcelona mit 30,90 Euro pro Quadratmeter.
Die Angaben beziehen sich auf bestehende Mietverhältnisse. Sie lassen daher keine direkten Rückschlüsse auf die Kosten einer Neuanmietung zu. Im Neubausegment liegt das Mietpreisniveau laut Deloitte auch in Österreich höher.
Etzl bezeichnet das vergleichsweise niedrige Wiener Mietniveau als Standortvorteil. Um diesen langfristig zu erhalten, brauche es ausreichend neuen Wohnraum und Rahmenbedingungen, die entsprechende Investitionen ermöglichten. Darüber hinaus spricht sie sich für eine Reform des Mietrechts aus, damit Renovierungen und Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz bei regulierten Bestandsimmobilien wirtschaftlich durchgeführt werden könnten.
