WO CEOS ÜBERLEBEN LERNEN

Ausbildung
07.02.2021

 

Irgendwie hat man 2020 überstanden: Corona, Liquiditätskrise, Digitalisierung, neue Geschäft smodelle, Führung im Wandel. Wenn man nur lernen könnte, wie es richtig geht.

Man kann es lernen. Die Weiterbildungsanbieter haben begriffen, was der Mittelstand braucht. Erst haben sie ihre Formate dem Babyelefanten und den Geboten des Distance Learnings angepasst, dann ihre Inhalte. Doch der Reihe nach.

Die beiden wichtigsten Fortbildungsschienen für Manager sind Fachhochschulen (FHs) und Seminaranbieter. Beginnen wir mit dem einfacheren, den FHs. Zuerst mit dem Überblick: Tabelle 1 sagt Ihnen, welche der 19 heimischen FHs für welche Region und welches Thema infrage kommt.

Tabelle 2 geht ins Detail. Jede FH hat, abgesehen vom Studienangebot, ein paar Spezialitäten, vom besonders niederschwelligen Zugang über Forschungsstärke, von nagelneuen Labors über internationale Kontakte. Das Angebot selbst finden Sie unter den angegebenen Links. Die vielen Hundert Studien würden diesen Rahmen sprengen.

Nicht bewerten, nicht entweder/oder, sondern sowohl/als auch gelten lassen., Michaela Kreitmayer, Leiterin FH Hernstein

Fest steht: Die großen Gegenwartsthemen Digitalisierung und Nachhaltigkeit haben alle FHs verinnerlicht. Die meisten unterzogen ihre Studien einer Verjüngungskur. Das zeigt sich in deren Benamung: „Exportmanagement“ heißt jetzt „International Business“, um nur ein Beispiel zu nennen. Beliebt sind auch Best-ofs verschiedener Disziplinen, etwa BWL, VWL und Recht. Oder, heißer Tipp, „Computational Thinking“-Module: Ausdrücklich keine Computerkurse, sondern solche, in denen man die digitale Logik kennenlernt.

Zum Thema Nachhaltigkeit ist die FHWien der WKW ein gutes Beispiel. Geschäftsführer Michael Heritsch bildet Führungskräfte aus, wirtschaftlich, ökologisch und sozial nachhaltig zu handeln. „Ich bin überzeugt: Wer in Zukunft einen Betrieb erfolgreich lenken möchte, wird sich mit den Auswirkungen seines eigenen Wirtschaftens auf Umwelt und Gesellschaft auseinandersetzen müssen. Nicht zuletzt, weil Kunden und Mitarbeiter immer mehr Wert darauf legen.“ Als eine der ersten FHs integrierte Heritsch Unternehmensethik und Corporate Governance als Pflichtfächer in alle Master-Studiengänge.

CORONAKONFORM SOWIESO Alle befragten FHs versicherten ihre Corona-Tauglichkeit. Die meisten verlegten ihren Betrieb im März problemlos ins Internet. Laut Heritsch kam das gerade bei Unternehmenslenkern gut an: „Sie erlebten es als enorm hilfreich, nicht für jede Kleinigkeit an die FH kommen zu müssen.“ Bis zum Ende des Wintersemesters will er das beibehalten, dann wird man sehen.

An der IMC FH Krems hingegen experimentiert Kollegiumsleiter Martin Waiguni mit gemischten Formaten: „Vermehrte Selbststudienzeiten und Kleingruppenausgaben: Das spart Unterrichtszeit.“

Apropos sparen: An ihren geringen Kosten (363,36 Euro pro Semester) änderte sich bei den FHs natürlich nichts. Bei privat finanzierten Managementinstituten mit ihren deutlich höheren Kosten leider auch nicht. Obwohl online doch günstiger kommen müsste. Es gäbe noch ein weiteres Argument für Preissenkungen: Bis Corona schwärmten alle vom unvergleichlich wertvollen persönlichen Netzwerk von Gleichgesinnten, das sich während der Kurse bildet. Wer Tag für Tag in Zoom-, Teams- und Skype-Konferenzen hängt, der weiß: So entstehen keine Freundschaften. Trotz dieses fehlenden Mehrwerts sinken die Preise nirgends. Das wird unterschiedlich argumentiert. LinkedIn funktioniere ja auch, ist an einer Stelle zu hören. Anderswo heißt es, die Gruppen wären nun kleiner, was mehr Aufwand beim Anbieter bedeute. Andere weisen darauf hin, dass ihre Präsenzangebote nicht 1 zu 1 ins Netz übertragen, sondern didaktisch aufwendig aufbereitet wurden. Wieder andere switchen zwischen Präsenz- und virtuellen Trainings hin und her, je nachdem, was die Corona-Lage gerade erlaubt. Auch Flexibilität koste.

Viele KMU wollen lernen, wie man mit KPI steuernd eingreift.,  Alexandra Konrad, WIFI

INHALTE AM PULS DER ZEIT Eines ist sicher: Was die Inhalte anbelangt, sind alle up to date. An der WU Execu tive Academy fällt Dekanin Barbara Stöttinger die rege Nachfrage von KMU-Lenkern auf. „Sie suchen neuen Input. Besonders in der Frage, wie man Unternehmen datengetrieben führt.“ Lange hielt sich der Irrglaube, nur Digital-Riesen wie Amazon & Co könnten Wert aus ihren Daten-Schätzen generieren. „Jetzt sickert die Erkenntnis durch, dass auch KMU auf Daten-Schätzen sitzen. Doch weder wissen sie, wie man sie hebt, noch können sie sich eigene Data Scientists leisten.“ Stöttingers Antwort ist der MBA „Digital Transformation and Data Science“ (39.000 Euro).

Ein wenig billiger kommt der WIFI Tageskurs „Strategisch Führen mit Kennzahlen, Ergebnissen und Psychologie“ (850 Euro p. P.). Viele KMU mit und ohne Controller „wollen lernen, wie man mit KPI steuernd eingreift“, erläutert WIFI Portfoliomanagerin Alexandra Konrad.

Dass Führungskräfte in Corona-Zeiten Support brauchen, erkannten alle Anbieter. Hernstein Leiterin Michaela Kreitmayer stampfte das Programm „New Normal Leadership“ (390 Euro p. P.) mit Fokus auf Führen aus der Distanz aus dem Boden. Ergänzt wird das mit Trainings für besseres Selbstmanagement, etwa „Entscheidungsfreude – eine Kernkompetenz für Führungskräfte“ oder „Führen Sie sich selbst – jetzt erst recht“ (je 390 Euro p. P.).

An der WU Executive Academy schlagen die begehrten 4- bis 12-Tagesprogramme, die auch Inhouse ganz gut funktionieren, sehr unterschiedlich zu Buche. Sie heißen „Agile Leadership“ (ja, da ist Scrum drinnen 699 Euro p. P.), „Change Management Toolkit“ (299 Euro p. P.), „Emerging Leaders“ (für junge Führungskräfte, 4.300 Euro p. P.), „Pioneers of the 21st Century“ (11.400 Euro p. P.) und „Strategic Management“ (mit Fokus auf Szenarienplanung, 3.400 Euro p. P.).

Es gibt auch spezielle Veranstaltungen für weibliche Führungskräfte mit privater Doppel- und Dreifachbelastung. Auffallend: Die Executive Academy setzt stark auf Nudges (engl. für „kleine Schubser“), vermeintlich kleine Impulse, die weit größere Verhaltensänderungen bewirken als endlose Theorievorlesungen. Es gibt eine Parallele zwischen der WU Executive Academey und dem WIFI Wien: Beide haben den Digitalexperten Martin Giesswein als Trainer an Bord. Am WIFI lehrt er „Digitalisierungsmethodik für den österreichischen Mittelstand“, je nach Möglichkeit live oder im virtuellen Raum (520 bzw. 445 Euro). Interessant (und zu Redaktionsschluss noch nicht buchbar) ist der für Herbst geplante Kurs „Unternehmensführung neu gedacht mit integrativem Management“. Portfoliomanagerin Konrad erklärt, worum es geht: „Starre Strategien funktionieren in der VUKA-Welt nicht mehr. Digitalisierung, Kostendruck, Agilität und steigende Kundenanforderungen verlangen strategische Entscheidungen.“ Die man in drei Schritten lernt: Strategie, Struktur und Kultur. Der Preis stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest.

Zum Abschluss ein Zitat der Hernstein-Chefin Kreitmayer: „Gerade jetzt ist es an den Führungskräften, eines zu lernen: nicht bewerten, nicht entweder/oder, sondern sowohl/ als auch gelten lassen. Holen wir das Beste aus der Situation heraus!“

Autor/in: 
Maria Leicht