Dekarbonisierung

Erst acht Prozent der Unternehmen konnten CO2 reduzieren

Redaktion Die Wirtschaft
07.01.2026

Eine neue Analyse von PwC Österreich zeigt, dass trotz wachsender Klimaziele und besserer Datenerhebung nur wenige Unternehmen messbare Fortschritte bei der Dekarbonisierung erzielen.

Nur 13 der 161 umsatzstärksten Unternehmen Österreichs – das sind 8 Prozent – konnten in den letzten drei Jahren sowohl insgesamt (absolut in Tonnen CO₂) als auch im Verhältnis zu ihrer Leistung (relativ zum Umsatz) eine Reduktion ihrer CO₂-Emissionen (Scope 1 und 2) vorweisen. Immerhin 30 Prozent der untersuchten Unternehmen gelang eine teilweise Dekarbonisierung ihres Kerngeschäfts (relativ oder absolut). Das sind einige der zentralen Ergebnisse des ESG (Environmental, Social und Governance) Performance Rankings 2025 der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Österreich. Für das Ranking wurden öffentlich zugängliche Nachhaltigkeitsberichte der umsatzstärksten Unternehmen Österreichs analysiert. Die Bewertung erfolgt nicht nur anhand der Transparenz, sondern insbesondere auf Basis messbarer Verbesserungen in den ESG-Kriterien. Grundlage der Methodik sind die European Sustainability Reporting Standards (ESRS).

„In unserer Studie haben wir den Blick eines externen Kunden oder Investors eingenommen, der nicht auf die Vielzahl guter Taten blickt, sondern darauf, ob sich die ESG-Performance in den letzten Jahren auch messbar verbessert hat. In unseren Projekten sehen wir, dass zudem die gezielte Verbesserung der Datenqualität zu besseren Entscheidungen und somit zu einer Performancesteigerung führt“, erklärt Agatha Kalandra, Vorständin und Sustainability-Leaderin bei PwC Österreich.

ESG-Ambitionen vorhanden, Wirkung ausbaufähig

Immerhin: Rund 60 % der Unternehmen setzen sich quantitative CO₂-Reduktionsziele, wovon bereits 17 % ihre Ziele von der Science Based Target Initiative (SBTi) validieren ließen. Knapp die Hälfte der Unternehmen messen bereits alle drei Emissions-Scopes (Scope 1, 2 und 3). „Die heimische Wirtschaft befindet sich am richtigen Weg – es werden Emissionen gemessen und es gibt konkrete Klimaziele. Doch die Umsetzung der Transformation ist noch ausbaufähig. Derzeit schaffen beispielsweise nur 8 % der Unternehmen eine umfassende Dekarbonisierung und zwei Drittel haben noch keinen Klimatransitionsplan“, erklärt Philipp Gaggl, Partner ESG Consulting bei PwC Österreich.

Branchenergebnisse und Gesamtperformance

Die durchschnittliche ESG-Performance aller 161 Unternehmen liegt bei 31 % (Vorjahr: 32 %), wobei die Kriterien heuer deutlich verschärft wurden und deren Anzahl in diesem Jahr von zehn auf 22 erweitert wurde. Kein Unternehmen erreicht wie in den Vorjahren die volle Punktzahl. 26 % der Unternehmen haben keine Punkte. 2024 waren es noch 32 % – somit ist ein positiver Trend erkennbar. Am besten schnitt 2025 die Finanzbranche mit durchschnittlich 54 % ab, gefolgt von Pharma und Chemie mit 44 % sowie von der Telekommunikations-, Medien- und Technologiebranche mit 39 %.

Börsennotierte Unternehmen als ESG-Vorbilder

Börsennotierte Unternehmen treiben die ESG-Transformation klar voran: Sie erreichen im Schnitt eine ESG-Performance von 51 % – mehr als doppelt so viel wie nicht gelistete Unternehmen, die nur auf 21 % kommen. Der Vorsprung lässt sich unter anderem durch den stärkeren Druck von Finanzmärkten und Investoren erklären sowie durch frühere regulatorische Berichtspflichten wie das Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz (NaDiVeG), das börsennotierte Unternehmen früher zur ESG-Integration verpflichtet hat.

Vielfalt, Anreizsysteme und ESG-Governance als Erfolgsfaktoren

Die Analyse zeigt eine deutliche Korrelation zwischen struktureller ESG-Verankerung und Performance: Unternehmen, die ESG-Kriterien in der Management-Vergütung berücksichtigen, erreichen im Schnitt eine ESG-Performance von 57 % – mehr als dreimal so viel wie jene ohne entsprechende Anreizsysteme (18 %) und 26 Prozentpunkte mehr als der Gesamtschnitt des Rankings (31 %). Auch Diversität auf Geschäftsführungs- und Vorstandsebene zeigt Wirkung: Während 73 % der Unternehmen keine Frau in der Geschäftsführung haben, erzielen jene mit weiblicher Beteiligung eine ESG-Performance von 50 % – verglichen mit nur 28 % bei rein männlicher Besetzung.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zeigt sich auf Aufsichtsratsebene: Unternehmen mit einem eigenständigen ESG-Ausschuss im Aufsichtsrat erreichen im Schnitt eine Performance von 65 % – deutlich mehr als Unternehmen, die ESG-Themen zwar adressieren, aber keinen formalen Ausschuss eingerichtet haben (46 %) oder als jene, die ESG nicht nachweislich im Aufsichtsrat behandeln (11 %). Die Ergebnisse deuten auf eine enge Korrelation zwischen ESG-Performance und Governance-Faktoren wie Diversität, ESG in der Management-Vergütung und institutionalisierter ESG-Expertise im Aufsichtsrat hin – ohne jedoch kausale Zusammenhänge abschließend zu analysieren.

„Viele Unternehmen haben in puncto ESG-Management und Performance noch Aufholbedarf. Der Druck wächst: Banken, Investoren und Kunden erwarten belastbare Fakten und messbare Verbesserungen. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, braucht es ambitionierte Ziele, eine solide Datenbasis und wirkungsvolle Umsetzungsmaßnahmen. Eine gute Datenlage und Expertise sind die Basis, um ESG strategisch zu steuern und Mehrwert für das Unternehmen zu schaffen“, rät Gaggl.

Branchensieger: Die Best-Practices nach Industrien

Mehrere Unternehmen zeigen bereits heute, wie ESG wirksam im Kerngeschäft verankert werden kann – sie treiben die Transformation somit aktiv in ihrer Branche sichtbar voran.

Branche Bestes Unternehmen der Branche
Energie- und Versorgungsunternehmen Verbund AG
Finanzdienstleister Erste Bank Group
Infrastruktur und Bauwesen Wienerberger AG
Metallverarbeitung, Maschinenbau und KFZ AMAG Austria Metall AG
Telekommunikation, Medien und Technologie (TMT) ams-OSRAM AG
Nahrungs- und Genussmittel, Getränke AGRANA AG
Papier und Holz Mayr-Melnhof Karton AG
Pharma und Chemie RHI Magnesita AG
Transport und Logistik Österreichische Post AG
Sonstige Kontron AG

„Die Best-Practices des diesjährigen Rankings zeigen, wie entscheidend die volle Integration von ESG-Themen im Unternehmen ist. Ob durch messbare CO2-Ziele, nachhaltigkeitsbezogene Anreizsysteme oder ESG-Behandlung im Aufsichtsrat – nur durch eine aktive und strukturierte Auseinandersetzung mit ESG können Unternehmen eine hohe Performance erzielen und einen positiven Beitrag zur österreichischen Nachhaltigkeit leisten“, weiß Kalandra.

Omnibus im Fokus: EU-Regulatorik-Update vom 16. Dezember 2025

Am 16. Dezember 2025 wurden vom Europäischen Parlament die angepassten Vorgaben und Schwellenwerte für die Nachhaltigkeitsberichterstattung und Sorgfaltspflichten von EU-Unternehmen veröffentlicht. Die Schwellenwerte für die verpflichtende Berichterstattung wurden nun durch den Omnibus-Prozess für Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und einem Nettojahresumsatz von mehr als 450 Mio. EUR angehoben. Die Sorgfaltspflichten in der Lieferkette betreffen nun Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von mehr als 1,5 Mrd. EUR. Die Vorschriften gelten auch für Unternehmen aus Drittstaaten, die in der EU einen Nettojahresumsatz von mehr als 450 Mio. EUR erzielen sowie für ihre Tochtergesellschaften und Zweigniederlassungen, die in der EU einen Umsatz von mehr als 200 Mio. EUR erzielen. In Österreich bleiben mehr als 150 Unternehmen berichtspflichtig. „Unabhängig von der Berichtspflicht sehen wir in der Praxis eine wachsende Nachfrage nach wesentlichen und verlässlichen ESG-Informationen – beispielsweise von Kunden an ihre Lieferanten oder von Banken an ihre Kreditnehmer. Die ESG-Performance wird neben der reinen Transparenz daher weiterhin an Bedeutung gewinnen“, informiert Gaggl.

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