Studie

Hilfsmaßnahmen unkompliziert, aber ineffektiv

KMU
12.06.2023

Eine aktuelle Umfrage unter den heimischen KMU zeigt, dass staatliche Hilfsprogramme zum Teil entscheidende Schwachstellen haben.

Das Meinungsforschungsinstitut YouGov fragte im Auftrag des B2B-Plattformbetreibers Visable bei den Unternehmen nach der Effektivität von staatlichen Hilfsprobrammen nach. Es sollte herausgefunden werden, wie Firmen in verschiedenen europäischen Ländern von den jeweiligen staatlichen Hilfsmaßnahmen profitieren. Insgesamt wurden 1.459 Unternehmen aus der DACH-Region und Frankreich befragt. Jedes zehnte Unternehmen bewertet die Maßnahmen dabei als sehr gering wirksam, nur zwei Prozent bescheinigen eine sehr hohe Wirksamkeit. Für knapp ein Viertel der Unternehmen sind die Initiativen weder wirksam noch unwirksam. "Mit diesen Ergebnissen kann man nicht zufrieden sein. Die staatlichen Anstrengungen dürfen die Unternehmen nicht nur knapp über Wasser halten, sondern sollten sie befähigen, Wettbewerbsfähigkeit wieder zu erlangen", so Peter F. Schmid, der CEO von Visable.

Kleine Unternehmen fühlen sich im Stich gelassen

Besonders enttäuscht zeigen sich kleine Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitenden. Nur drei Prozent von ihnen geben an, die staatlichen Maßnahmen seien für sie wirksam. 30 Prozent erhielten erst gar keine Hilfsmaßnahmen. Effektiver erweisen sich die Maßnahmen bei mittleren (bis zu 250 Mitarbeitende) und größeren Unternehmen (über 250 Mitarbeitende). Diese konnten bedeutend häufiger Hilfe in Anspruch nehmen und bewerten die Wirksamkeit auch deutlich öfter als hoch. Allerdings bewerten insgesamt auch nur zwölf Prozent der mittelgroßen Unternehmen deren Wirksamkeit als hoch. Als niedrig bewerten die Wirksamkeit 27 Prozent der kleinen Unternehmen, verglichen mit 21 Prozent der mittleren und 20 Prozent der größeren.

Infografik: Bewertung der Hilfsmaßnahmen

Breit gestreute Inhaltsprobleme

Die inhaltliche Kritik an den staatlichen Hilfsmaßnahmen ist gefächert. Nur zehn Prozent finden die Maßnahmen gut und ausgewogen. Am häufigsten kritisiert wird eine mangelnde Zielgenauigkeit (24 Prozent). Die Inanspruchnahme zu kompliziert finden insgesamt 21 Prozent. Besonders kleine Unternehmen leiden unter den bürokratischen Hürden (29 Prozent). In der Schweiz gab es bislang keine staatlichen Hilfsprogramme.

Österreichische Hilfsmaßnahmen unkompliziert, aber ineffektiv

Österreich ragt dabei aus der Grundgesamtheit im Positiven wie im Negativen heraus. So scheint der Zugang zu den Hilfsleistungen dort am niederschwelligsten und unbürokratischsten zu sein: Nur sieben Prozent der heimischen Unternehmen finden die Inanspruchnahme der Hilfen zu kompliziert. Allerdings finden mit 28 Prozent vor allem österreichische Betriebe die Hilfsmaßnahmen nicht zielgenau genug und 25 Prozent erachten sie als nicht ausreichend.

Infografik: Wirksamkeit der Hilfspakete.

Österreich führend beim Thema Nachhaltigkeit

Wo sich Österreich positiv von den anderen Ländern der Studie abhebt, ist beim Umweltbewusstsein: 22 Prozent der befragten Unternehmen in Österreich geben an, dass der Stellenwert des Themas Nachhaltigkeit im Unternehmen durch die aktuellen Krisen deutlich zugenommen hat. Befragt nach den Maßnahmen für nachhaltigeres Wirtschaften haben österreichische Betriebe bei der Umstellung auf erneuerbare Energien ganz klar die Nase vorn: 20 Prozent der heimischen Betriebe setzen Initiativen um, während es beim Schlusslicht Schweiz nur neun Prozent sind. Führend ist Österreich auch bei der Umstellung auf papierlose Prozesse, bei der Umstellung auf Elektrofahrzeuge und der Förderung von umweltfreundlicher Mobilität unter den Mitarbeitenden. Österreich ist Schlusslicht bei der Reduktion der Fahrzeugflotte und bei der Umstellung auf digitale Messen.

Europaweit voneinander lernen

Die durchwachsenen Ergebnisse zeigen auch Potenziale für Verbesserungen auf. "Auch wenn die Rahmenbedingungen und Strukturen wohl jeweils andere sind: Die Ergebnisse zeigen, dass die einzelnen Länder voneinander lernen könnten", sagt Peter F. Schmid von Visable. "Die Umfrage ist ein wertvolles und konstruktives Feedback aus dem Mittelstand, an welchen Stellschrauben politisch nachzujustieren ist. Uns von Visable ist es ein zentrales Anliegen, den kleinen und mittleren Unternehmen als Partner zur Seite zu stehen und sie bei der Artikulierung ihrer Bedürfnisse und Forderungen gegenüber dem Staat zu unterstützen." (dd)