Mobilität

Grüne Dienstreisen

Mobilität
09.08.2023

Nicht nur die Kosten, auch der CO2-Fußabdruck steht bei der Planung von Dienstreisen immer mehr im Fokus. Digitale Tools schaffen dabei mehr Transparenz.
CO2 -neutral dienstreisen

Bis zu 70.000 Kilometer hat Peter Sattler früher jährlich im Rahmen von Dienstreisen im Auto zurückgelegt. Heute sind es maximal 20.000. Das Dienstauto ist mittlerweile ein E-Fahrzeug. Für den Rest der dienstlichen Fahrten steigt Sattler am liebsten in den Zug, um während der Fahrtzeit zu arbeiten oder sich entspannen zu können.
Doch nicht nur der Geschäftsführer von „Sattler Energie Consulting“, auch seine rund 25 Mitarbeiter*innen haben ihr Mobilitätsverhalten drastisch geändert, mit einem beachtlichen Ergebnis: Von 2014 bis zum Jahr 2022 konnte der CO2-Ausstoß der betrieblichen Mobilität um 92 Prozent gesenkt werden. Als Folge der Corona-Pandemie wurden zunehmend Videokonferenzen forciert, um den Emissionsausstoß im Zusammenhang mit Kundenbesuchen nachhaltig zu reduzieren. Gleichzeitig wurden die Reisekosten durch die Umstellung auf eine E-Flotte um 20 Prozent minimiert. Mit diesem Projekt, das den bezeichnenden Namen „Businessmobility zero CO2“ trägt, will das Unternehmen bis zum Jahr 2040 klimaneutral werden.

Digitale Tools machen den
CO2 Fußabdruck transparent.

Götz Reinhardt , SAP Concur

Götz Reinhardt ,  SAP Concur
Götz Reinhardt , SAP Concur

Mitarbeiter wollen „grün“ reisen
Der Trend ist klar: Bereits 50 Prozent der Arbeitnehmenden in österreichischen mittelständischen Unternehmen wünschen sich nachhaltige Alternativen im Mobilitätsangebot ihres Arbeitgebers. So das Ergebnis einer Studie von SAP Concur und Marktforschungsinstitut Innofact AG vom August 2022. Für die heimischen KMU bedeutet das: Bei Dienstreisen steht nicht nur das Management der Kosten im Fokus, das Thema Nachhaltigkeit hat längst auch diesen Bereich erfasst. „Die vier Hauptfaktoren, die für KMU bei Geschäftsreisen entscheidend sind, sind Produktivität, Flexibilität, Mobilität und Nachhaltigkeit“, konkretisiert Götz Reinhardt Managing Director MEE bei SAP Concur, Anbieter von integrierten Lösungen für das Geschäftsreisemanagement. Die Frage ist, wie diese Anforderungen unter einen Hut gebracht werden können. Klar ist, dass Geschäftsreisen weiterhin relevant sind und nicht ausschließlich durch digitale Treffen ersetzt werden. 53 Prozent der Befragten der SAP Concur-Studie sind überzeugt, dass sie eigentlich ihre Geschäftskontakte besuchen müssten, insbesondere wenn auch der Wettbewerbende reist.

Bahn schlägt E-Auto
Peter Sattler hat mit seinem Energieconsulting-Unternehmen bereits vorgezeigt, wie Kosteneinsparung und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen können. Doch nicht ohne zuvor einige Herausforderungen überwinden zu müssen. „Eine Fahrt mit dem Elektroauto von Gmunden nach Graz war nur mit geringer Geschwindigkeit und im Windschatten eines LKW möglich“, erinnert sich Sattler an die Krux mit der beschränkten Reichweite von E-Autos vor einigen Jahren. Heute ist die Fahrzeugflotte des Unternehmens komplett auf Elektro-Autos umgestellt – was durch das mittlerweile gut ausgebaute Ladenetz und die gesteigerten Reichweiten möglich wurde.
Dennoch liegt beim Großteil des Teams von Sattler bei der Wahl des Verkehrsmittels das E-Auto nicht an erster Stelle. „Viele Mitarbeiter sind begeisterte Bahnfahrer. Auch hier haben wir uns zu Beginn gefragt, ob die Bahn für den Außendienst überhaupt geeignet ist“, meint der Geschäftsführer. Der Praxistest hat alle überzeugt – vor allem wegen der Möglichkeit, auch während der Reise zu arbeiten. „Für Dienstreisen nach Deutschland haben wir alles ausprobiert – vom Auto über das Flugzeug bis hin zur Bahn. Das Flugzeug hat dabei alleine aus Umwelt-, Zeit- und Effizienzgründen sehr schlecht abgeschnitten“, sagt Sattler.

Mit dem E-Scooter zum Kunden
Und die letzte Meile? Hier nutzen die Mitarbeiter*innen entweder das Carsharing an den Bahnhöfen. Oder sie zeigen den Geschäftspartnern gleich ganz offensichtlich und plakativ, wie sehr sie sich mit den CO2-Zielen des Unternehmens identifizieren und tauchen, sofern es die Umstände zulassen, mit dem E-Scooter oder dem Fahrrad auf.
Wie lässt sich der CO2-Fußabdruck von Dienstreisen am einfachsten erfassen? SAP Concur bietet hier zum Beispiel digitale Tools, die es Unternehmen ermöglichen, den CO2-Fußabdruck ihrer Dienstreisen transparent zu machen. Die Plattform zeigt Reisenden CO2-Daten während der Buchung an, um so ein nachhaltigeres Reiseverhalten zu fördern. Für Reporting- und Analysezwecke nach der Dienstreise können detaillierte CO2-Emissionsdaten durch Partnerlösungen eingespielt werden.

Datentransparenz bringt Einsparungen
In der Nutzung digitaler Lösungen und der Prozessautomatisierung sieht der SAP Concur Managing Director darüber hinaus große Einsparungspotenziale für KMU. „Wir bieten Tools zur Buchung von Flügen, Hotels, Mietwagen und anderen Reisedienstleistungen. Das ermöglicht den Mitarbeitenden, ihre Reisen einfach zu planen und gleichzeitig die Richtlinien und Budgets des Unternehmens einzuhalten“, erklärt Reinhardt. Das reduziert die Prozesskosten und spart zusätzliche manuelle Prüfungen. Gleichzeitig kann das Unternehmen die digitale Datenübersicht für  weitere Kostenoptimierungen nutzen. „Einerseits prüft das KMU zum Beispiel, ob die vereinbarte Rate bei den Partnerhotels richtig abgerechnet wurde. Andererseits kann das Unternehmen die Daten nutzen, um die Raten zu vergleichen und bei den Partnerhotels bessere Konditionen verhandeln“, sagt, Reinhardt.
Wer das Management von Dienstreisen outsourcen will, wendet sich an Dienstleister wie BTU Business Travel Unlimited. Das Reisebüro arbeitet mit verschiedenen Content-Partnern und Vertriebssystemen, wie zum Beispiel Travelport und Amadeus zusammen, um den Kunden eine breite Auswahl anzubieten. Gleichzeitig unterstützt es Unternehmen beim Reisekostenmanagement, den Compliance-Richtlinien und einem speziellen Kundensupport. „Der persönliche Service steht bei uns im Mittelpunkt. Vor allem KMU schätzen es, dass wir als Ansprechpartner rund um die Uhr erreichbar sind“, sagt Geschäftsführer Georg Nader. Neben dem Preis spielt laut Nader auch die Bequemlichkeit eine große Rolle. Vielen Dienstreisenden ist zum Beispiel sogar die Art des Fliegers wichtig, den sie buchen.

Reisetätigkeit nimmt weiter zu
„Im Umkreis von bis zu 400 Kilometern wird für viele KMU die Bahn immer mehr zur Alternative für den Flug, die Nachfrage steigt hier an“, so Nader. Im Ansteigen ist auch die Anzahl der Dienstreisen im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie. „Wir verzeichnen einen kontinuierlichen Zugewinn und ich rechne damit, dass wir bei der Reisetätigkeit im Jahr 2024 zu einem ‚new normal‘ zurückkehren“, so der BTU-Geschäftsführer. Das bedeutet aus seiner Sicht ein Minus von 10 Prozent in Bezug auf die Reisetätigkeit vor Corona.