Harald Koisser macht Mut

Koisser
10.03.2015

Alles ist heute reguliert und erstickt in von Menschen geschaffener Ordnung. Dabei war alles immer schon geordnet, ohne dass wir etwas tun müssen. Die Griechen nannten das „Kosmos".

Schon die alten Griechen witterten die Gefahr und warnten vor sinnlosen Gesetzen und Überregulierungen. Sie hatten nach den Perserkriegen den Berufspolitiker erfunden und staunten, was da auf sie zukam. Gesetzesvorschläge sonder Zahl, wenig durchdacht, aber beeindruckend in Summe und Formulierung. Es wurde der rettende Vorschlag gemacht, dass bei jedem Gesetz, das sich nicht bewährte, der Urheber und Ideengeber dafür auch mit seinem persönlichen Vermögen geradezustehen habe. Eine spannender Leitsatz rund 500 Jahre vor unserer Zeitrechnung, der eine Zeitlang auch in Kraft war und dazu führte, dass die Gesetzesvorlagen sich durch Besonnenheit auszeichneten und fast zum Erliegen kamen, was den Griechen nicht unangenehm war.

Denn in der griechischen Antike vertraute man noch auf „Kosmos" und misstraute „Taxis". Beide griechischen Worte heißen „Ordnung", wobei „Kosmos" die natürliche Ordnung meint und „Taxis" die vom Menschen geschaffene, künstliche Ordnung. Eine wichtige und erhellende Unterscheidung, die klar macht, dass alles bereits von Haus aus geordnet ist. Der Kosmos ist selbstregulierend und braucht keine Gesetzesvorlagen. Wir, die wir diese Unterscheidung sprachlich nicht treffen, neigen zu der etwas anmaßenden Auffassung, dass die Welt irgendwie unordentlich ist und es die Aufgabe des Zoon politikon ist, sie in Ordnung zu bringen. Wenn ich aus dem Fenster sehe und die Trampelpfade betrachte, welche die Menschen durch die Wiese gemacht haben, so weiß ich, dass da kein Verein gegründet worden ist und kein Planungsbüro dahintersteht. Die Trampelpfade der Menschen oder der Tiere im Dschungel sind Ergebnis eines frei fließenden Prozesses. Sie sind der Effizienz und Einfachheit geschuldet, einem ganz natürlichen kosmischen Prinzip.
Ich möchte zugunsten der Taxis ins Treffen führen, dass sie bei maßvoller Anwendung sehr segensreich sein kann. Nicht alles, was die Natur beschert, ist auch menschengerecht, und wir dürfen schon ein wenig die Dinge für uns zurechtrücken. Aber wo hört es auf? Aus Sicht der Ordnungsmächte – nie! Wir sind heute durch und durch reguliert, verordnet, verstrickt in Taxis. Der Gesetzgeber selbst stöhnt unter der unbewältigbaren Aufgabe, wirklich alles zu bedenken und alles zu ordnen. Er agiert wie eine Mutter, die einmal pro Woche in die Wohnung des jungen Ehepaares kommt, um dort die Möbel umzustellen und die Besteckladen anders einzuräumen, weil es „so gehört". Erstaunlicherweise findet die Mutter in der Woche darauf wieder dieselbe „Unordnung" vor. In das Leben erwachsener Menschen einzugreifen ist eine große und endlose politische Herausforderung.

Für die Ökonomie und das Leben generell dürfen wir uns das griechische Vertrauen in den Kosmos wünschen, demzufolge es nichts Ungeordnetes gibt. Alles findet seinen Weg, ganz sicher und gewiss. Das Leben war schon selbstorganisa-tionsfähig, bevor der Paragraf erfunden worden ist.