Innovation lässt sich nach Einschätzung von Nikolaus Franke und Rudolf Dömötör gezielt fördern. Entscheidend sei, wie ein Unternehmen geführt und organisiert werde, welche Kultur es pflege und wie offen es für Impulse von außen sei. Ihre Erkenntnisse aus mehr als 10.000 Unternehmensanalysen haben die beiden Forscher der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien im Buch „Innovation ist kein Zufall“ zusammengefasst.

Franke leitet das Institut für Entrepreneurship und Innovation sowie das entsprechende Executive-MBA-Programm der WU Executive Academy in Wien. Dömötör ist Direktor des WU Entrepreneurship Centers in Wien. Im Rahmen des Innovationswettbewerbs Top 100 untersuchten sie über zwei Jahrzehnte die Innovationsfähigkeit von Unternehmen. „Unsere Daten zeigen: Die untersuchten Innovationsführer wuchsen im Beobachtungszeitraum mehr als viermal so schnell wie vergleichbare Unternehmen derselben Branche, Größe und Altersklasse“, erläutert Dömötör. Daraus allein lässt sich allerdings kein ursächlicher Zusammenhang zwischen Innovationsmanagement und Wachstum ableiten.

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Führung muss Freiräume ermöglichen

Die Verantwortung für Innovation beginnt den Forschern zufolge bei der Unternehmensleitung. Führungskräfte müssten Marktveränderungen beobachten, Orientierung geben und bestehende Pläne hinterfragen. Ebenso wichtig sei es, Ressourcen bereitzustellen und neue Ideen gegen interne Widerstände zu unterstützen. Dafür müssten Vorgesetzte nicht selbst die kreativsten Köpfe im Unternehmen sein. Ihre Aufgabe bestehe darin, Beschäftigten Verantwortung und Gestaltungsspielraum zu übertragen.

Auch die Organisation müsse dazu passen. Während zu viele Vorschriften neue Ansätze ausbremsen könnten, berge fehlende Koordination ebenfalls Risiken. Gefragt seien deshalb klare, zugleich anpassungsfähige Abläufe. „Regeln müssen dienen, sie dürfen nicht herrschen“, sagt Franke.

Als Beispiel nennen die Autoren den Geschäftsreisedienstleister Ehotel. Das Unternehmen prüfe einzelne Prozesse darauf, ob künstliche Intelligenz oder Automatisierung einen konkreten Nutzen bringen – etwa bei Rechnungen, im Kundenservice oder beim Programmieren. Für klar strukturierte Aufgaben bleibe klassische Software im Einsatz.

Fehler als Grundlage für gemeinsames Lernen

Neben Führung und Organisation sehen die Forscher die Unternehmenskultur als wesentliche Voraussetzung. Beschäftigte müssten Probleme ansprechen, Gewohnheiten hinterfragen und Vorschläge einbringen können. „Eine offene Lernkultur mit der Möglichkeit, Fehler zu machen und mutige Ideen angstfrei auszudrücken, ist Kern der Innovationsfähigkeit“, sagt Franke.

Wie sich dieser Anspruch praktisch umsetzen lässt, zeigt laut den Autoren der Faserlaserspezialist Active Fiber Systems aus Jena. Das Unternehmen vergibt jährlich einen „Failure Award“. Ausgezeichnet werde die Bereitschaft, Fehler offenzulegen und daraus gewonnene Erkenntnisse mit anderen zu teilen. Auch die Geschäftsführung beteilige sich daran: Geschäftsführerin Bettina Limpert habe den Preis bereits zweimal erhalten.

Externe Perspektiven gezielt einbeziehen

Der vierte Bereich betrifft den Blick über die Unternehmensgrenzen hinaus. Wer ausschließlich bestehende Produkte und Prozesse verbessere, könne grundlegende Veränderungen im Markt übersehen. Die Forscher empfehlen daher, Kundschaft, andere Branchen, Forschungseinrichtungen und weitere externe Partner frühzeitig einzubeziehen. Dieser Ansatz wird als Open Innovation bezeichnet.

Das Kölner Unternehmen Coac setzt dafür auf gemeinsame Entwicklungsworkshops. Anwender*innen, Entwicklungsteams und Fachleute diskutieren zunächst das Problem und erarbeiten anschließend innerhalb weniger Tage erste Prototypen. Die Kundschaft sei dabei von Beginn an beteiligt. Entscheidend sei das Zusammenspiel aller vier Bereiche, betonen die Autoren. Einzelne Maßnahmen könnten eine umfassende Ausrichtung auf Innovation nicht ersetzen. Welche Schwerpunkte ein Unternehmen setze, könne je nach Ausgangslage unterschiedlich sein.

Nikolaus Franke, Rudolf Dömötör

Innovation ist kein Zufall. Wie Unternehmen Innovation systematisch gestalten: Erkenntnisse aus 10.000 Unternehmensanalysen.

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