Direkt zum Inhalt
In Österreich steigt die Zahl der Cyberkriminalität, nicht zuletzt seit der COVID-19 Pandemie.

Cybercrime in Österreich

11.11.2020

Die heimische Bundesregierung nimmt die zunehmende Gefahr des Cybercrime ernst und setzt entsprechende Schritte für die Sicherheit von Unternehmen und Privaten.

Die Kriminalitätsbekämpfung in Österreich entwickelt sich generell gut. Die Aufklärungsrate liegt konstant bei über 50 Prozent, während die Gesamtkriminalitätsrate sinkt, wie das Innenministerium bekannt gibt. Problematisch erachtet Innenminister Karl Nehammer hingegen die dramatischen Anstiege im Bereich Internetkriminalität, die er als „riesige Herausforderung“ bezeichnet und auf die entsprechende Budgetierung verweist.

Die innere Sicherheit zählt nächstes Jahr zu den budgetären Schwerpunktsetzungen der Bundesregierung und soll gemäß Bundesvoranschlag für das Jahr 2021 um 215,3 Millionen Euro aufgestockt werden. Insgesamt sind für die UG Inneres Ausgaben (Auszahlungen) in der Höhe von 3.172,2 Millionen Euro vorgesehen (2020: 2.957 Millionen Euro). Das Finanzministerium hat für die kommenden zwei Jahre ein Budget von 20 Millionen Euro für Cybersicherheit eingeplant.

Die Erhöhung ist vorwiegend auf die verstärkten Sicherheitsmaßnahmen und die zusätzlichen Budgeterfordernisse im Personalbereich zurückzuführen. Neben der Fortführung der Personaloffensive werden aber auch neue Schwerpunkte gesetzt: Investiert werden sollen 30 Millionen Euro in den Ausbau der Cyberabwehr, die Weiterentwicklung von IT-Applikationen sowie in die Modernisierung der polizeilichen Infrastruktur. 13,9 Millionen Euro werden dem Innenressort 2021 außerdem zur COVID-19-Krisenbewältigung für Schutzausrüstung und Tests zur Verfügung stehen. Auch in den Folgejahren ist aufgrund der intendierten Stärkung der inneren Sicherheit mit weiteren Budgeterhöhungen zu rechnen.

Schramböck unterzeichnet EU-Cloud-Deklaration

Unter dem Vorsitz des deutschen Wirtschaftsministers Peter Altmaier ging der informelle Rat der für Telekommunikation und Digitalisierung zuständigen Minister der EU-Mitgliedstaaten als virtuelles Treffen über die Bühne. Im Zentrum der Gespräche standen Themen der Datensicherheit, des sicheren Datenaustausches und der Datenverwendung, sowie die Schaffung einer souveränen EU-Dateninfrastruktur. Ebenso wurde über einen flexiblen Rechtsrahmen für künstliche Intelligenz diskutiert. Breiten Raum nahm auch die Debatte darüber ein, wie es gelingen kann, den europäischen Binnenmarkt fit für e-Commerce zu machen.

„Mir ist wichtig, dass unsere kleinen und mittleren Unternehmen beste Rahmenbedingungen für ihre e-Commerce Aktivitäten vorfinden. Bei der künstlichen Intelligenz müssen wir einen flexiblen Rechtsrahmen schaffen (z.B. durch regulatory sandboxes), damit KI-Lösungen in einem sicheren Umfeld erprobt werden können. Normen und gemeinsame Standards sind entscheidend, damit wir uns bei der KI in die richtige Richtung entwickeln. Gemeinsame Standards sind auch bei der neuen EU-Datenstrategie der zentrale Ansatz und die Basis für eine europäische Cloud Allianz“, so Digitalministerin Margarete Schramböck.

Ein Meilenstein beim Ministertreffen war die Unterzeichnung der europäischen Cloud-Deklaration, in der auch die österreichische Initiative Ö-Cloud Erwähnung findet. Ziel dieser Erklärung ist es, eine föderierte souveräne Dateninfrastruktur aufzubauen, mit der Daten sicher gespeichert, geteilt und verarbeitet werden können.

Daten sind das zentrale Element für die digitale Transformation und für den Wiederaufbau der europäischen Wirtschaft, für nachhaltigen Klimaschutz und Innovation. Die EU-Cloud der nächsten Generation soll höchste Standards bei Datenschutz, Cybersicherheit, Datenaustausch, Transparenz, Offenheit, Energieeffizienz und Verlässlichkeit bieten.

„In Europa werden gerade ca. 13 Prozent aller generierten Daten genutzt. Wenn wir Daten teilen und weiterverwenden, werden diese nicht weniger, sondern es entstehen neue, wertvolle Informationen. Wir wollen unseren Datenschatz noch viel gezielter nutzen: für mehr Innovationskraft, bessere Wettbewerbsfähigkeit und höhere Krisenfestigkeit. Dafür wurde heute der Grundstein gelegt“, so Schramböck, die Österreich bei der Cloudnutzung auf einem guten Weg sieht. Denn laut Statistik Austria nutzen 38 Prozent der österreichischen Unternehmen Cloud Services. Damit hat sich die Nutzung dieser IT-Infrastruktur im Vergleich zu 2014 verdreifacht. Auch die durchschnittliche Anzahl der Dienste, die ein Unternehmen über das Internet verwendet, hat über die Jahre zugenommen. Darüber hinaus setzt 2020 jedes dritte Unternehmen (32 Prozent) auf smarte Geräte oder Systeme in mindestens einem ihrer Unternehmensbereiche.

Erste Rechenzentrumsregion des Landes

Microsoft hat ein umfangreiches Engagement zur Förderung von Innovation und Wachstum in Österreich angekündigt – allen voran die geplante Einrichtung der ersten Rechenzentrumsregion des Landes. Die neue Region wird Start-ups, Klein- und Mittelbetriebe, Unternehmen und den öffentlichen Sektor in Österreich die Leistungsfähigkeit von weltweit hochverfügbaren, zuverlässigen und vertrauenswürdigen Microsoft Cloud-Lösungen bieten. Das Unternehmen kündigte zudem ein neues Center of Digital Excellence an. Das Ziel: Die Modernisierung der IT-Infrastruktur und der öffentlichen Regierungsdienste sowie die Förderung von Industrieinnovationen in Österreich. Microsoft wird auch weiterhin in neue Qualifizierungsmaßnahmen investieren, um die digitale Kompetenz von rund 120.000 Österreicherinnen und Österreicher bis 2024 zu fördern. Laut einer Studie von IDC wird die Investition von Microsoft in eine neue Cloud-Region in Österreich in den nächsten vier Jahren zu einer zusätzlichen gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung in Höhe von bis zu 2,1 Milliarden US-Dollar führen. Diese Zahlen betreffen vor allem das von Microsoft betriebene Ökosystem mit mehr als 4.000 lokalen Partnern und seiner Cloud-nutzenden Kunden.

„Die Entscheidung von Microsoft, Österreich zur Cloud-Region zu machen, ist eine große Chance für die österreichische Wirtschaft und stellt einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil dar. Österreich soll europäischer Vorreiter im Bereich der Digitalisierung werden, was auch den Ausbau der digitalen Infrastruktur erfordert. Ich danke Microsoft für sein Engagement für unser Land, insbesondere für die heimischen Unternehmen und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die davon profitieren werden“, so Bundeskanzler Sebastian Kurz.

In Österreich, für Österreich

Die Ankündigung ebnet Unternehmen, Start-ups und Institutionen in Österreich den Weg, das volle Potenzial von Cloud-Computing auszuschöpfen. Gleichzeitig werden dabei höchste Standards für Cybersicherheit, Datenaufbewahrung und Compliance eingehalten. Die österreichische Rechenzentrumsregion wird sich der globalen Cloud von Microsoft anschließen, die jetzt insgesamt 64 angekündigte Regionen umfasst. Dadurch ist Microsoft Azure in über 140 Ländern verfügbar und wird Unternehmen vor Ort Zugang zum gesamten Angebot an Cloud-Diensten von Microsoft bieten.

Hunderte von Unternehmenskunden und -partner in Österreich treiben bereits ihre geschäftliche Transformation mit Microsofts weltweiten Cloud-Diensten voran – darunter Austrian Airlines, AVL Racing, Constantia Flexibles Group, Porsche Holding, Raiffeisen Bank International, RHI Magnesita und viele mehr. Kunden wie die Erste Group und die Bawag-Group haben bereits ihre Absicht bekundet, die Microsoft Cloud-Services aus der Region Österreich zu nutzen, sobald sie verfügbar sind. Mit Microsoft Azure als bevorzugte Cloud-Plattform soll digitale Innovation vorangetrieben und die operative Effizienz gesteigert werden.

In Zusammenarbeit mit Microsoft wird das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort (BMDW) ein Center of Digital Excellence ins Leben rufen. Das gemeinsame Ziel: Die Modernisierung der österreichischen IT-Infrastruktur und des öffentlichen Dienstes. Auch die Stärkung von IT-Kompetenzen der Mitarbeiter zur Förderung der digitalen Transformation ist ein zentrales Element dieser neuen Initiative.

Ein essentieller Teil des Center of Digital Excellence ist ein Cybersicherheitsverbund der technischen und naturwissenschaftlichen Universitäten Österreichs. Das Netzwerk wird vom Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort und Microsoft gegründet. Auch die Wirtschaftskammer, Industrievertreter und Datenschutzorganisationen leisten hier einen Beitrag. Aufgabe des Netzwerkes ist es, nationale IT-Sicherheitsanforderungen zu definieren, denen moderne Cloud- und hybride Architekturkonzepte entsprechen müssen. Darüber hinaus wird die Regierung ein zweijähriges Schulungsprogramm für IT-Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes und relevanten Fachbereichen des Bundes und der Länder einrichten. Ziel dieses Programmes ist es, die Kompetenzen in modernen IT-Technologien weiter zu stärken.

Zusätzlich startet Microsoft sein bisher größtes Qualifizierungsprogramm für den österreichischen Markt. Gemeinsam mit Bildungspartnern und dem österreichischen Arbeitsmarktservice (AMS) plant Microsoft bis Ende 2024 bis zu 120.000 Personen in Österreich aus- und weiterzubilden. Der lokale Qualifizierungsplan umfasst auch den weiteren Ausbau des „Austrian Skills Campus“. Das Programm wurde 2019 von Microsoft Österreich ins Leben gerufen und bietet Hochschulabsolventen und Berufsanfängern spezifische Kurse an, um sie bei einem schnelleren Einstieg in den Arbeitsmarkt zu unterstützen.

Erstes Fachportal des Bundes im neuen Design

Das österreichische Sicherheitsportal onlinesicherheit.gv.at soll als erste Fach-Website im neuen Corporate Design des Bundes einen wesentlichen Beitrag zur Steigerung der Nutzungsfreundlichkeit bei allen Fragen rund um die Sicherheit im Internet leisten. „Cybersicherheit begleitet uns mittlerweile in allen Lebensbereichen“, erklärt Digitalisierungsministerin Margarete Schramböck. „Es ist wichtig, dass wir Gefahren und Fallen, die im Internet lauern, erkennen und ihnen gut begegnen können. Die Website beinhaltet Tipps und Tricks und bietet sehr viel spezifische Information. Für jeden ist etwas dabei“, so Schramböck.

Das IKT-Sicherheitsportal soll mit seinem Informationsangebot sowohl Laien als auch Experten bei der sicheren Entwicklung, dem sicheren Betrieb und der sicheren Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnologie unterstützen. Es ist eine interministerielle Initiative in Kooperation mit der österreichischen Wirtschaft und fungiert als zentrales Internetportal für Themen rund um die Sicherheit in der digitalen Welt. Dazu unterstützen auch Kooperationspartner wie das Österreichische Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT) oder die Vereinigung der Österreichischen Internet Service Provider (ISPA).

Initiatoren des Portals sind das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort (BMDW) und das Zentrum für sichere Informationstechnologie – Austria (A-SIT). Die Initiative verfolgt als strategische Maßnahme der Nationalen IKT-Sicherheitsstrategie und der Österreichischen Strategie für Cyber-Sicherheit das Ziel, durch Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung der betroffenen Zielgruppen sowie durch Bereitstellung zielgruppenspezifischer Handlungsempfehlungen die IKT-und Cyber-Sicherheitskultur in Österreich zu fördern und nachhaltig zu stärken. Dazu sollen die verfügbaren Inhalte eine effiziente Nutzung des Portals ermöglichen und das Auffinden sicherheitsrelevanter Informationen sowie zuständiger Behörden und Institutionen im Internet wesentlich erleichtern.

Links

http://news.microsoft.com/de-at

www.bmi.gv.at

www.bmdw.gv.at

http://www.parlament.gv.at

Autor/in:
Diana Danbauer
Original erschienen am 11.11.2020: Wirtschaftsverlag.
Werbung

Weiterführende Themen

Meinungen
14.05.2020

Wenn wieder einmal ein gewaltiges Datenleck publik wird, löst das bei vielen Menschen nur noch ein resigniertes Schulterzucken aus. Eine Reaktion, die nicht zur Gewohnheit werden darf.

Meinungen
15.04.2020

Wie spannend: Eine interaktive Weltkarte, die immer aktuell anzeigt, in welchen Ländern wie viele Menschen mit COVID-19 infiziert sind und wie viele daran gestorben sind. Da klick ich doch schnell ...

Alfred Harl rät Betrieben sich die Frage zu stellen: "Ist mein Unternehmen ausreichend geschützt?"
Meldungen
02.04.2020

Die aktuelle Situation hat zahlreiche heimische Unternehmen dazu veranlasst, ihren Betrieb in die Heime ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu verlagern. Diese Tatsache bringt viele neue ...

Meldungen
03.03.2020

30 Prozent der Unternehmen in Österreich waren in den letzten zwei Jahren Opfer von Wirtschaftskriminalität. Täter sind ebenso häufig Mitarbeiter wie Externe.

Stories
12.02.2020

Auch wenn an unseren Grenzen keine Panzer auffahren, sind Österreich und seine Unternehmen gezielten Angriffen ausgesetzt. Wer im Fokus der internationalen Attacken steht und worauf sich die ...

Werbung