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Pessimismus bei heimischen KMU

22.01.2015

Nur griechische Unternehmen beurteilen die heimische Standort- und Mittelstandspolitik sowie die zukünftige Entwicklung der Wirtschaftslage noch negativer.

Österreichische Mittelstandsunternehmen gehören zu den größten Pessimisten in Europa. Das Vertrauen in das eigene Unternehmen ist dennoch groß: Die Mehrheit der Unternehmen will die eigene Stabilität sichern und immerhin jeder dritte Mittelständler setzt auf Wachstum. Ernst & Young (EY) befragte europaweit Mittelstandsunternehmen: Zufriedenheit ist in der Türkei, in Irland und in Großbritannien am höchsten.

Gegen Sparpolitik: In Österreich sind die Lager gespalten

Thema Standortpolitik: Über ein Drittel (34 Prozent) bezeichnet diese als „eher negativ“ bzw. „sehr negativ“, nur 15 Prozent beurteilen diese als „sehr positiv“ oder „positiv“. Das ist der zweitschlechteste Wert aller abgefragten europäischen Länder. Nur in Griechenland ist die Unzufriedenheit im Mittelstand größer. Ein noch schlechteres Zeugnis stellen die österreichischen Unternehmen der heimischen Mittelstandspolitik aus, mit der sogar fast die Hälfte (47 Prozent „eher negativ“ bzw. „sehr negativ“) unzufrieden ist. Damit belegt Österreich auch in diesem Ranking – ebenfalls vor Griechenland – europaweit den vorletzten Platz.
Für die EY-Studie wurden 6.000 mittelständische Unternehmen – davon 250 aus Österreich – im Dezember 2014 telefonisch befragt.

„Abgesehen vom krisengeschüttelten Griechenland gibt es in ganz Europa kein Land, in dem die Mittelstandsunternehmen so unzufrieden mit der heimischen Standort- und Mittelstandspolitik sind. Bei diesem Ergebnis sollten alle Alarmglocken schrillen. Die Politik sollte die derzeitigen Sorgen sehr ernst nehmen, denn gerade der Mittelstand braucht Planungssicherheit“, erklärt Helmut Maukner, Country Managing Partner von EY Österreich.

Sorge um Wirtschaftsentwicklung

Während sich europaweit Aufbruchsstimmung unter den KMU abzeichnet – immerhin jedes dritte Unternehmen (32 Prozent) erwartet eine Verbesserung der Wirtschaftslage im eigenen Land – versetzt die Einschätzung der Binnenkonjunktur-Entwicklung heimische Unternehmen alles andere als in Hochstimmung: Nur 15 Prozent erwarten zumindest eine leichte Verbesserung in den nächsten sechs Monaten. Ein Drittel (33 Prozent) bereitet sich auf konjunkturelle Rückschläge vor und immerhin die Hälfte (52 Prozent) rechnet damit, dass die Wirtschaftslage unverändert bleibt. (Nur die Griechen sind europaweit noch pessimistischer). Dementsprechend sehen die meisten Mittelständler in Österreich eine schwache Binnenkonjunktur als größte Gefahr für die Entwicklung ihres Unternehmens – gefolgt von hohen Rohstoffpreisen und Fachkräftemangel.

Selbstvertrauen

So unzufrieden sich der heimische Mittelstand mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zeigt, so stark ausgeprägt ist das Vertrauen in das eigene Unternehmen: Mehr als jeder zweite Mittelständler in Österreich rechnet für 2015 mit höheren Umsätzen als 2014. Insgesamt gehen die österreichischen Befragten von einem Zuwachs in Höhe von 1,6 Prozent im laufenden Jahr aus. Damit liegen sie nur knapp unter dem europäischen Durchschnitt mit einem erwarteten Umsatzplus von 1,7 Prozent. 

Das Geschäftsklima (Mittelwert, der sich aus den Salden der Geschäftslage und der Geschäfts- und Umsatz- Erwartungen bildet) in Österreich hat sich nach einem Einbruch im August 2014 wieder leicht verbessert. Der Indexwert stieg von 41 (Juli 2014) auf aktuell 43 Punkte. Im europäischen Geschäftsklimaindex rangiert Österreich dennoch nur auf dem 16. von 21 Plätzen. Der europaweite Mittelwert liegt bei 47 Punkten. Spitzenreiter beim Geschäftsklima sind die Türkei (65 Punkte) sowie Irland und Großbritannien (beide 63 Punkte). 

„Diese Ergebnisse zeigen eindeutig, dass die Stimmung im österreichischen Mittelstand deutlich schlechter ist als die tatsächliche Lage“, fasst Helmut Maukner die Ergebnisse zusammen. Der gesunkene Euro mache österreichische Produkte im Ausland billiger, der niedrige Ölpreis entlaste.

Zeichen dennoch auf Wachstum 

Auch mit der eigenen Geschäftslage sind Österreichs Mittelstandsunternehmen im Großen und Ganzen zufrieden: 85 Prozent bewerten diese als grundsätzlich positiv, fast die Hälfte sogar als „gut“. Ähnlich verhält es sich im europäischen Durchschnitt: 87 Prozent bezeichnen ihre Lage als zumindest „eher gut“, 51 Prozent sogar als „gut“. Dementsprechend formulieren die österreichischen Mittelständler trotz der pessimistischen Erwartungshaltung gegenüber der konjunkturellen Entwicklung auch ihre Strategie recht selbstbewusst: 35 Prozent setzen in den kommenden Monaten auf Wachstum. Die Mehrheit der österreichischen Unternehmen (59 Prozent) gibt an, im laufenden Jahr besonders stark auf Stabilität setzen zu wollen – nur bei sechs Prozent geht es rein ums Überleben. Entsprechend liegt der Fokus bei Österreichs Mittelstandsunternehmen auch vorwiegend darauf, die Investitionen konstant zu halten. 

Fachkräftemangel drückt Umsatz

Sorgen bereitet den heimischen Mittelstandsunternehmen im Moment vor allem der Mangel an geeigneten Top-Fachkräften. Im europaweiten Vergleich wirkt sich dieser in Österreich so stark wie nirgendwo sonst auf den Umsatz aus: 16 Prozent beklagen „erhebliche“, 43 Prozent zumindest „geringfügige“ Einbußen. Europaweit sind es nur halb so viele, hier verzeichnen laut eigenen Angaben nur 8 Prozent „erhebliche“ und 23 Prozent „geringfügige“ Umsatzrückgänge.
Die Ukraine-Krise hat bereits Spuren in den Bilanzen vieler KMU hinterlassen: Mehr als jeder fünfte Mittelständler in Österreich (22 Prozent) gibt an, dass sich die aktuellen Spannungen zwischen Russland und der EU bzw. den USA negativ auf das eigene Geschäft auswirken. Besonders betroffen zeigen sich Industrie und große Mittelständler. Im europäischen Vergleich trifft der Konflikt vor allem die Unternehmen in der Türkei (40 Prozent), Griechenland (34 Prozent) sowie Russland und Finnland (jeweils 33 Prozent).

Europäische KMU fordern Investitionen in Wachstum 

Während fast zwei Drittel der europäischen Unternehmen (63 Prozent) von der Politik eine Abkehr vom Sparkurs fordern und auf mehr öffentliche Investitionen pochen, spalten sich die österreichischen Mittelständler in zwei Lager: Jeweils rund die Hälfte spricht sich für wachstumsfördernde Investitionen (49 Prozent) bzw. ein Festhalten am Konsolidierungskurs (51 Prozent) aus. Besonders laut ist der Ruf nach mehr staatlichen Investitionen in Irland (81 Prozent), Griechenland (80 Prozent) und Norwegen (79 Prozent). 

Weitere Informationen: www.ey.com/at

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