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Umsatzrückgang in der Stein- und Keramik-Industrie

13.05.2014

Laut Konjunkturerhebung des Fachverbandes Stein und Keramik-Industrie der WKO verzeichnete die Branche 2013 einen Gesamtumsatz von 3,35 Milliarden Euro, was einem Minus von 0,91 Prozent gegenüber 2012 entspricht.

Die jährliche Konjunkturerhebung unter den über 300 Mitgliedsunternehmen des Fachverbandes der Stein- und keramischen Industrie brachte die Bestätigung einer anhaltenden Stagnation des Sektors. Nachdem der Umsatz der Branche bereits 2012 mit plus 0,22 Prozent stagnierte, sank er 2013 mit einem Minus von 0,91 Prozent weiter ab und betrug 2013 insgesamt 3,35 Milliarden Euro. Der Stand der Beschäftigten konnte dennoch nahezu konstant gehalten werden.

Pfeiler: Hochbau besonders betroffen – Neubau stagniert

„Wir verzeichneten quer durch fast alle Branchen Umsatzrückgänge. Besonders hart war das vergangene Jahr für jene Branchen, die stark vom Hochbau abhängig sind. Diese zählen zu den klaren Verlierern einer zaudernden Wohnbaupolitik, die es trotz vieler Ankündigungen bislang nicht schaffte, für den erforderlichen Neubau zu sorgen“, betonte Andreas Pfeiler, Geschäftsführer des Fachverbandes, den Konflikt zwischen Ankündigungspolitik und budgetpolitischen Realitäten. Zwar gibt es im urbanen Bereich einige Großprojekte wie die Seestadt Aspern, im dezentralen Bereich verläuft es jedoch wesentlich schlechter.

Lediglich in vier Branchen gab es Zuwächse. Das größte Plus von 15,68 Prozent verzeichnete die hochspezialisierte Feinkeramische Industrie (gesamt 220 Mio. Euro). Die Schotterindustrie verzeichnete ein Plus von 7,42 Prozent (gesamt 128 Mio. Euro), die Sand- und Kiesindustrie hatte ein Wachstum von 4,60 Prozent (gesamt 158 Mio. Euro), die Transportbetonindustrie schloss das Jahr mit einem leichten Plus von 0,60 Prozent (gesamt 379 Mio. Euro) ab.
Alle anderen Branchen mussten Rückgänge hinnehmen: Allen voran die Ziegel- und -fertigteilindustrie (-6,87 Prozent auf 138 Mio. Euro), die Naturwerksteinindustrie (-5,51 Prozent auf 24 Mio. Euro), die Beton- und –fertigteilindustrie (-3,82 Prozent auf 450 Mio. Euro) und die Putz- und Mörtelindustrie (-3,48 Prozent auf 452 Mio. Euro).
Kumuliert betrachtet fiel 2013 insbesondere auf, dass die Industriezulieferer (Feinkeramik, Feuerfest, Schleifmittel) ein Plus von 3,29 Prozent aufwiesen, während die Bauzulieferer auf ein Minus von 1,95 Prozent kamen.

Asamer: Absichtserklärungen müssen Taten folgen – Keine Abtauschgeschäfte bei Förderungen

Die österreichische Baustoffindustrie befriedigt mit ihren Produkten das menschliche Grundbedürfnis nach verfügbarem Wohnraum und Infrastruktur. Mit ihrer Ankündigung, 48.000 neue Wohneinheiten pro Jahr schaffen zu wollen und damit Wohnen insgesamt leistbarer zu machen, hat die Bundesregierung eine der wichtigsten wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Forderungen des Fachverbandes ins Regierungsprogramm aufgenommen. „Wir weisen seit Jahren auf die Unterdeckung der Bevölkerung bei der Errichtung neuer Wohneinheiten hin“, so Manfred Asamer, Obmann des Fachverbandes. „Allerdings sind wir mit der Problematik konfrontiert, dass die Wohnbaukompetenz des Bundes seit 2008 radikal reduziert wurde und er derzeit keine Steuerungsmöglichkeit über die Wohnbauförderungsmittel besitzt“, betont der Obmann.
„Wir gehen davon aus und fordern auch ein, dass das im Regierungsprogramm festgehaltene Wohnbaupaket in der Höhe von 276 Mio. Euro zusätzliche Mittel bedeutet. Und nicht, dass sie im Zuge des Finanzausgleichs in die Länder fließen, die dann ihrerseits ihre eigenen Förderungen entsprechend kürzen“, macht Asamer auf einen möglichen Zielkonflikt aufmerksam. Denn nachdem die Förderausgaben bereits 2011 um 10 Prozent gesunken sind, gingen sie 2012 erneut um 4 Prozent (100 Mio. Euro) zurück. Damit bewegen sie sich auf dem Niveau von Anfang der 2000er Jahre.

Diskussion um Infrastrukturausbau versachlichen – Projekte umsetzen

Neben dem Hochbau hat der weitere Ausbau der Infrastruktur für den Fachverband hohe Priorität. „Das Festhalten an den Rahmenplänen ist für die Wirtschaft im Allgemeinen und unsere Mitgliedsunternehmen im Speziellen von größter Bedeutung. Denn es geht um die Planungssicherheit für unsere Betriebe und damit verbunden um die Sicherung tausender Arbeitsplätze – vor allem auf regionaler Ebene. Die derzeit sehr verhaltenen Ausschreibungen und Verzögerungen bei Bauprojekten wie der S8, der A5, dem weiteren A4-Ausbau und der Verzögerung beim Semmering- oder beim Lobautunnel, sind beunruhigend“, so Asamer.

Schmid: Zielkonflikte bei EU-Vorgaben

Auf europäischer Ebene sieht der Fachverband einen klaren Zielkonflikt zwischen der Klima- und Energiepolitik einerseits und den Zielen zur Re-Industrialisierung Europas andererseits. Die momentanen und zukünftigen EU-Vorgaben (Klima- und Energieziele 2020 und 2030) sind nicht mit dem Ziel vereinbar, den Anteil der produzierenden Industrie bis 2020 auf 20 Prozent des BIP zu erhöhen. „Wer auch in Zukunft eine Industrie in Europa haben möchte, sollte klima- und energiepolitische Ziele mit Augenmaß definieren. Derzeit gibt es einen Zielkonflikt, der gelöst werden muss“, so Robert Schmid, stellvertretender Obmann des Fachverbandes. Außerdem hat die Baustoffindustrie in den letzten Jahren bereits enorme Anstrengungen unternommen. So wurden z.B. im Bereich Zement 18 Prozent an spezifischen Emissionsminderungen erreicht (1997-2012) oder im Bereich Ziegel eine Reduktion von 27 Prozent der geprüften CO2-Gesamtemissionen (2005-2010). „Inzwischen haben wir langsam jenen Punkt erreicht, an dem weitere Einsparungen technisch nicht mehr
möglich sind. Bestimmte Prozessemissionen bleiben trotz höchsten Standards bestehen“, erklärt Schmid.

Zielvorgaben und aufwendige Regelungen treffen KMU schwer

Die Zielvorgaben und momentanen Auflagen im Rahmen der europäischen Klimapolitik sind gerade für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ein großes Problem. „Wir sind mit Zielvorgaben und einem System konfrontiert, die auf die KMU keine Rücksicht nehmen. Die Politik muss sich im Klaren darüber sein, welche Auswirkungen ihre Entscheidungen auf den wirtschaftlichen Alltag der KMU haben. Diese sind oft mit unverhältnismäßigen Mehrkosten und Mehraufwand konfrontiert, die sie selbst tragen müssen“, so Schmid. Außerdem müssten die Klima- und Energieziele 2030 - 40 Prozent CO2-Reduktion, 27 Prozent Anteil erneuerbarer Energien - entsprechend an die Situation der KMU angepasst werden. Deshalb fordert der Fachverband eine stärkere Rücksichtnahme auf die kleinen und mittleren Unternehmen. So sollte es Ausnahmeregelungen geben, um diese vor übermäßigen Belastungen zu schützen.
Pfeiler: Ausblick 2014 – positiver gestimmt als im vergangenen Jahr
Für 2014 gibt sich der Fachverband etwas positiver gestimmt als für das vergangene Jahr. „Die ersten zwei Monate sind gut gelaufen. Sollte sich der Trend der ersten Monate weiter fortsetzen und vor allem die Infrastrukturprojekte wie geplant umgesetzt werden, hoffen wir auf einen leichten Zuwachs bis Jahresende“, so Pfeiler abschließend.

 

Autor/in:
Clemens Coudenhove
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