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Am 13. April gelang Christian Redl am Nordpol der Tauchgang von 30 Meter Tiefe unter 1,80 Meter dickem Eis.

Spitzensportler als Markenbotschafter

02.10.2015

Apnoe-Weltrekordhalter Christian Redl kann die Luft unter Wasser viel länger anhalten als alle anderen. Das hat er bewiesen. Als deutlich schwieriger hat sich für ihn herausgestellt, passende Sponsoren für seine Randsportart „Freitauchen“ zu finden. Denn Sport-Sponsoring folgt hierzulande nahezu ausschließlich dem Mainstream. 

Mehr als 370 Millionen Euro war im letzten Jahr der Sportsponsoring-Markt in Österreich laut einer aktuellen Studie des Sportmarketing-Spezialisten Repucom schwer. Die Hälfte davon lukrierte „König Fußball“, gefolgt von Ski alpin, den anderen Wintersportarten sowie – bereits weit abgeschlagen – Eishockey und Tennis. Alle anderen Sportarten abseits des Mainstreams haben kaum eine Chance, von diesem Budgetkuchen ein Stück abzubekommen. 

Dabei ließe sich mittels Imagetransfers eines exklusiven Testimonials, das zwar keine Hauptsportart bedient, jedoch thematisch gut zum Unternehmen passt, viel rascher die Bekanntheit erhöhen und die Marke emotional aufladen, da diese Person deutlich effektiver mit der Marke verknüpfbar ist. Oder können Sie auf Anhieb sagen, wie die Sponsoren unseres Skiasses Marcel Hirscher, unserer Tennis-Nr. 1 Dominic Thiem oder Fußball-Star David Alaba heißen? Wohl kaum. Dafür kennen Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit den Hauptsponsor des Extremsportlers und Weltraumspringers Felix Baumgartner, der als Basejumper nicht unbedingt als Vertreter einer Mainstream-Sportart gilt.

Erstaunlich ist, dass vor allem zahlreiche Unternehmen aus der Sanitär-, Heizungs- und Klimabranche diesen Vorteil erkannt haben und bereits seit längerer Zeit Sportler bzw. Sportarten unterstützen, die nicht hinter einem Fußball herjagen oder Skischuhe an ihren Füßen tragen. Sanitärgröße Hansgrohe sponsert etwa mit Triathlon-Weltmeister Daniel Unger oder dem langstreckenschwimmenden Forscher Andreas Fath und der Speerwurf-Weltmeisterin Christina Obergföll Disziplinen, über die zwar nicht täglich in den Medien berichtet wird, dafür aber hervorragend zum Unternehmensimage passen. Auch Pumpenprofi Wilo (= Rudersport-Achter), Heizungskomplettanbieter Viessmann (= Biathlon, Rennrodeln, Nordische Kombination) oder Befestigungsexperte Würth (= Special Olympics, Radrundfahrt) setzen auf Sportbereiche, die sich unverwechselbarer an ihre Marken schmiegen können als die landläufig bekannten Sportarten.  

Allen Unternehmen gleich ist dabei Authentizität und Glaubwürdigkeit des Testimonials für das Produkt als wichtigstes Kriterium bei der Auswahl. Passt diese Kombination, kann ein Spitzensportler sehr viel zum Erfolg einer Marke beitragen.

Eine perfekte Kombination ist beispielsweise die Zusammenarbeit des Extremsportlers und Apnoe-Weltrekordhalter Christian Redl mit dem Bäderbauprofi Berndorf. „Schwimmbad, Therme und Wellness“ hat den Weltrekordhalter gefragt, wie es zu diesem Sportsponsoring kam.

Herr Redl, was sind aus Ihrer Sicht die Vorteile für ein Unternehmen, den Weltrekordhalter im Apnoetauchen zu sponsern?

Leistungsbereitschaft, Disziplin sowie der Wille, das Beste zu geben, sind neben dem Wunsch, vermeintliche Grenzen zu überwinden, essenzielle Elemente meiner Sportart. Das sind Werte, die durchaus auch Unternehmenskulturen prägen. Mit mir als Testimonial lässt sich dies anschaulich transportieren.

Gibt es ein vorgegebenes Zeitkontingent, über das der oder die Sponsoren verfügen dürfen?

Grundsätzlich gibt es schon Vereinbarungen, an wie vielen Tagen im Jahr beziehungsweise für welche Aktivitäten das Testimonial dem Sponsor zur Verfügung steht. Natürlich sollte die Kooperation zwischen Sponsor und Sportler im Idealfall jedoch nicht ausschließlich vom Geschäftsgeist geprägt sein. Am Beispiel Berndorf Bäderbau lässt sich gut erkennen, wie eine respektvolle, konstruktive Zusammenarbeit funktionieren kann. Denn dabei geht es nicht nur um das sogenannte „Branding“ alleine, sondern auch um eine Aktivierung mittels diverser Maßnahmen wie Promotions, um Online/Social Media und um Events. Neben Fotoshootings und Videos für Prospekte und Online habe ich in der Zwischenzeit für Berndorf auch Mitarbeitererschulungen und Motivationsvorträge in Sachen Mentalarbeit und Atemtechnik umsetzen dürfen. Denn es gibt sehr viele Parallelen zwischen meinem Einsatzgebiet und jenen von Managern. Es geht also bei meinem Sponsorpaket um sehr viel mehr, als das Firmenlogo auf mein T-Shirt zu drucken.

Wie kamen Sie zu Berndorf Bäderbau als Sponsor – wie kommt ein Apnoetaucher generell an seine Sponsoren?

Bei mir hat es immer nur funktioniert, wenn ich persönlich auf meine potenziellen Sponsoren zugegangen bin. Alles andere hat sich als unwirksam herausgestellt. Als Freitaucher bleiben von 100 Anschreiben 90 unbeantwortet – der Rest sind Absagen. Meine Sponsorpartner habe ich an Land gezogen, da ich sie im persönlichen Gespräch von meinen Aktivitäten begeistern konnte. Auf Berndorf Bäderbau stieß ich durch Zufall beim Bäderkongress, da sie dort ihr Maskottchen – den Eisbären – lebensgroß am Stand aufgestellt hatten. Dies nahm ich zum Anlass, mich bei der Marketingleiterin zu melden, um ihr mein Nordpolprojekt vorzustellen, wo ich bei minus 30 Grad die Antarktis ohne Pressluft 30 Meter herabtauchen wollte – das war der Beginn einer bis heute tollen Zusammenarbeit. 

Das Volumen des heimischen Werbemarktes ist etwa vier Milliarden Euro schwer. Auf den Bereich Sportsponsoring entfallen rund 370 Millionen Euro. Sieht auf den ersten Blick nach gar nicht so wenig aus, oder?

Es relativiert sich, wenn man sich beispielsweise vor Augen führt, was prominente Skifahrer oder Fußballer aus Sportsponsoring-Verträgen einnehmen. Das kann sich pro Saison und Kopf durchaus im siebenstelligen Bereich bewegen. Da lässt sich leicht ausrechnen, wie rasch dieser Topf leer ist und warum nicht ganz so populäre Sportarten beim Thema Sportsponsoring eher durch die Finger schauen.

Wo beziehungsweise wie wird Christian Redl – im wahrsten Wortsinn – wieder öffentlichkeitswirksam in den Schlagzeilen auftauchen? Ist ein neuer Weltrekord geplant?

Ich werde kommenden Winter – also im Februar 2016 – den zehnten Weltrekordversuch beim Tauchen unter Eis wagen. Daher arbeite ich bereits jetzt daran, die erforderliche körperliche Kondition dafür aufzubauen. Aktuell liegt der Weltrekord bei 65 Metern – ich möchte tiefer als 75 Meter kommen. Es wird dies wahrscheinlich jedoch mein letzter Weltrekordversuch sein. Doch was ich dann in Zukunft machen werde, finde ich sogar noch spannender als das, was ich jetzt tue. Denn ein Weltrekordversuch kann immer auch ein wenig als Ego-Trip gesehen werden. Künftig möchte ich aber nur noch Dinge machen, die den Menschen weiterhelfen. Begonnen habe ich damit bereits. Beispielsweise in Nepal, wo im Rahmen meiner Projekte sehr viel an meinem Körper gemessen wurde und dadurch etwa der Bergsport sicherer gemacht werden kann, da man erkennen konnte, wie der Körper in Extremsituationen reagiert. Am Nordpol wiederum konnte ich mit meiner „Expedition unter dem Zeichen des Eisbären“ auch öffentlichkeitswirksam aufzeigen, dass wir mit unserer Umwelt schonender umzugehen haben. Aktuell beteilige ich mich zudem an einem Kino-Dokumentarfilm zum Thema Haischutz. Denn der Hai ist das wichtigste Tier im Meer. Fischen wir alle Haie heraus, kippt das ökologische Gleichgewicht der Meere, die dann ihrer Funktion als Sauerstofflieferanten nicht mehr nachkommen können. Was dann passiert, möchte ich mir nicht ausmalen müssen.

Wo sehen Sie sich in 20 Jahren?

Jedenfalls irgendwo im oder unter Wasser. Ich werde sicherlich bis zu meinem letzten Atemzug in irgendeiner Form mit dem Wasser zu tun haben. 

 

 

 

Autor/in:
Christian Klobucsar
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