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Andreas Winkelhofer ist seit Mitte Mai neuer Geschäftsführer des Oberösterreich Tourismus.

Man muss die Hebel finden

10.10.2015

Der neue Geschäftsführer des Oberösterreich Tourismus im ÖGZ-Interview über große Fußstapfen, touristische Potenziale und Strukturreformen.

Karl Pramendorfer war 30 Jahre im Amt und hatte den Ruf eher leise, zurückhaltend zu sein. Welcher Typ sind Sie? Wie groß sind die Fußstapfen, in die Sie treten? Was wollen Sie anders machen als Ihr Vorgänger?
Andreas Winkelhofer: Ich bin ein sehr kommunikativer, netzwerk-orientierter Typ, der mit einer ordentlichen Portion Visionskraft und Innovationskraft ausgestattet ist. Ich werde Bewährtes weiterführen, bin aber auch bereit, neue Wege zu gehen und kreative Akzente zu setzen. 
 

Sie scheinen ja völlig unterschiedliche Charaktere zu sein ... 
Karl Pramendorfer hat das 30 Jahre lang sehr erfolgreich gemacht. Er hatte seine Zugänge und ich werde auf Bewährtem, auf allem, was gut gelaufen ist, aufbauen. Aber mit Sicherheit werde ich auch andere Wege gehen.
 

Wie haben Sie die ersten Wochen in Ihrer neuen Funktion erlebt?
Ich habe sehr viele Gespräche geführt, landauf, landab. Ich will das Land Oberösterreich in all seinen Facetten und die Menschen kennenlernen und feststellen, wo der Schuh drückt.
 

Und: Wo drückt der Schuh?
Oberösterreich war bislang schwerpunktmäßig mit Partnern auf den Märkten Österreich, Deutschland, Tschechien tätig. Das schauen wir uns im Moment sehr genau an und führen eine fundierte Marktpotenzialanalyse durch. Außerdem beschäftigen wir uns mit Zukunftsthemen und mit welchen Produkten wir auf welchen Märkten künftig stärker auftreten wollen. Dazu werden wir auch touristische Strukturen noch effizienter vernetzen.
 

Und was ist dabei rausgekommen?
Die Analyse ist noch nicht abgeschlossen, aber so viel kann ich verraten: Oberösterreich hat durchaus auch auf anderen Märkten Potenzial.
 

Sie werden sich also international breiter aufstellen?
Ja, dazu werden wir enger mit Markendestinationen, Tourismusverbänden und mit relevanten, interessierten Betrieben zusammenarbeiten. Und wir werden uns mit der oberösterreichischen Wirtschaft als wichtigem Partner in der Marktbearbeitung vernetzen.
 

Stichwort „Touristischer Gemischtwarenladen“: Soll Oberösterreich alles für alle bieten oder sich spezialisieren? 
Der Slogan sagt: „Für die vielen Seiten in mir“. Das ist grundsätzlich richtig, kommt auch aus einem markenstrategischem Prozess heraus, wo es drei Schwerpunkte gibt: Österreich-Extrakt, Kulturlabor und Lebensfreude. Wir sollten in Zukunft diese „besten Seiten in mir“ stärker nach außen tragen. Aber es wird nicht möglich sein, immer alle mitzunehmen.
 

Sie wollen sich ansehen, mit welcher Produkt-Markt-Kombination man auf welchen Markt gehen kann?
Ganz genau. Immer alle dabei zu haben birgt die Gefahr, dass man tatsächlich mit einem Bauchladen daherkommt und die Profilierung, die Spitzenleistungen nicht ordentlich kommunizieren kann.
 

Ist Oberösterreich touristisch schwierig zu vermarkten?
Oberösterreich hat sehr viel Potenzial, das wir versuchen zu heben. Diese Hebel muss man finden. Ich denke, dass wir noch ein wenig am Profil arbeiten und die Besonderheiten herausarbeiten müssen. Aber wirklich große Probleme in der Vermarktung sehe ich nicht.
 

Apropos Linz: Ist das jetzt Kulturlabor oder Lebensfreude – wenn wir schon bei Slogans sind?
Das ist kein Slogan, sondern ein markenintrinsischer Punkt (lacht). Linz ist ein fantastisches Produkt, das sich mit Veränderung und zeitgenössischer Kultur beschäftigt. Linz ist „Unesco City of Media Arts“ – auch das ist eine schöne Bestätigung und eine Facette, die zu traditionellen Angeboten passt. Die Kulturhauptstadt war eine Trägerrakete für die weitere Entwicklung von Linz. Die Unesco ist eine starke Marke und touristisch sehr relevant. Ob deshalb die Massen zu uns kommen werden, kann ich nicht sagen. Zur nachhaltigen Positionierung ist es aber äußerst wichtig.
 

Reden wir über Kulinarik. Reicht es zu kommunizieren, dass man bei uns gut essen und trinken kann?
Nein. Wir müssen dieses Thema in ein starkes Storytelling verpacken und gute Geschichten erzählen: etwa über Produzenten. Da gibt es viele spannende, originelle Charaktere, die hinter den Produkten stehen. Die holen wir vor den Vorhang, wie zum Beispiel auf der Expo in Mailand, wo unser Shooting-Star, Haubenkoch Lukas Nagl, die italienischen Gäste mit oberösterreichischer Küche begeistert hat. Mit unserer Zusammenarbeit mit dem Genussland Oberösterreich sind wir bereits auf einem guten Weg. Auch das Thema Bier ist für uns sehr spannend.
 

Stichwort Strukturreform: Kann man den OÖ-Tourismus schlagkräftiger machen? Wenn ja, wie?
Wir arbeiten bis Ende des Jahres an einem Organisationsentwicklungsprozess, um noch effizienter und effektiver zu werden. Dazu werden aktuell, auch mit Einbindung externer Experten, unterschiedlichste Schwerpunkte tiefgehend analysiert und neue Strategien entwickelt. Etwa für die Internationalisierung, für die digitale Themenführerschaft und für eine optimale Vernetzung mit touristischen Organisationen und weiteren Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft. Danach wird die Struktur angepasst.

Interview: Alexander Grübling

 

Ursprünglich erschienen: ÖGZ, 07.10.2015.

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