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Es geht nur mit Leidenschaft

14.09.2015

Der VKÖ startet eine Imagekampagne für den Beruf Koch/Köchin. Notwendig und sehr gelungen. Wir haben mit dem Initiator Alois Gasser und einer jungen Protagonistin gesprochen

Es sind insgesamt 25 Sujets, die auf Facebook und in Printmedien veröffentlicht werden: Man sieht überwiegend junge Menschen in Kochjacken, die sich für ihren Beruf einsetzen: „Köche sind wie Rockstars –, nur dass jedes Bandmitglied gleich mehrere Instrumente spielt“, heißt es da. Man sieht eine junge Köchin mit einem Fischtablett in der Hand – statt Luftgitarre. „Leidenschaft ist unser wichtigstes Werkzeug“, sagen ein junger Koch und eine junge Köchin, die im wirklichen Leben tatsächlich ein Paar sind.

Dropout-Quote hoch
Den eher traurigen Hintergrund dieser witzigen und glaubwürdigen Kampagne erklärt VKÖ-Präsident Alois Gasser: „In den letzten sechs Jahren haben wir einen Rückgang von 37?% in der Lehrlingsausbildung zum Koch zu beklagen. Die Drop-out-Quote ist hoch. Wenn wir so weitermachen, finden wir bald wirklich keinen Nachwuchs mehr. Es ist fünf nach zwölf.“ Für ihn selbst ist Koch immer noch „der schönste Beruf der Welt“. Er hatte als Bursche davon geträumt entweder Koch oder Lokomotivführer zu werden – und vereinte beide Träume in einer Bahnhofsküche in Salzburg. 

Natürlich möchte er mit der Kampagne „Leidenschaft Kochen“ nicht die bekannten Probleme seiner Branche unter den Herd kehren. Eine Umfrage an einer Berufsschule hat ergeben, dass sich angehende Köchinnen und Köche besonders über Inflexibilität, geringe Bezahlung bei hohem Einsatz und geringe persönliche Wertschätzung ärgern. Sie wollen – insbesondere in der Lehre – nicht als billige Arbeitskräfte behandelt werden. Da geht es ihnen wie vielen anderen Lehrlingen auch – was es nicht besser macht. Die Lehrlingsausbildung ist generell in Verruf geraten – nicht nur in Österreich. Deutschland beklagt ebenfalls Rückgänge bei der Lehrlingsausbildung – sogar bis zu 50 Prozent!

Persönlichkeit ist wichtig
„Deshalb müssen wir etwas tun“, sagt Grasser. „Wir möchten den Menschen als Individuum ins Zentrum rücken. Köchinnen und Köche sind Persönlichkeiten und das sollen sie auch sein, sein dürfen. Wir wollen den Kochberuf wieder interessant und attraktiv machen.“ TV-Kochshows, wo vorgegaukelt wird, dass Köche Stars sind, reicht nicht. Dazu gehöre, sagt Gasser, endlich über eine Reform der Ausbildung nachzudenken – gemeinsam mit der Kammer. Deren Maßnahmen hätten leider noch nicht zufriedenstellend gegriffen. „Wir sollten weniger über den KV diskutieren. Schlimmer ist, dass es keinen anerkannten Küchenmeister-Titel gibt. Da wird einfach eine mittelalterliche Tradition fortgesetzt. Köche haben bei uns keine Innung.“ Und er sieht weitere Herausforderungen: „Die Küchenmannschaften werden immer jünger, immer unerfahrener.“ Er beklagt auch, dass Aktionen wie seine Jugendnationalmannschaft zu wenig Unterstützung erfahren. Er muss gegen Teams aus Skandinavien oder der Schweiz antreten, denen weitaus mehr Sponsorengelder zur Verfügung stehen, die ein Jahr lang von ihren Betrieben freigestellt werden, um für die Kocholympiade trainieren zu können. 

Bezahlung
Auch die Bezahlung in Österreich hinkt im internationalen Vergleich nach: In Südtirol verdient ein Küchenchef 5000 Euro netto, in der Schweiz umgerechnet gar bis zu 8000 Euro, in Österreich sind es 2500–3000, ein einfacher Koch kommt lediglich auf 1500 Euro netto. Immerhin haben Köche jetzt die Chance angesichts eines Arbeitsmarktes, auf dem das Angebot an Stellen die Nachfrage übersteigt, eine höhere Überzahlung des KV-Lohnes herauszuholen. Wenn sie geschickt verhandeln und wenn der fragliche Betrieb sich das überhaupt leisten kann.

vko.at

 

Ursprünglich erschienen: ÖGZ, 10.09.2015.

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