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Die Furcht des letzten Angebots

04.09.2015

Buchungen von Online-Angeboten erfordern oft starke Nerven. Das letzte Angebot zu bekommen, fordert schnelle Entscheidungen.

"Nur noch ein Hotelzimmer verfügbar" - wer kennt diese Information bei der Buchung von Online-Angeboten nicht. Dadurch wird auf die Käufer ein starker Druck ausgeübt. Sowohl bei der Reservierung von Reisen oder Hotelzimmern, als auch beim Online-Shopping von Textil-Angeboten wird dieses Mittel zur Anregung zum Kauf eingesetzt. Die Versuchung ist daher groß, schnell zuzuschlagen. 

Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WU sieht solche Aufforderungen, als "einer der ältestesten Marketing-Tricks der Welt. Sobald eine Knappheit sugeriert wird, kaufen die Kunden eher". 

Stichproben des "NDR"-Wirtschafts- und Verbrauchermagazins "Markt" sowie der "NDR Info" zeigen, dass diese Angebote jedoch nicht immer ernst zu nehmen sind. So zeigten sie auf, dass beim Online-Versandhändler Zalando zahlreiche Artikel mit dem Vermerk "3 Artikel verfügbar" noch fünf oder sogar zehnmal vorhanden waren. 

Zalando bestreitet dieses Vorgehen auch nicht. Mit dem Vermerk "3 Artikel verfügbar" wird der Kunde nur darauf hingewiesen, dass es nur mehr eine gering verfügbare Anzahl des jeweiligen Gutes gibt und er somit bei Interesse nicht mehr zu lange warten sollte. 

Der Wettbewerbsverband Deutschland sieht dies jedoch anders und hat Zalando dafür eine Abmahnung geschickt - wegen Irreführung des Verbrauchers. Die Rechtsanwältin Sennur Pekpak erklärt: "Wir denken, dass eine solche Praxis den Verbraucher zu einer vorschnellen Kaufentscheidung veranlassen kann". Zalando hat mittlerweile die Angaben auf "mehr als drei Artikel verfügbar" korrigiert. 

Bei Hotelportalen ist dieses Angebot ähnlich zu verstehen. Hier wird nicht darauf hingewiesen, dass es nur mehr ein verfügbares Zimmer gibt, sondern lediglich, dass das Kontigent dieses Reiseportals fast erschöpft ist. Andere Reiseportals oder das Hotel selbst könnten durchaus noch Zimmer zur Verfügung haben.

Auch der Hinweis, wie viele Personen sich soeben das Hotel ansehen, kann laut dem Marketing-Experten Thorsten Henning-Thurau ignoriert werden. Die Wahrscheinlichkeit sei zu gering, dass andere Nutzer genau zu dieser Zeit dasselbe Zimmer ansehen. Auch hier bestätigt der "NDR"-Test, dass diese Angaben nicht verlässlich sind. 

Laut dem Marketing-Experten sind diese Angaben der Online-Anbieter "kein Ansatz, mit dem man langfristige Geschäftsbeziehungen aufbaut". Das sogenannte Hard-Selling sorge nämlich beim Verbraucher für Stress und negative Emotionen. 

Fassnacht rät den Verbrauchen "cool zu bleiben und sich nicht" von solchen Angeboten "nervös machen zu lassen. Es gibt ja viele Modeanbieter und viele Reiseportale".

 

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