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Corona: Das macht den Börsen Hoffnung

19.03.2020

Die Corona-Pandemie zieht eine Spur der Verwüstung durch die Weltwirtschaft und damit auch die Aktienmärkte. An letzteren keimt jetzt aber wieder etwas Hoffnung auf.

Die Analyse historischer Krisen stimmt Experten zumindest etwas zuversichtlich.
Vor allem diese Grafik macht Mut.

Der Markt hat immer Recht. So lautet eine alte Börsenweisheit, die sich – leider – auch dieser Tage wieder eindrucksvoll bestätigt hat. Die Börsenkurse gingen weltweit bereits zu einem Zeitpunkt auf Talfahrt, als die Bedrohung durch das Coronavirus noch keineswegs dramatisch und dies somit völlig überzogen erschien. Jetzt wissen wir, dass die Kurse nicht umsonst so stark nachgegeben haben und die Börse eben wieder Recht hatte.

Aber wie lassen sich die jüngsten Kursverluste nun historisch einordnen? Auch hier hat der Aktienmarkt längst vorweggenommen, was Sebastian Kurz, Angela Merkel und Co. in ihren jüngsten Ansprachen ausgesprochen haben: Die Krise hat historische Ausmaße. Politiker sprechen von der größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Der Blick auf den Dow Jones bestätigt das geradezu eindrucksvoll: Der Kurseinbruch, den der amerikanischen Leitindex in den zurückliegenden Wochen erlebte, sucht seinesgleichen.

Die Kurseinbrüche, die die Aktienmärkte im Zuge der geplatzten New Economy-Blase nach der Jahrtausendwende erlebten sind ebenso wie jene rund um die Terror-Anschläge von 9/11 2001 im Vergleich zur aktuellen Situation geradezu ein Kindergeburtstag. Ja sogar die historische Finanzkrise mit der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008  erscheint im Chartverlauf weniger dramatisch, wenngleich man fairerweise sagen muss, dass der jüngste Einbruch umso spektakulärer aussieht, als er aufgrund der zuvor erfolgten Kursanstiege von einem höheren Niveau ausging.

Logistiker unter Druck

Innerhalb nur eines Monats hat der Dow Jones nun fast ein Drittel seines Wertes verloren. Einzelne Titel würden sich sogar das noch wünschen: Die Aktie des Boeing-Konzerns liegt seit Jahresbeginn um schier unfassbare 71 Prozent im Minus, beim Ölriesen ExxonMobil sind es rund 53 Prozent. Zu den großen Verlierern zählen leider auch die Logistiker. Der altehrwürdige Dow Jones Transportation Average hat im zurückliegenden Monat 36 Prozent an Wert verloren, einzelne Aktien wie die des Autoverleihers Avis Budget oder jene von United Airlines sogar mehr als 70 Prozent.

Der Straßengüterverkehr hält sich bedeutend besser. Aus gutem Grund: Während der Reiseverkehr komplett zum Erliegen kam, muss die Grundversorgung aufrechterhalten werden. Freilich sind auch Speditionen zyklisch, also abhängig von der Konjunktur. Klassische Speditionen mit einem Fokus auf den Lkw-Verkehr wie C. H. Robinson oder Landstar haben an der Börse auf Sicht von 30 Tagen „nur“ etwas mehr als zehn Prozent an Wert verloren.

Wie immer gibt es aber auch absolute Gewinner: Einige Biotech- und Pharma-Aktien haben beispielsweise gut performt, mitunter sogar zugelegt. Hier wetten Börsianer nicht zuletzt darauf, wer den ersten wirksamen Impfstoff entwickeln wird und damit auch entsprechend viel Geld verdienen könnte. Der im breiter gefassten US-Leitindex S&P 500 gelistete Biotech-Riese Gilead hat an der Börse seit Jahresbeginn Wertsteigerung um rund 35 Prozent erfahren.

Desinfektion und Sexpielzeug

Spektakulär auch die Entwicklung von Clorox: Der Run auf Desinfektionsmittel bescherte dem Haushaltswaren- und Chemieunternehmen eine Sonderkonjunktur. Der Konzern stellt unter anderem Desinfektionstücher her. Gut gehalten hat sich auch Kimberly Clark, ein weltweit führende Hygieneartikelhersteller, der unter anderem auch Toilettenpapier produziert.

Zu den so genannten Krisengewinnlern zählt auch der Streaming-Dienst Netflix. Kein Wunder: Schließlich verbringen Menschen so viel Zeit wie nie in den eigenen vier Wänden. Apropos: In Italien ist Berichten zufolge zuletzt auch der Umsatz von Sexspielzeug – wie passend - in die Höhe geschnallt. Mehr als verdoppelt hat sich indes der Börsenwert des Video-Konferenz-Anbieters Zoom – und zwar innerhalb von nur drei Monaten. Home Office lässt grüßen.

Historische Vergleiche

Wenngleich sich aktuell noch keine Trendwende abzeichnet, so besteht sehr wohl auch für den Gesamtmarkt Hoffnung - und damit für die gesamte Weltwirtschaft. Denn die aktuelle Krise ist keine strukturelle, sondern eine ereignisbezogene. Und solche Krisen sind oft heftig, sie haben sich in der Vergangenheit aber auch durch eine relativ rasche Erholung ausgezeichnet. Tatsächlich folgen auf extrem rasche Kurseinbrüche oft ebenso starke Erholungen.

Zu diesem Ergebnis kommen auch die Investmentexperten von Fidelity International. Kapitalmarktstratege Carsten Roemheld meint, dass Vergleiche mit der Finanzkrise von 2008 nicht zulässig sind und wir stattdessen nicht weniger als 102 Jahre zurückblicken sollten, um Anhaltspunkte für die kommenden Monate abzuleiten. Der Ausbruch des Coronavirus sei wie die Grippepandemie von 1918/19 eine ereignisbezogene Krise. Damals dauerte die Rezession sieben Monate, obwohl der zweiten Infektionswelle im Herbst 1918 mehr Menschen zum Opfer fielen als der ersten. Während der Pandemie in den vom Ersten Weltkrieg geprägten Jahren 1918/19 wurde ein Drittel der Weltbevölkerung infiziert und fünf Prozent starben. Im Epizentrum der Krise steht aktuell die Tourismusbranche und nicht die Bankensektor.

Die Investmentbank Goldman Sachs hat historisch Krisen analysiert und festgestellt, dass sowohl die Dauer der Krise als auch die Zeit bis zur anschließenden Erholung bei Event-getriebenen Krisen mit Abstand am kürzesten ist (siehe Grafik). Während es im Schnitt mehrere Jahre dauert, bis Krisen überwunden sind, geht das bei so genannten „Event Driven“-Krisen oft schon in ein paar Monaten. Letzteres ist freilich im Falle der Corona-Krise unwahrscheinlich, da diese doch eine Rezession auslösen wird. Das war bei den analysierten Event-getriebenen Krisen häufig nicht der Fall. Dennoch: Auch die Goldman-Experten erwartet eine rasche Erholung, sobald das Schlimmste überwunden ist.

Autor/in:
Hans-Jörg Bruckberger
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