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Was Sie über Barrierefreiheit wissen müssen

24.05.2017

Wie spreche ich Gäste mit Handicap an, was kostet Barrierefreiheit, und bringt es auch etwas für die Standardgäste? Die ÖGZ hat bei Expertin Kornelia Grundmann nachgefragt.

 

Zur Person

Kornelia Grundmann
studierte Architektur und ist aufgrund einer MS-Erkrankung selbst seit einigen Jahren auf einen Rollstuhl angewiesen. Sie ist als Beraterin in Hotellerie und Tourismus tätig. Tipps gibt sie in ihrem Buch: „Lust auf Barrierefreiheit – Das Handbuch für Hoteliers, Gastronomen und Touristiker“.

Was bringt Barrierefreiheit?
Kornelia Grundmann: Barrierefreie Angebote sind für Sie und Ihre Gäste viel komfortabler. Sie erschließen sich langfristig Zielgruppen, die vorzugsweise in den Nebensaisonen reisen, länger verweilen und mehr ausgeben als der Durchschnittsgast.

Kann ich die barrierefreien Zimmer auch den „normalen“ Gästen anbieten?
Ein klares Ja! Erfahrungsgemäß werden richtig geplante barrierefreie Zimmer rasch zu den beliebtesten. Gäste mit und ohne Handicap schätzen ihren großzügigen Komfort. 

Wie viel kostet es mehr? 
Das hängt vor allem von den Vorschriften und Standards des jeweiligen Landes ab. Bei nachträglichen Umbaumaßnahmen richten sich die Kosten zudem nach den baulichen Voraussetzungen. Im Neubau sind die Mehrkosten bei richtiger Planung überschaubar. Zum Beispiel bei den Bädern: Hier gehören bodengleiche großzügige Duschen bereits zum Standard. In Italien sind bodengleiche Duschtassen beliebt, in anderen Regionen einheitlich geflieste Duschen. Hinzu kommen der Notruf, zwei Halterungen am WC, ein Duschsitz und möglichst noch eine Schiebetüre. 

Was ist bei der Lage der barrierefreien Zimmer zu beachten? 
Besonders Menschen mit Mobilitätseinschränkung sind auf kurze Wege angewiesen. Optimal – auch aus Sicherheitsgründen – sind Zimmer im Erdgeschoß. Im Notfall können diese Gäste schnell evakuiert werden. Kommt das Erdgeschoß nicht infrage, achten Sie darauf, dass sich die Zimmer in der Nähe des Treppenhauses bzw. des Aufzugs befinden. 

Ist es sinnvoll, auch andere Bereiche eines Hotels – wie Veranstaltungsräume, Weinkeller, Restaurant, Wellnessbereich, ­Außenanlagen – barrierefrei zu gestalten?
Ja, natürlich. Sonst machen andere die Umsätze. Denn Sie verlieren vielleicht umsatzstarke Buchungen von Firmen oder Privatpersonen. Bedenken Sie, dass bereits ein einziger Gast mit Handicap das Buchungsverhalten einer ganzen Gruppe bestimmt, da auch er an allem teilnehmen möchte. Außerdem: Je umfangreicher Ihr barrierefreies Angebot ist, desto länger können Ihnen Ihre wertvollen Stammgäste treu bleiben. Denn diese wollen ihren liebgewordenen Komfort auch im Alter nicht missen. 

Ist nicht die beste Beratung jene von einem Betroffenen? 
Einen Betroffenen ohne Fachkenntnisse zu Rate zu ziehen kann problematisch werden. Barrierefreiheit ist ein komplexes Thema und bedarf tiefgehender Erfahrung und Fachkenntnis. Gut gemeinter, aber leider schlechter Rat kann teuer werden! Eine fachliche Beratung durch einen beeideten Sachverständigen für barrierefreies Bauen mit architektonischem Fachwissen ist eine lohnenswerte Investition, besonders wenn dieser auf die Anforderungen im Tourismus spezialisiert ist. Im Gegensatz zum betroffenen Laien haftet der Sachverständige für seine Aussagen.

Welche Vorteile hat Barrierefreiheit im Restaurant?
Weil Sie ohne schwellenlosen Zugang und ohne barrierefreie Toilette künftig auf Umsätze verzichten werden müssen. Denken Sie nur an Ihre Stammgäste, die älter werden und irgendwann nicht mehr oder nur schwer die Treppen bewältigen können. Für Rollstuhlnutzer und deren Begleitung kommt Ihr Restaurant ohne Barrierefreiheit ohnehin nicht infrage. 

Was ist wichtig im Umgang mit Gästen mit Handicap? 
Haben Sie keine Berührungsängste! Jeder Gast – auch der mit Einschränkung – will als Mensch wahrgenommen werden und freut sich über Wertschätzung und einen respektvollen Umgang. Es braucht kein Mitleid, sondern Feingefühl. Zwar gut gemeinte, aber übertriebene Zuwendung ist nicht angebracht. Menschen mit Handicap artikulieren meistens sehr klar, was sie möchten. Und wer sagt Ihnen, dass Ihr Gast, nur weil er nicht laufen, schlecht hören oder sehen kann, nicht trotzdem Gourmet oder ein Liebhaber edler Tropfen ist? 

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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