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Vortragende beim Smart Innovation Steyr Stammtisch 4.0 am 3. Juni 2019 bei NKE in Steyr: (v.l.) Thomas Witzler, Juraj Mlynsky, Klaus Grissenberger, Walter Ortner (TIC Steyr), Veronika Krempl, David Schaljo, Gabriele Steininger und Paul Voithofer

NKE Austria setzt auf Digitalisierung

10.07.2019

Wie Digitalisierung als Motor für Effizienzsteigerung und Produktentwicklung in einem produzierenden, mittelständischen Unternehmen eingesetzt wird, veranschaulicht die NKE Austria GmbH bei ihrem Stammtisch in Steyr. 

„Wir werden immer genug Arbeit haben, aber was und wie wir arbeiten, wird sich verändern", erklärt NKE-Geschäftsführer Thomas Witzler in seinem Vortrag zur Digitalisierung als Chance im Rahmen des Smart Innovation Steyr Stammtisch. Auf einer kürzlichen Reise holte er sich neue Impulse aus dem Silicon Valley, „um am Puls der Zeit zu bleiben und gemeinsam mit den Mitarbeitern Veränderung zu schaffen." So versorgt er sein Management-Team immer wieder mit Inputs und Leseempfehlungen und stellt sich vor allem zwei Fragen: „Was müsste passieren, dass wir aus dem Geschäfts rausfallen? Und wie können wir Technologie kurzfristig nutzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben?"

Schritt für Schritt Prozesse optimieren

Durch dieses Umdenken konnte NKE Effizienz, Produktivität und Kundennutzen steigern. Eine Einsparung von 700 Arbeitsstunden, umgerechnet 90 Arbeitstagen, spricht für sich. Wurden vor einigen Jahren noch tausende Formulare, Rechnungen und Lieferscheine in Papierform von Hand zu Hand gereicht, bis sie schließlich im Archiv verstaubten, lautet jetzt das Credo „paperless office“. Alle Dokumente werden elektronisch erhalten und gespeichert. „Optimierung wird bei uns schon immer groß geschrieben, aber in den letzten 18 Monaten wurden die Digitalisierungsprojekte intensiviert. Da ist klar der Schwerpunkt auf Effizienzsteigerung gesetzt“, erläutert Veronika Krempl, Leiterin für Informationsmanagement bei NKE. Allein durch das „papierlose Büro“ konnten rund 150 Arbeitsstunden eingespart werden und die Druckkosten um 40.000 Blatt pro Quartal gesenkt werden. Krempl schildert einige Vorteile: „Durch die Digitalisierung der Prozessschritte gibt es keine Doppeleingaben von Eingangsrechnungen mehr. Insgesamt brachte die Digitalisierung nur in diesem Bereich eine Prozesskostenersparnis von mindestens 5.500 Euro pro Jahr.“

Schritt für Schritt werden Prozesse optimiert und digitalisiert. Sobald Krempl jemanden mit einem Blatt Papier sieht, läuten bei ihr schon die Alarmglocken. Sie nimmt sich Zeit für die Kollegen und lässt sich deren Arbeitsschritte genau erklären. Dann wird strukturiert und überlegt, wie die bisherigen manuellen Prozesse digital automatisiert werden können. „Es freut mich, dass viele Ideen von den Mitarbeitern selbst kommen. Dadurch werden die digitalen Veränderungen auch angenommen und gelebt“, so Krempl. Bei der Digitalisierung des Unternehmens arbeitet die IT-Leiterin eng mit den Verantwortlichen der unterschiedlichen Abteilungen zusammen. Dabei werden repetitive Arbeiten ausgelotet, um sie mit digitalen Prozessen zu vereinfachen. Beim Erstellen und Versand von Ausgangsrechnungen brachte beispielsweise die Umstellung auf papierlos eine Ersparnis von rund 380 Arbeitsstunden.

Zentraler Faktor: Kommunikation

Ein wichtiger Faktor für die Digitalisierung eines Unternehmens ist die Kommunikation. So wanderten bei NKE die Ideen aus dem Verkauf in den Einkauf. Juraj Mlynsky, Leiter für Beschaffung bei NKE, erinnert sich noch gut an die komplizierten Prozessschritte, um eine Bestellung abzuschicken. „Statt sechs Arbeitsschritten ist es jetzt nur noch einer: eine Tastenkombination und senden“, begeistert sich Mlynsky. 140 Arbeitsstunden konnten dadurch eingespart und für sinnvollere Arbeit verwendet werden.In Zusammenarbeit mit Gabriele Steininger, Leiterin für Demand Chain Management, wurde der Webshop neu programmiert und dabei auf eine bessere Usability für den Kunden geachtet. Manuelle Eingaben wurden reduziert, die Auftragserfassung vereinfacht und die Verfügbarkeitsprüfung optimiert. „Hier haben wir eine gute Möglichkeit geschaffen, Prozesse zu optimieren. Die gesparte Zeit können wir in unseren Kundenservice investieren und so Kundennutzen generieren. Insbesondere unser Overnight-Service bringt mehr Effizienz und Vorteile für den Kunden“, schließt Steininger.

Digitalisierung in der Produktentwicklung

Die Liste an Praxisbeispielen für die Digitalisierung von Prozessschritten ist lang. Digitalisierung findet bei NKE aber auch in der Produktentwicklung statt. Einen Einblick gibt Klaus Grissenberger, Leiter für Advanced Engineering bei NKE. Er stellt das neue modulare Sensorsystem für Wälzlager, kurz MoSS, vor. Es handelt sich dabei um ein zu 100 Prozent kabelloses Sensorsystem, das Sensorenwerte wie Drehzahl, Temperatur, Belastung, Drehrichtung, Vibration etc. auswertet. „MoSS erlaubt die Vernetzung mit dem klassischen Maschinenbauelement und die Erfassung des Betriebszustands in Echtzeit. Auch Extremereignisse wie starke Temperaturschwankungen werden erfasst. Dies ist bei der Ursachenermittlung im Falle eines Schadens hilfreich“, erläutert Grissenberger.

Und: Kommunikation ist auch in der Produktentwicklung ein Schlüssel zum Erfolg. „Die Entwicklungspartner, Lieferanten und Kunden haben einen anderen Blickwinkel und lassen gute Ideen einfließen“, sagt Grissenberger. Um Digitalisierung bei NKE erfolgreich umzusetzen, werden nicht nur Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern auch von Kunden und Lieferanten eingebunden.

Original erschienen am 10.07.2019: Metall.
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