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Die Rettung der Feuerwehr

16.06.2017

Die RESTAURIERUNG eines historischen Ringelspiel-Feuerwehrautos aus dem Wiener Prater durch engagierte Lehrlinge geriet dank der Bundesinnung der Karosseriebautechniker zum medienwirksamen Coup, der den Beruf des Karosseriebauers und Lackierers ins allerbeste Licht rückt.

Am Sonntag ging ich in den Wurstelprater …“ So begann einer meiner ersten Aufsätze als Volksschulkind in den 1960er-Jahren, und so nahm auch im heurigen April eine ungewöhnliche Geschichte ihren Anfang, die bald immer größere Kreise zog, und in die schließlich ein Schausteller-Ehepaar, der Bundesinnungsmeister der Karosseriebauer und ein weltmarktführender Feuerwehrautohersteller involviert waren.

Aber der Reihe nach: Ich bog also beim Schweizerhaus zweimal nach links ab und stand plötzlich vor einem Ringelspiel, das ich längst vergessen geglaubt hatte. Tatsächlich aber, in einer schmalen Gasse gleich hinter großartigen neuen Hightech-Adrenalinschleudern, dreht sich noch immer polternd und knarrend jene runde Holzplattform, auf der meine Träume vom Fliegen und Fahren ihre erste Erfüllung fanden. Bestückt mit schnittigen Cabrio-Raketen, einem gelben Hubschrauber, knallbunten Rennautos, einer Straßenbahn mit echter Straßenbahnglocke sowie mit einem Feuerwehrauto, das mit Blaulicht, Silberglocke und gleich zwei Lenkrädern ausgestattet ist. Mein Bruder und ich, in Kindertagen immer irgendwie konkurrierend, saßen damals in seltener Eintracht hinter beiden Volants und kamen auch nicht auf die Idee, uns um die Fahrtrichtung zu streiten, da es sowieso immer nur rechts herum im Kreis ging.

„Das ist genau die Geschichte, die junge Leute für unseren Beruf begeistern kann.“ ERIK PAUL PAPINSKI, BUNDESINNUNGSMEISTER

IN DEN BESTEN HÄNDEN

Ich schoss also ein paar Fotos und fragte die Dame im Kassenhäuschen, wie alt denn das Ringelspiel sei. Sichtlich erfreut über mein Interesse, stellte sie sich als Besitzerin Irene Heindl vor und erzählte, dass sie das im Jahr 1950 eröffnete Fahrgeschäft nun gemeinsam mit ihrem Mann Walter in dritter Generation betreibe. Mit dem geringfügigen Umsatz könnten sie allerdings gerade einmal die laufenden Kosten decken, sodass dringend notwenige Restaurierungsarbeiten anstünden. Betrachtet mit dem nüchternen Blick der Gegenwart wurden plötzlich grobe Risse und abblätternde Stellen am roten Lack des einst so schmucken Feuerwehrautos sichtbar. Nun war tatkräftige Hilfe gefragt, und ich versprach, mich nach einem kompetenten Karosseriebetrieb umzusehen. Tags darauf schickte ich Erik Paul Papinski, Bundesinnungsmeister der Karosseriebauer und Lackierer, ein paar Fotos des desolaten Fahrzeugs, erklärte ihm den Ernst der Lage und bat ihn um Unterstützung. Der weitere Fortgang der Geschichte zeigte, dass ich damit an genau die richtigen Adresse geraten war. Schon am nächsten Tag rief mich Papinski an, ich könne Frau Heindl Bescheid geben, ihr Schmuckstück werde in die besten Hände gelegt. Karosseriebauer Christian Huber in Pram in Oberösterreich habe sich bereit erklärt, das historische Ringelspielauto fachkundig zu restaurieren. Der Clou an der Sache: Christian Huber ist Partner des österreichischen Vorzeigeunternehmens Rosenbauer, Weltmarktführer für Feuerlöschfahrzeuge.

DAS GESELLENSTÜCK

Seit über 40 Jahren führt der oberösterreichische Familienbetrieb Huber Spezialaufbauten für Rosenbauer durch. „Wir machen aber auch Lkw-Aufbauten, Reparaturen und Lackierungen für Transportunternehmen“, sagt Christian Huber, seit 22 Jahren Geschäftsführer des Unternehmens. Sein wichtigstes Kapital sind gut ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, denn der Bau von Sonderfahrzeugen, bei denen die meisten Teile in reiner Handarbeit hergestellt werden müssen, ist überaus anspruchsvoll. Huber nimmt daher auch gerne weibliche Lehrlinge auf, die sich durch Engagement, Geschick und Sorgfalt beim Arbeiten auszeichnen. Die Restaurierung des Feuerwehrautos war für ihn ein willkommener Anlass, seinen Lehrlingen eine Aufgabe zu stellen, bei der sie ihr Können unter Beweis stellen konnten. Mit Feuereifer machten sich daraufhin Nadja Harwöck, Magdalena Bichler und Sebastian Reinhart an die Restaurierung, und das Ergebnis kann sich wahrlich sehen lassen. Als das 67 Jahre alte Ringelspiel-Feuerwehrauto schließlich fertig war und im leuchtenden Rosenbauer-Rot erstrahlte, ging es zum Fotoshooting auf das Rollfeld des Flughafen Linz. Dort wurde ihm sein großer Bruder – der Panther – zur Seite gestellt. Christian Huber war begeistert: „Damit haben meine Lehrlinge nicht nur ihr erstes Gesellenstück, sondern ein echtes Meisterstück abgeliefert!“ Christine und Walter Heindl bedankten sich herzlich sowohl beim Bundesinnungsmeister als auch beim Karosseriebaumeister für ihr großes Engagement, brachten das Feuerwehrauto zurück nach Wien und montierten es wieder am Ringelspiel. Erik Paul Papinski, die KFZ Wirtschaft und der STRAGÜ sorgen nun für eine Verbreitung der Geschichte auch über soziale Medien wie Facebook und Instagram. Papinski: „Denn diese Medien werden von den meisten jungen Leuten genutzt, und das ist genau die Geschichte, die sie für unseren Berufszweig begeistern kann.“

„Bei der Restaurierung des Feuerwehrautos konnten meine Lehrlinge ihr Können unter Beweis stellen.“ CHRISTIAN HUBER, KAROSSERIEBAUER

Autor/in:
Peter Seipel
Original erschienen am 16.06.2017: KFZ Wirtschaft.
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