Heimische Retailer expandieren sehr selektiv | Die Wirtschaft Direkt zum Inhalt
Am begehrtesten sind nach wie vor innerstädtische Geschäftslagen gefolgt von Flächen in Einkaufszentren

Heimische Retailer expandieren sehr selektiv

27.02.2017

Der stationäre Einzelhandel kämpft nach wie vor mit stagnierenden Umsätzen: Ein Grund dafür ist, wie schon in den Jahren zuvor, die immer stärker werdende Online-Konkurrenz. Dennoch planen die Einzelhändler weitere Filialeröffnungen. Eine RegioData Research-Befragung ergab, dass sie  allerdings bei der Auswahl von passenden Standorten sehr selektiv vorgehen.

Laut einer aktuellen Befragung von RegioData Research sind derzeit rund 560 filialisierte Einzelhändler und handelsnahe Unternehmen auf der Su-che nach neuen Standorten in Österreich. Die Anzahl der Unternehmen beziehungsweise Vertriebslinien, die in Österreich in diesem Jahr expan-dieren möchten, ist im Vergleich zu 2015 und 2016 sogar leicht gestie-gen. „Angesichts des insgesamt stagnierenden Einzelhandelsumsatzes ist die Zahl jener Unternehmen, die expandieren möchten ausgesprochen hoch“, sagt Wolfgang Richter, Geschäftsführer RegioData Research.

An der Gesamtzahl der Filialfläche im österreichischen Einzelhandel wird sich aber deshalb nichts Gravierendes ändern, denn: Bei einem Großteil der Neueröffnungen findet lediglich ein Austausch von Filialen statt. Die Expansion passiert damit auf bestehender Fläche. Das bedeutet: Verdrängung statt Erweiterung.

Expansion mit Bedacht

Die Expansionsentwicklung folgt dem Trend der letzten Jahre: Die Mehrheit der Retailer will weiter wachsen, geht dabei aber sehr achtsam vor. Im Vordergrund steht nicht mehr das Flächenwachstum um jeden Preis, sondern die Qualität des Standortes. Am begehrtesten sind nach wie vor innerstädtische Geschäftslagen gefolgt von Flächen in Einkaufszentren. Je nach Handelsbranche werden hauptsächlich Verkaufsflächen zwischen 100 m² und 200 m² beziehungsweise zwischen 200 m² bis maximal 500 m² gesucht. Flächen von bis zu 100 m² sind speziell bei filialisierten Dienstleistern oder Online-Händlern gefragt. Letztere beispielsweise suchen Kleinflächen für Pick-Up-Stationen. Ebenso gefragt sind Kleinflächen als temporäre Standorte für Pop-Up-Stores, die mittlerweile kein Ni-schenphänomen mehr sind.

Wenige attraktive Freiflächen

Abgesehen von flauen Einzelhandelsumsätzen bremst auch die geringe Flächenverfügbarkeit große Expansionspläne. Aufgrund der ohnehin großen Verkaufsflächendichte, mangelnder Neu-bauprojekte sowie einiger schwächelnder Einzelhandelsimmobilien sind freie Flächen in attrak-tiven Lagen in Österreich rar. Insbesondere der Shopping Center-Markt ist seit einigen Jahren gesättigt. Im gesamteuropäischen Vergleich zählt Österreich mit einer Verkaufsflächendichte von 1,7 m²/Einwohner bereits zu den europäischen Spitzenreitern. Das bedeutet: In naher Zu-kunft wird der Trend zu weniger Verkaufsflächen weiter anhalten. All dies sind Gründe, warum eine Expansion derzeit weitgehend nur auf bestehender Fläche durch Verdrängung von Mitbewerbern möglich ist. „Der Vorteil ist, das belebt den Markt und es zeigt sich für ein Unternehmen sehr rasch, ob sein Konzept aufgeht oder nicht. Diesbezüglich mussten in den letzten Jahren Unternehmen wie Mexx, Vögele Shoes, Butlers, Zielpunkt, Zero, Baumax etc. eine schmerzliche Erfahrung machen“, so RegioData Geschäftsführer Wolfgang Richter.

LEH hat weiter Expansionspläne

Eine immer wichtigere Rolle im Einzelhandel nimmt die Systemgastronomie ein. Die Gastrono-mieflächen in Shopping Centern und Einkaufsstraßen sind in den letzten Jahren deutlich gestie-gen. Zum einen erhöhen gastronomische Angebote die Verweildauer der Kunden zum anderen wird der Außer-Haus-Konsum immer beliebter. Obwohl die Ausgaben für Lebensmittel in Österreich stagnieren, hegt auch der Lebensmittelhandel nach wie vor Expansionpläne. Sowohl Diskonter als auch klassische Einzelhändler sind auf der Suche nach Standorten und halten unabhängig von ihrer Ausrichtung Ausschau nach Flächen in allen Lagen. Der Fokus liegt dabei klar auf frequenzstarken Orten statt, wie noch vor einigen Jahren, auf der grünen Wiese.

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
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