Grow East Congress: Aus Erfahrungen gelernt | Die Wirtschaft Direkt zum Inhalt
Podiumsdiskussion am Grow East Congress, v.l: Erhard Busek, Martina Steinberger (Henkel), Martin Ehl ( Journalist), Manfred Berger (Grow East Congress Initiator), Günther Tengel (Amrop Jenewein), Arnold Schuh (WU Wien).

Grow East Congress: Aus Erfahrungen gelernt

10.04.2017

Wo gibt es denn heute noch Wirtschaftswachstum? Diese Frage stellte sich Manfred Berger, Gründer und Veranstalter des Kongresses „Grow East“. Wie wichtig das Thema in Wahrheit für die Unternehmen ist, zeigte nicht nur die prominente Location im 12. Stock der Wirtschaftskammer in Wien, sondern auch die hohe Qualität der Referenten.

Goldgräberstimmung gab es in den 90er Jahren, als sich der sogenannte „Eiserne Vorhang“ hob und die Bühne für die Geschäfte im Osten freigab. Dann folgte 2008 und nichts war mehr wie früher. Die Finanzkrise zwang viele Unternehmen weltweit in die Knie, schuf aber auch gleichzeitig eine höhere Qualität bei den ab diesem Zeitpunkt startenden Beziehungen – was auch den ehemaligen Osten betraf.

Zum achten Mal in Folge setzt sich Manfred Berger, Gründer von Neusicht Think Tank mit dem Thema „Wirtschaftliche Beziehungen im Osten“ intensiv auseinander und lässt daran teilhaben. Auf dem „Grow east Congress“, der am 4. April in Wien statfand, konnte man Erfahrungen der Referenten nutzen, um selbst Fehler zu vermeiden und gute Kontakte zu pflegen. Denn eines ist sicher: War der Wissensaustausch früher einseitig von West nach Ost, so ist das heute eine beidseitig bespielte Wiese. Es geht dazu nicht mehr nur um Produktion alleine, sondern auch um die Entwicklung von Innovationen.

Erhard Busek, Vorstandsvorsitzender des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa, ist ein Pionier, wenn man an die Beziehungen mit Osteuropa denkt. Auch er ist der Meinung, dass Wirtschaft sehr wohl dabei helfen kann, politische Differenzen beizulegen. „Wir sind noch immer in einem Lernprozess“, so Busek. „Die EU macht bevölkerungsmäßig sieben Prozent der ganzen Welt aus, allerdings 22 Prozent der wirtschaftlichen Macht. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ist die EU nur mehr ein Teil von Europa, das darf man nicht vergessen“. Und somit entstehen auch mehr Chancen auf wirtschaftliche Verbindungen innerhalb des Kontinents. Viele sehen auch in der Politik des US-Präsidenten Trump eine erneute Chance selbstbewusster aufzutreten. „Trump verhilft uns ungewollt unabhängiger zu sein und Putin gibt uns die Möglichkeit als Europa endlich eine eigene Strategie festzulegen“, skizziert Busek.

Alle Referenten des Kongresses, allen voran Günther Tengel von Amrop Jenewein, setzen eine wichtige Botschaft: wenn wir nicht aufpassen, werden uns bald die Jugendlichen aus den ehemaligen Oststaaten in der Bildung und Ausbildung überholen. Dabei sei erwähnt: schon jetzt und nicht erst in der Zukunft stehen wir in einem globalen Wettbewerb, nicht nur in einem lokalen. Die Welt steht dem gut ausgebildeten jungen Menschen offen.

Martina Steinberger, Vize-Präsidentin von Henkel CEE, umfasst die Strategie des internationalen Unternehmens: „ Die neuen Märkte müssen mit einer eigenen Strategie entwickelt werden. Wir sprechen von einem 500 Mio. Konsumenten-Markt mit 10.000 Angestellten. Zu all diesen Menschen und Ländern stehen wir, das wurde auch damit bewiesen, dass Henkel keinen einzigen Standort während der Krise in Osteuropa geschlossen hat.“ Von großer Bedeutung für Zukunftsmärkte ist die Verknüpfung von globalen Marken mit lokalen Marken und Produkten. Marktforschung ist in diesem Zusammenhang unerlässlich, auch um die Märkte besser kennenzulernen und somit die Umsätze erhöhen zu können. „Die wichtigsten Faktoren für einen erfolgreichen Verlauf der Geschäfte in Osteuropa für Henkel sind die Penetration der Produkte zu erhöhen, Innovationen zu fördern, Personal ausgezeichnet auszubilden und das Bruttoinlandsprodukt eines Landes und somit seine Entwicklung genau zu beobachten“, so Steinberger.

Arnold Schuh, Professor an der WU Wien und zuständig für das Competence Center for Emerging Markets & CEE, stimmt diesen Richtungen zu und fügt dazu: „ Wir werden in Zukunft noch mehr an Wissen, Erfahrung und Innovation aus diesen Ländern erwarten können, deshalb ist es so wichtig auch weiterhin in Ausbildung zu investieren und sich über diese Märkte zu informieren“.

Autor/in:
Gabriele Jiresch
Original erschienen am 10.04.2017: Handelszeitung.
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