Direkt zum Inhalt

Corona-Resümee des Instituts für Absatz, Verkauf und Marketing

04.06.2020

Dr. Ernst Gittenberger und Univ.Prof. Dr. Christoph Teller vom Institut für Handel, Absatz und Marketing der JKU Linz ziehen nach 7 veröffentlichten Artikeln zum „Einkaufsverhalten in Zeiten des Coronavirus“ ein erstes Resümee zum Lockdown im österreichischen Einzelhandel. Covid-19 und die damit einhergehenden Geschäftsschließungen verursachen Umsatzverluste in Höhe von € 1,6 Mrd. (brutto).

Während der systemrelevante Food-Bereich März/April Zuwächse in Summe von +€ 600 Mio. erwirtschaften kann, verlieren die Non-Food-Branchen im Lockdown im Vergleich zum Vorjahr Umsätze in Höhe von -€ 2,2 Mrd. Um die Corona-bedingten Umsatzverluste im Non-Food-Einzelhandel im Laufe des heurigen Jahres aufzuholen, müssten die Umsätze in den verbleibenden Monaten jeweils um +€ 250 Mio. höher als 2019 ausfallen – was eingedenk der verhaltenen Konsumstimmung und dem (vorläufigen) Ausbleiben von Tourist*innen nicht wahrscheinlich ist.

Non-Food-Einzelhandel verliert im Lockdown € 2,2 Mrd.

Die Analysen auf Basis von Statistik-Austria-Konjunkturdaten1 zeigen für den österreichischen Einzelhandel einen passablen Start ins Jahr 2020. Ausgehend vom hohen Umsatzniveau 2019 (rd. € 77 Mrd., brutto, exkl. Tankstellen) können im Jänner verhaltene Zuwächse erzielt werden. Im Februar übertreffen die Einzelhandelsumsätze sowohl im Food- als auch im Non-Food-Bereich das Vorjahresniveau deutlich (+€ 290 Mio. bzw. +€ 190 Mio.).
Und dann ist Covid-19 über Österreich hereingebrochen. 22.400 Einzelhandelsgeschäfte mit einer Gesamtverkaufsfläche von 9,3 Mio. m² schließen ab 16. März.2 Der Non-Food-Handel fährt im März Umsatzverluste in Höhe von -€ 960 Mio. (brutto) ein.
Die systemrelevanten Food-Branchen erzielen hingegen Umsatzsteigerungen in Summe von +€ 330 Mio. Im April normalisieren sich die „Hamsterkäufe“ wieder und der Umsatzzuwachs (im Vergleich zum Vorjahr) bewegt sich mit +€ 280 Mio. sogar knapp unter dem Anstieg von Februar.
Nach Ostern dürfen rd. 14.300 Einzelhandelsgeschäfte unter 400 m² Verkaufsfläche und Baumärkte wieder öffnen. Auf diese entfällt eine Gesamtverkaufsfläche von 3,3 Mio.m². 8.100 Geschäfte mit einer Fläche von knapp 6,1 Mio. m² müssen jedoch weiterhin geschlossen bleiben.3 Die Kauflaune bleibt – bis auf einzelne Anstürme auf Baumärkte – getrübt. Die Non-Food-Branchen müssen im April Umsatzrückgänge in Summe von knapp -€ 1,3 Mrd. hinnehmen.
Zwar dämpfen die Food-Branchen die Umsatzverluste in der Lockdown-Phase, der gesamte Einzelhandel verliert jedoch März/April in Summe -€ 1,6 Mrd. Aufzuholen ist dies im Hinblick auf die nach wie vor verhaltene Konsumstimmung kaum.

+€ 250 Mio./Monat, um Jahresergebnis 2019 zu erreichen

Die gute Konjunkturentwicklung im Jänner und vor allem im Februar dämpft die Lockdown-bedingten Umsatzverluste zwar ein wenig, das Jahr 2020 positiv abzuschließen, wird jedoch vielen Händlern nicht gelingen. Um das hohe Vorjahresniveau auch heuer wieder erreichen zu können, müssten die Umsätze im Non-Food-Einzelhandel in den verbleibenden Monaten jeweils um +€ 250 Mio. (brutto) steigen. „Um im Non-Food-Handel 2020 das Vorjahresniveau erreichen zu können, bräuchte es eine massiv steigende Ausgabenbereitschaft der Konsument*innen. Diese ist jedoch auch nach Öffnung aller Einzelhandelsgeschäfte nicht absehbar“ kommentiert Dr. Ernst Gittenberger, Leiter des Centre of Retail and Consumer Research die aktuellen Analyseergebnisse.

Der Großteil der österreichischen Konsument*innen wird seine Ausgaben beim Einkauf im (stationären) Einzelhandel langfristig nicht erhöhen und somit keine oder nur geringe Nachhol-Käufe tätigen.4 Zudem bleiben Tourist*innen (zumindest vorerst) aus. Für den gesamten Einzelhandel (Food & Non-Food) wären im laufenden Jahr rein rechnerisch monatlich +€ 130 Mio. aufzuholen, um ein Umsatzergebnis 2020 auf Vorjahresniveau erzielen zu können.

Der Schaden ist angerichtet

„The damage is done“ und mit der Krise im Kopf bleibt der Euro in der Brieftasche stecken“ ergänzt Univ.Prof. Dr. Christoph Teller, Institutsvorstand Institut für Handel, Absatz und Marketing der JKU Linz. Dadurch stehen viele Händler leider wehrlos mit dem Rücken zur Wand. Es bleibt für den Handel und die gesamte Wirtschaft zu hoffen, dass sich die trübe Konsum- und Kaufstimmung aufheitert. Denn: „In der Krise entscheiden die Konsument*innen, wann es nach der Krise sein wird“.

 

  1. Quelle: Statistik Austria: Konjunkturstatistik Handel, 2020 (vorläufige Daten für April 2020)
  2. Quelle: JKU Institut für Handel, Absatz und Marketing: Pressereport: Frühlingserwachen im Einzelhandel (in Kooperation mit Standort+Markt), 10.04.2020
  3. Quelle: JKU Institut für Handel, Absatz und Marketing: Pressereport: Frühlingserwachen im Einzelhandel (in Kooperation mit Standort+Markt), 10.04.2020
  4. Quelle: JKU Institut für Handel, Absatz und Marketing: Einkaufsverhalten in Zeiten des Coronavirus – Teil 4: Veränderungen in der Zeit danach, 09.04.2020
Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
Original erschienen am 04.06.2020: Handelszeitung.
Werbung

Weiterführende Themen

"Die Welt ist am Scheidepunkt angelangt", meint Hartwig Kirner von Fairtrade.
Meinungen
03.04.2020

In Krisenzeiten wie diesen zeigt sich, laut Fairtrade-Geschäftsführer Hartwig Kirner, was wirklich wichtig ist: Ein Gesundheitssystem, das stark genug ist, ...

Thema
25.03.2020

Die Modebranche gehört zu den großen Verlierern des bald weltweiten Shutdowns - die Geschäfte sind geschlossen, die vollen Lager bleiben voll. Eine Modeproduktion ist auf absehbare Zeit sinnlos. ...

Handel
25.03.2020

45 externe Berater aus ganz Österreich (vom Psychotherapeuten bis zum Sozialberater) stehen den dm Mitarbeitern ab sofort auch via Telefon, Skype, WhatsApp und Co. für kostenlose persönliche ...

Werbung