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Das erste Fleischsymposium der AMA: Plattform für neutrale Diskussionen und Informationen

AMA: Über die Zukunft des Fleischessens

06.06.2019

Bevölkerungsexplosion, Klimawandel, Verknappung der Ressourcen: Unsere Ernährungsgewohnheiten stehen auf dem Prüfstand. Das trifft besonders für den Umgang mit Fleisch zu. Experten aus Wissenschaft und Forschung stellten beim ersten AMA-Fleischsymposium in Wien unterschiedliche Ansätze für die Zukunft des Fleisches und dessen Alternativen vor.

Gleich vorweg: Fleisch erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Trotz einer stärkeren Thematisierung von Bevölkerungsexplosion, Klimawandel und Verknappung der Ressourcen haben sich die Ernährungsgewohnheiten in Österreich kaum geändert. Die Ergebnisse der AMA Marktforschung zeigen, dass es in den letzten sieben Jahren (2012 bis 2018) nur geringfügige Veränderungen gegeben hat. Mehr als drei Viertel der Befragten (78 Prozent) stufen sich bei der Umfrage als Fleischesser ein. Zum Vergleich: 2012 waren es 81 Prozent. Als Flexitarier, also gelegentliche Fleischesser, sehen sich derzeit 16 Prozent der Befragten – ein identer Wert mit dem Ergebnis des Jahres 2012. Eine kleine Veränderung gegenüber 2012 gibt es hingegen bei den Vegetariern, da stieg der Anteil von 3% auf 4%. Dazu gekommen sind im Laufe der Jahre noch die Veganer, die bei der letzten Umfrage bei 2% liegen.

Mehr Fleischalternativen als Fleisch

Präsentiert wurden die Ergebnisse anlässlich des ersten AMA-Fleischsymposiums in Wien, wo Experten aus Wirtschaft und Forschung die Zukunft des Fleisch-Essens aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchteten. Es ging dabei um die Frage: Wie ernährt man im Jahr 2050 zehn Milliarden Menschen beziehungsweise wie versorgt man alle mit ausreichend Proteinen? Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney geht davon aus, dass 2040 schon bis zu 60 Prozent der Fleischprodukte keinen tierischen Ursprung mehr haben werden.

Um ökologische Auswirkungen und tierethischen Fragen ging es beim Vortrag von Christian Dürnberger, tätig bei der Vetmeduni Vienna und dem Messerli Forschungsinstitut. Bei beiden Aspekten sieht er eine gesellschaftliche Dynamik. Einerseits sind es mittlerweile handfeste ökonomische Eigeninteressen, um sich für Umwelt- und Klimaschutz einzusetzen. Dazu kommt, dass der klassische Gedanke des Tierschutzes auf mehr Tierwohl ausgeweitet wird. Die Gesellschaft sieht Dürnberger in einer Art „Obelix-Situation“: Obelix liebt seinen Hund Idefix, gleichzeitig liebt er es Wildschweine zu jagen und zu essen. Kurz gesagt: Es geht um die unterschiedliche Behandlung von Tieren und darum, ob das moralisch gerechtfertigt ist. Nicht berücksichtigt wurde dabei von Dürnberger, dass die Domestizierung von Tieren vor rund 10.000 Jahren begann, sprich die unterschiedliche Betrachtung und Behandlung von Tieren eine sehr lange Historie in der Menschheitsgeschichte hat. Unabhängig davon erwartet Dürnberger, dass es in naher Zukunft zu einer weiteren Ausdifferenzierung der Konsumenten kommt. Gemeint ist damit die stärkere Sichtbarkeit unterschiedlicher Wertüberzeugungen, wie Gruppen, die viel Fleisch essen zu jenen, die weitgehend auf Fleisch verzichten und jenen, die Tierhaltung grundsätzlich ablehnen.

Proteinanbieter statt Geflügelproduzent

Bei Markus Keitzer, Vorstand der PHW-Gruppe, einer der größten Geflügelproduzenten Europas, standen die alternativen Proteine im Mittelpunkt. In der Zukunft wird es nicht möglich sein den Proteinbedarf mittels Fleisch zu decken. PHW sieht das als riesige Herausforderung und auch als Chance. Die Unternehmensgruppe hat daher schon damit begonnen sich vom Geflügelproduzenten zum Proteinanbieter zu wandeln, mit den dazugehörenden Partnerschaften. Dazu gehört die strategische Zusammenarbeit mit dem israelischen Start-up SuperMeat, den amerikanischen Unternehmen Beyond Meat und Good Catch Foods sowie der kanadischen Firma Enterra Feed Corporation. Die Gemeinsamkeit all dieser Firmen: alternative Proteinquellen. Die wichtigste Zielgruppe für Keitzer sind die Flexitarier. Schon jetzt sind in den USA 99% der Konsumenten, die sich einen Veggie-Burger kaufen keine Vegetarier.

Ernährungsveränderung durch Flexitarier

Nichtsdestotrotz ist in Österreich die Käuferreichweite von Fleisch und Geflügel innerhalb der letzten 15 Jahre nahezu unverändert. Leicht abgetauscht wird zwischen den Fleischarten. Rind- und Kalbfleisch sowie Hühnerfleisch haben in der langfristigen Entwicklung zugelegt. Das vor zehn Jahren noch dominierende Schweinefleisch büßte anteilsmäßig etwas an Bedeutung ein. Für Michael Blass, Geschäftsführer der AMA-Marketing, ist es erfreulich, dass „das Premiumangebot und wertvolle Fleischteile zugelegt haben“. Auch Blass sieht den wesentlichen Faktor der Ernährungsveränderung bei den Flexitariern. Wichtiger Faktor ist auch das immer größere Interesse der Bevölkerung an der Haltung der Tiere. Die aktuelle Motivanalyse der AMA zeigt, dass die Hälfte der Befragten beim Fleischeinkauf auf besondere Angaben zum Wohl der Tiere achten, Frauen stärker als Männer.

Autor/in:
Alice Rienesl
Original erschienen am 06.06.2019: Handelszeitung.
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