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Patricia Mathei Service, Gasthaus Stern, Feldkirch. Aus Vorarlberg.

Vorarlberg geht voran

02.05.2019

Aktiv gegen Mitarbeitermangel: Die Sparte Tourismus- und Freizeitwirtschaft im Ländle bastelt an einer Vermittlungsplattform und hat ein wirklich entzückendes Buch über Mitarbeiter im Tourismus herausgegeben.

 

Es ist ein Stehsatz: Wir sind ein People’s Business. Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt. Und der Mitarbeiter ist die Visitenkarte jedes Betriebs. Ja, eh. Aber werden die Mitarbeiter auch immer so behandelt? Werden sie wertgeschätzt? Und das hat nicht immer (aber auch) mit der Bezahlung zu tun. 

Aus der Sicht der Mitarbeiter

Die Sparte Tourismus- und Freizeitwirtschaft der Wirtschaftskammer Vorarlberg hat die Reisejournalistin Katharina Maria Zimmermann beauftragt, einen Reiseführer aus Sicht der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Hotellerie und Gastronomie zu schreiben. Sie lässt sie – vom bosnischen Restaurantleiter bis zum kroatischen Zimmermädchen, vom einheimischen Haustechniker bis zur jungen Kellnerin aus Deutschland – ihre eigene Geschichte erzählen. Warum sie im Tourismus arbeiten, wie es ihnen dabei geht und was sie nach Vorarlberg verschlagen hat. Oder warum sie so gerne in ihrer Heimat Vorarlberg leben und arbeiten – oder zurückgekommen sind. Dabei lernt man auch eine Menge über ihre Arbeitgeber, wie sie mit ihnen umgehen. 

Natürlich ist das Ganze auch ein bisschen eine Werbebroschüre für unsere Branche. Aber eine sehr glaubwürdige, authentische, die Mut macht. Es gibt immer noch viele Menschen, die wirklich gerne im Tourismus arbeiten. Hier erklären sie, warum. Das sind mehr als Lippenbekenntnisse und Werbeclaims. Deswegen stellen wir auf zwei Seiten einige von ihnen vor.

Tourismusjobs.at

Eine ganz praktische Hilfe soll die Vermittlungsplattform „Tourismus Jobs“ werden, die auch europaweit funktionieren soll. Auch hier werden emotionale Geschichten erzählt.
Buchbestellung: tourismus@wkv.at
Wir stellen einige Persönlichkeiten aus Vorarlbergs Gastronomie vor, die Katharina Maria Zimmerman für ihr Buch „A Great Place to Work“ getroffen hat: Ihre Eindrücke, ihre Motivation, aber auch kritische Anmerkungen zu ihren Jobs. 

Patricia Mathei Service, Gasthaus Stern, Feldkirch. Aus Vorarlberg.

„Ich will auf keinen Fall im Büro sitzen und in ­einen Computer hineinschauen. Ich brauche den Zuspruch und das Feedback einfach.“
„Ich versuche auch immer die Leute einzuschätzen, was sie gerne möchten und wie ich ihnen ­etwas Gutes tun kann.“
„Dann finde ich super, wie gut ich mich mit meinem Chef verstehe. Das ist ein absoluter Traum.“

Patricia Mathei Service, Gasthaus Stern, Feldkirch. Aus Vorarlberg., by a.gruebling
Laszlo Nemeth Koch, Suitehotel Kleinwalsertal, Hirschegg. Aus Ungarn.

„Die Möglichkeiten hier in Österreich sind einfach viel besser, und man verdient viel mehr. Jetzt werde ich eine Kochlehre machen, damit ich mich weiterentwickle.“
„Mittlerweile will ich bei Saisonende nicht einmal mehr nach Hause fahren.“
„Ab und zu träume ich sogar auf Deutsch. Aber nicht im Vorarlberger Dialekt.“

Laszlo Nemeth Koch, Suitehotel Kleinwalsertal, Hirschegg. Aus Ungarn., by a.gruebling

 

Julie Berg Service, Suitehotel Kleinwalsertal, Hirschegg. Aus Deutschland.

„Eine Ausbildung oder eine Stelle bekommt man hier sehr schnell, denn Mitarbeiter werden ­gesucht.“
„Am Anfang habe ich die Familie und meine Freunde sehr vermisst.“
„Wir leben im Hier und Jetzt, somit denkt man dann nicht mehr so oft an zu Hause.“

Julie Berg Service, Suitehotel Kleinwalsertal, Hirschegg. Aus Deutschland., by a.gruebling
Dejan Brnadic Kellner, Schlosshotel Dörflinger, ­Bludenz. Aus Kroatien.

„Ich habe 100 Lebensläufe ­geschickt und keine Antwort ­zurückbekommen.“
„Mir liegt Österreich einfach. Ich fühle mich hier wohl. Ich glaube, das liegt an den Menschen.“
„Am ersten Tag wurde ich persönlich am Bahnhof abgeholt und mein ­Essen hat schon gewartet – es gab Wiener Schnitzel mit ­Pommes.“

Dejan Brnadic Kellner, Schlosshotel Dörflinger, ­Bludenz. Aus Kroatien., by a.gruebling
Omer Begović Restaurantleiter, Palast Gastronomie, ­Hohenems. Aus Bosnien.

„Ich war eigentlich Flüchtling.“
„In all den Jahren bin ich niemals schief angesehen worden wegen ­meiner Herkunft. Ich fühle mich sicher und gut aufgenommen.“
„Ich brauche Menschen. Dieses ­Restaurant ist meine Bühne.“

Omer Begović Restaurantleiter, Palast Gastronomie, ­Hohenems. Aus Bosnien., by a.gruebling
Leonie Keßler Gascht-Schülerin, Praktikantin, Traube Braz. Aus Vorarlberg.

„Einen Bürojob wollte ich auf keinen Fall haben. Ich will in die Küche.“
„Die Gascht passt perfekt zu mir. Ein Monat unterm Jahr ist Praktikum und im Winter zwei Monate, dieser Mix gefällt mir gut.“
„Ich verstehe mich gut mit allen im Service und in der Küche.“

Leonie Keßler Gascht-Schülerin, Praktikantin, Traube Braz. Aus Vorarlberg., by a.gruebling
Mohammad Abbassi Kochlehrling, Gasthaus Mohren, Rankweil. Aus Afghanistan.

„Ich wollte Politik studieren, nun arbeite ich in der ­Küche. Jetzt muss ich mir ein neues Leben aufbauen.“
„Das mit der Sprache war zuerst schon schwierig, Aber ich spreche ja schon Englisch, Hindi, Farsi, Pashto, Urdu und ein wenig ­Französisch.“ 
„Mein Bruder und ich träumen davon, eines Tages ein ­Restaurant mit unserer traditionellen Küche zu eröffnen.“

Mohammad Abbassi Kochlehrling, Gasthaus Mohren, Rankweil. Aus Afghanistan., by a.gruebling

Hier stellen wir Mitarbeiter aus der Vorarlberger Hotellerie vor, die in dem Porträtband von Katharina Maria Zimmerman Einblick in ihre Jobs, Motivation und Arbeitsplätze geben. 

Anna Gernbacher Rezeption, Hotel Mohnenfluh, Oberlech. Aus Deutschland.

„Wir bekommen auf alles ­Vergünstigungen – Bergbahnen, Lebensmittel, ­Beautybehandlungen.“
„Die holländische Königsfamilie kommt gerne auf unsere Terrasse. Die haben wir zehn Tage hintereinander zum Mittagessen. Die sind total freundlich und ganz bodenständig.“
„Der Dialekt war schon schwierig. Und natürlich der wenige Schlaf.“

Anna Gernbacher Rezeption, Hotel Mohnenfluh, Oberlech. Aus Deutschland., by a.gruebling

 

Anna Huber Rezeptionistin, Hotel Krone, Hittisau. Aus Wien.

„Ein Jahr war ich Management-Trainee in New York bei Klaus Gutenbrunner in seinem Café ­Sabarsky, in der Blauen Gans und im Wallsé.“
„Ich habe Innovation und Management im Tourismus mit Schwerpunkt Destinationsmanagement studiert.“
„Als Rezeptionistin verkaufe ich zwar keine ganze Destination, aber ich helfe dabei, ein Hotel zu verkaufen.“

Anna Huber Rezeptionistin, Hotel Krone, Hittisau. Aus Wien., by a.gruebling
Tina Macherhammer Rezeptionistin, Hotel Gotthard, Lech. Aus Oberösterreich.

„Wenn meine Mama kommen möchte, bekommt sie ein Zimmer, und meine Chefs schauen drauf, dass ich möglichst viel frei habe, um mit ihr Zeit zu verbringen.“
„Im Winter ist es wirklich stressig, 
das muss man auch mögen.“
„Ich kann mich erinnern, dass ich im Service und beim Aufdecken Rotz und Wasser geweint habe, wenn ich mich unbeobachtet gefühlt habe, weil ich wusste, die ganze Familie sitzt daheim und ich bin weit weg.“

Tina Macherhammer Rezeptionistin, Hotel Gotthard, Lech. Aus Oberösterreich., by a.gruebling
Daniel Bartel F&B-Manager, Hotel Pfefferkorn’s, Lech. Aus Deutschland.

„Ich kann leben, ohne mein Geld anzurühren.“
„Das ist das Schöne an der Gastronomie: Man kennt immer irgendwo jemanden.“
„Die Kehrseite der Medaille ist, dass ich sämtliche Feiertage wie Weihnachten oder Silvester seit meinem 16. Geburtstag nicht mehr mitbekommen habe.“

Daniel Bartel F&B-Manager, Hotel Pfefferkorn’s, Lech. Aus Deutschland., by a.gruebling
Dragica Safradin Zimmermädchen, Hotel Zimba, Schruns. Aus Kroatien.

„1990 bin ich als Babysitterin zu einer Bekannten nach Bludenz gegangen. Als ich wieder zurück wollte, hat es zu Hause schon nach Krieg gerochen.“
„Ich hab alles gemacht. Ich arbeite gern, egal, was es ist.“
„Ich bin durch Zufall gekommen und dann geblieben. Ich arbeite und bekomme mein Geld rechtzeitig. Ich kann mir alles leisten: Auto, Handy, Wohnung. Wenn ich auch zu Hause geblieben wäre, wären wir alle verhungert. So kann ich meine Familie unterstützen.“

Dragica Safradin Zimmermädchen, Hotel Zimba, Schruns. Aus Kroatien., by a.gruebling
Sascha Tschaburn Technischer Leiter, Hotel Löwen, Montafon, Schruns. Aus Vorarlberg.

„Hier gibt es flache Hierarchien und die Möglichkeit in eines der anderen Liebherr-Häuser zu gehen.“ 
(Das Hotel Löwen gehört mit weiteren fünf Hotels in ­Europa zum Liebherr-Konzern, Anm.)
„Höchste Konzentration heißt es, wenn sich Fußballklubs ansagen. Dann ist das Haus komplett ausreserviert und allerlei Extras sind zu erledigen, einmal haben wir ein Fitnessstudio mit 117 Geräten angeliefert bekommen.“
„Weiterbildung wird auch gern gesehen und gefördert.“

Sascha Tschaburn Technischer Leiter, Hotel Löwen, Montafon, Schruns. Aus Vorarlberg., by a.gruebling
Autor/in:
Redaktion.OEGZ
Original erschienen am 02.05.2019: Gast.
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