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Expertise: Die Krise als Chance für einen besseren Tourismus

16.04.2020

Tourismusberater Christoph D. Albrecht macht sich Gedanken über die aktuelle Krise hinaus:Nach der Sicherstellung des wirtschaftlichen Überlebens wird nes auch  um Grundsätzliches gehen müssen.

Der Experte

Christoph D. Albrecht, MBA, CMC

AC.Consulting

Geschäftsführer - zertifizierter Managementberater und systemischer Coach

 

 

Was können Hotel- und Gastronomiebetriebe nun tun?

Liquidität unbedingt sichern. Kosten sinnvoll reduzieren. Förderungen und Zuschüsse sinnvoll ausnutzen.

Berechnen, ob und wann Aufsperren mit halbleerem Haus profitabel ist.

Unbedingt mit den Gästen in Kontakt bleiben – Vertrauen schaffen.

Auf keinen Fall dem Preisdumping verfallen – über den (Mehr-)Wert, Zusatzleistung, Upgrades und Vertrauen verkaufen.

Aktiv „Hygiene“-Maßnahmen für Gäste erarbeiten und kommunizieren – Vertrauen schaffen.

Maßnahmen und Serviceleistungen zum sinnvollen „guests-distancing“ erarbeiten und mit den  MitarbeiterInnen trainieren.

Kurzfristig neue Vermietungsgäste ansprechen, z.B. Räumlichkeiten zum Arbeiten an Selbstständige, Menschen im home-office etc. vermieten – mit und ohne Verpflegung.

Neue Services überlegen, wie privat cooking auf Distanz mit Abhol- und Lieferservice.

Spezielle Kurzurlaubspackages anbieten.

und zu guter Letzt, die Gelegenheit am Schopf packen, das eigene Geschäftsmodell als GANZES in Hinblick „Zukunft“ und „Ertragsfähigkeit“ kritisch hinterfragen und schärfen.

Die gute Nachricht

Aus meiner Sicht wird Urlauben in den Alpen weiterhin höchste Begehrlichkeit bei den Gästen haben, da das Reisen ein zu intensives Verlangen bei den Menschen auslöst und das Produkt „Alpenurlaub“, Sommer wie Winter, zu attraktiv und alternativlos ist. Das Image von Österreich als Urlaubsdestination wird ungebrochen positiv sein. Auch wenn Tirol derzeit in Kritik im Zusammenhang mit dem Corona-Virus steht, wird das positive Image als TOP Urlaubsdestination langfristig aufrecht bleiben.

Das Virus hat uns auf den Boden der Realität gebracht und zwingt uns sprichwörtlich uns neu zu „erden“.  Es hat uns schlagartig und auf heftigste Weise wieder in Erinnerung gerufen, was tatsächlich wichtig ist im Leben.

Familie
Gesundheit
Heimat
Zusammenhalt
Achtsamkeit
Moral & Ethik

 

Diese Werte werden uns nicht nur im Leben nach Corona, sondern auch im Tourismus, in der Hotellerie und Gastronomie noch deutlicher begegnen. Ob wir wollen oder nicht, viele Millionen Menschen werden sich mit moralischen Fragen beschäftigen und werden diese Werte aufgrund des Corona-Virus neu erfahren - und diese Erfahrung sitzt sehr tief.

Deshalb bin ich auch fest davon überzeugt, dass die beiden bereits existierenden Wertefelder „Native-ECO“ und „Inspiration/Achtsamkeit“, die ich in meinem Buch „Tourismus 2025 – Fit für die Zukunft?“ beschrieben habe, noch mehr Relevanz für die Gäste beim Urlauben haben werden. Das bedeutet, die bewusste „Diät“ vom Alltagstress, die Flucht aus dem „Dauerrausch“ von Einflüssen, die Suche nach erlebnisorientierter Inspiration zur aktiven Entschleunigung sowie der Sinn für Regionalität und umwelt- und klimaschonendes Urlauben werden zunehmen. Dafür liefern die Alpen grundsätzlich die besten Möglichkeiten.

Neue Chancen für Tourismus/Hotellerie/Gastronomie

In meinen Gedankenreisen rund um den „Tourismus mit und nach Corona“ bin ich sehr schnell abgebogen in die Fragen der Sinnhaftigkeit. Weshalb gibt es das Corona-Virus? Welchen Sinn hat es und was verändert das Virus? Ich konnte keinen Sinn darin erkennen, dass so viele Menschen an den Folgen von Corona erkranken und sterben, dass Familien in wirtschaftliche Nöte geraten und, dass so viele Betriebe von der Existenz bedroht sind und möglicherweise aufgeben müssen.

ABER

Es macht sehr wohl Sinn, die Krise als CHANCE zu sehen, Dinge in Veränderung zu bringen!

Es macht Sinn darüber nachzudenken, festgefahrene Verhaltensmuster und Geschäftsmodelle zu überdenken und behutsam und sinnvoll zu verändern.

Im touristischen Kontext ergibt sich die Chance, dass…

…, wir uns weniger mit „immer mehr“ und „Massenabfertigungen“ beschäftigen, sondern mit Individuen und deren Bedürfnissen…

…, wir die Infrastruktur der Alpen und unsere Kultur nicht nur bereitstellen, sondern sie den Menschen spannend und kreativnäherbringen…

…, jeder Einzelne nachdenkt, mehr über den (eigenen) Wert als über den Preis zu verkaufen…

…, wir alle mehr gesunde und saubere Luft atmen werden, wenn wir die Formen und Angebote der Mobilität für unsere Gäste verändern…

…, Beherbergungs- und Gastrobetriebe ihre Geschäfts- und Ertragsmodelle deutlich auf Profitabilität ausrichten sollten…

…, wir viel mehr lokale/regionale Netzwerke und Partnerschaften eingehen sollten, anstatt sich neidvoll abzugrenzen…

…, wir uns wieder mehr auf das Familienleben besinnen und nicht die gesamte Energie in den Betrieb investieren…

…, dass wir gut gemeinte, glorreiche Ideen in den touristischen Gemeinden nicht durch sinnloses Politisieren und Kräftemessen im Keim ersticken…

…, dass wir jungen, gut ausgebildeten Menschen die beruflichen Aussichten im Tourismus, in der Hotellerie und Gastronomie schmackhaft und begehrlich machen und sie nicht „ausbeuten“ und als Mittel zum Zweck betrachten…

und, dass die Politik bundesweit nachdenkt, welche tragende Rolle der Tourismus, die Hotellerie und Gastronomie für die Wertschöpfung und den Wohlstand in Österreich hat und daher demotivierende  „Beamten-Bürokratie“ auflöst.

FAZIT

Das Corona-Virus hat uns alle eiskalt erwischt; wirtschaftlich, emotional und viele tausende auch gesundheitlich. Es zwingt uns, uns auf neue Gegebenheiten flexibel einzustellen, um unser Leben und unser Geschäft wieder auf Touren zu bringen. Die Corona-Krise hat uns aber auch vor Augen geführt, was im Leben zählt: Familie – Heimat – Gesundheit – Zusammenhalt - Achtsamkeit – Moral & Ethik.

Der Tourismus, die Hotellerie und Gastronomie werden mittelfristig (1 – 2 Jahren) wieder zu ihrer „Normalität“ finden. Jeder, ob Tourismusdirektor, Verantwortliche im Tourismusverband, Gastronom, Hotelier, Appartementbetreiber, Politiker, Seilbahnbetreiber etc., kann für sich entscheiden, ob man zur gewohnten „Normalität“ zurückkehrt oder aus dieser Krise lernt.

Jeder kann für sich reflektieren und entscheiden, wo Potentiale sind, neue Chancen zu nutzen.

JETZT ist die beste Gelegenheit Veränderung spürbar einzuläuten.

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