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Florian Größwang, Leiter Partnermanagement Österreich Werbung (ÖW), auf dem Seminar der Tourismusmanager in St. Johann in Tirol

Das digitale Rennen um den Gast

07.10.2019

Der Österreichische Tourismus passt sich der digitale Zeit an. Der BÖTM (Bundesverband der österreichischen Tourismusmanager) wird künftig als Destinationsnetzwerk agieren. Die ÖW soll zum Kommunikationshaus für Urlaub in Österreich werden. Verpflichtende Datenfusionierung aller Verbände gefordert.

BÖTM-Präsident Josef Schirgi, Ulrike Rauch-Keschmann (Bundesministerium f. Tourismus), Sieghard Baier (Ehrenpräsident BÖTM).

Beim BÖTM-Seminar in St. Johann i.T. diskutierten 100 Tourismusmanager und Fachleute darüber, welche Rolle den Destinationen vor diesem Hintergrund künftig zukommt. Einig war man sich darüber, dass sich der österreichische Tourismus nur vereint dem Wandel stellen könne.

 

Tourismus verändert sich. Der Wettbewerb ist durch globale Player verschärft worden. „Wir stehen im Tourismus derzeit an einer Zeitenwende“, sagte Florian Größwang, Leiter Partnermanagement Österreich Werbung (ÖW), auf dem Seminar der Tourismusmanager in St. Johann in Tirol. Google-Travel, Booking & Co legen ein enormes Tempo vor und bieten dem Gast smarte Lösungen per Knopfdruck an. Auch der Tourismus habe sich in der Wahrnehmung der Menschen verändert. Die Digitalisierung verändert das Kommunikationsverhalten zwischen Gastgeber und Kunden grundlegend. Nahtloses digitales Reisen sei nur eine Frage der Zeit, nicht der technischen Möglichkeit.

 

„Jetzt sind wir an einen Punkt gekommen, wo wir umdenken müssen“, mahnte Größwang vor versammeltem Kollegium. Marketing, wie es derzeit betreiben wird, sei bald Geschichte. Der kleinteilig organisierte heimische Tourismus könne nicht gegen global agierende Internet-Riesen ankommen. Deshalb sei die gemeinsame länder- und branchenübergreifende Zusammenarbeit wichtiger denn je.

 

Neuausrichtung des BÖTM

 

Ein erster großer Schritt wurde nun mit der Neuausrichtung des Bundesverbandes Österreichischer Tourismusmanager (BÖTM) vollzogen. Der BÖTM wird künftig als Destinationsnetzwerk agieren. Die Institution tritt verstärkt als Sprachrohr zwischen Destinationen, den Landestourismusorganisationen, der ÖW und dem Bund auf. Beim Branchentreff wurden einstimmig die Statuten dazu geändert. In den nächsten Monaten wird ein Generalsekretär als fixer Mitarbeiter eingestellt. „Kooperationskultur ist das Gebot der Stunde. Uns geht es darum, von einander zu lernen, neue Ideen zu entwickeln und weg von der alten Konkurrenzstruktur zu denken“, so Josef Schirgi, der Präsident BÖTM.

 

Gesinnungskampagne für den Tourismus

 

Auch auf nationaler Ebene soll Tourismus neu strukturiert werden. „Wir brauchen keine Plakatkampagnen, wir brauchen eine Gesinnungskampagne für den Tourismus“, sagte Ulrike Rauch-Keschmann vom Bundesministerium für Tourismus. Märkte sollen gemeinsam erobert werden. Gespräche für die Bündelung von Produktentwicklung bis hin zu Mobilitätskonzepten mit großen Anbietern laufen bereits. In Zukunft soll nicht mehr in Märkten und Kampagnen gedacht werden, sondern in Zielgruppen und Communitys. Diese Arbeitsweise bedingt auch eine völlige Reorganisation der Österreich Werbung, die bis 2021 umgesetzt werden soll. Ein Zukunftsbild der ÖW könnte sein, dass sie zum Kommunikationshaus für Urlaub in Österreich wird. Zudem soll das Thema Datenallianz in die Hände der ÖW gelegt werden.

 

Verpflichtende Datenfusionierung?

 

Bis dato erhebt jedes Bundesland seine eigenen Daten. „1800 Tourismusdestinationen mit gleichvielen Schnittstellen produzieren Datenfriedhöfe und verpulvern dabei viel Geld“, zeigte Martin Schobert von Tourismusdesign kritisch auf. Nur 20 Prozent aller Gäste in Österreich sind Neukunden. 80 Prozent sind Stammgäste. „Die Daten liegen vor, aber wir machen kaum was damit“, so Schobert. „Ich unterstelle uns allen, dass wir mit diesen Thema überfordert sind“, brachte Gernot Riedel, Geschäftsführer von St.Johann Tourismus ein. Die Bookings hätten die Destinationen technologisch längst überholt. Auch Michael Spechtenhauser von Salzkammergut Tourismus gab zu bedenken:  „Wir Destinationen können weder mit Know-how noch budgetär da mithalten. Ich glaube die Datenfusionierung und strukturierte Herangehensweise, darf nicht auf Freiwilligkeit der Destinationen beruhen, sonst scheitert das Projekt am föderalen System des Tourismus.“

 

Die Zentrale Frage, wie gemeinsame Datenstandards festgelegt werden, müsse auf nationaler Ebene passieren. Das sei Aufgabe der Länder und der ÖW. Dabei gehe es nicht um eine simple Bündelung von Homepages, sondern um die Frage der richtigen Technologie. Kundendaten sollen genützt werden, um dem Gast ein zeitgemäßes Urlaubserlebnis zu bieten. Die Dringlichkeit ist gegeben, denn bereits jetzt stehen andere Player in den Startlöchern, um dieses Problem für den Österreichischen Tourismus zu lösen. Wer den Zugang zum Kunden hat, hat gewonnen.

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