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Umfrage: So denken Unternehmer über Österreichs Wirtschaft

23.10.2015

Unsere Umfrage zu den großen Fragen der Österreichischen Wirtschaft brachte teils erstaunliche Ergebnisse. Die österreichische Unternehmerseele ist gespalten: Stolz auf das Erreichte trifft auf einen ausgeprägt pessimistischen Blick in die Zukunft.

Stolz und Pessimismus sind eigentlich ein gefährliches Gemisch. Daraus braut man Überheblichkeit, Kleingeistigkeit und Niedertracht. Doch ganz so schlimm ist es nicht: Österreichs Unternehmer sind fleißig und willig, aber sie brauchen Luft zum Atmen.

Die EU ist unbestritten

Bemerkenswert einig ist man sich bei der Beurteilung der EU: mit großem Abstand betrachten die meisten Unternehmer den Beitritt zur Union im Jahr 1995 als das am stärksten prägendste Ereignis der letzten 70 Jahre. Der Verbleib in der EU und beim Euro ist auch das entscheidende Kriterium für den weiteren Erfolg der heimischen Wirtschaft, zumindest sehen das fast ein Viertel der Befragten so. Immerhin 19 Prozent glauben, dass sich die EU in den nächsten 70 Jahren zu einem echten Staatenbund entwickeln wird, allerdings meinen auch 15 Prozent, die EU wäre bis dahin bereits zerfallen.

Österreich bald abgesandelt

Der Blick in die Zukunft ist vorwiegend pessimistisch. So überwiegt die Einschätzung, wonach im Jahr 2085, also in 70 Jahren, der Sozialstaat nicht mehr existieren wird. Angesichts der Einschätzung von immerhin fast je einem Viertel der Befragten, wonach Sozialer Friede und politische Stabilität als wichtige Rahmenbedingung für den weiteren Erfolg der Wirtschaft gesehen werden, ist das eher als negative Entwicklung zu deuten. Konkreter wird es bei der Frage nach dem Zustand Österreichs in fünf Jahren: mehr als ein Drittel der Befragten meint, dass Österreich dann bereits „abgesandelt“ (©Christoph Leitl) sein wird. Positive Entwicklungen, wie etwa eine erfolgreiche Energiewende oder ein genereller Wirtschaftsaufschwung werden nur von rund 10 Prozent der Befragten gesehen.

Die dringendsten Reformen

Österreich profitiert von seiner Lage im Herzen Europas, von seiner intakten Umwelt, den guten Fachkräften und der Rechtssicherheit. Wir sind ein schönes, sauberes, verlässliches Land. Soweit herrscht Einklang. Bei der Betrachtung der Baustellen wird ebenfalls bekanntes genannt. Am dringendsten sind Reformen in der Verwaltung, der Bildung, den Steuergesetzen und beim Thema Schulden sowie im Pensionsbereich, so sehen es zumindest die Teilnehmer an unserer Umfrage. In dieser Reihenfolge müsste das wohl auch jeder verantwortungsvolle Politiker auf seiner Agenda haben. Umwelt, Landwirtschaft, Infrastruktur und Sicherheit bleiben hingegen ganz unten auf der Dringlichkeitsskala.

Was in Österreich fehlt

Was in Österreich am meisten fehlt ist Unternehmergeist, sagen die Unternehmer selbst. An zweiter Stelle steht Mut. Beides kann man nirgendwo kaufen, nein, man muss eine Kultur schaffen, eine Biosphäre, eine Aufbruchsstimmung. In einem überwiegend pessimistischen und überbürokratisiertem Land eine echte Herkulesaufgabe. Dennoch können die auf den Plätzen genannten Faktoren bereits die Zutaten sein, um diesen fehlenden Unternehmergeist zu wecken: Geld, Forschung, Spitzen Unis werden da etwa genannt. Null Prozent fiel auf Beamte, von denen haben wir anscheinend bereits genug. Diese Antwortmöglichkeit war aber auch nicht ganz ernst gemeint.

Mehr Freizeit

Eine Frage nach der ganz persönlichen Zukunft haben wir auch gestellt: das Ergebnis hat uns überrascht. Die meisten Befragten möchten „noch einmal etwas ganz anders machen“. Ist das ein Hinweis auf eine latente Unzufriedenheit oder drückt sich hier Offenheit, Flexibilität ja sogar Sehnsucht nach Abenteuer und Veränderung aus? Immerhin fast genauso viele Befragte gaben an, in Zukunft mehr Freizeit haben zu wollen. Das könnte schon ein Hinweis darauf sein, dass unsere hektische Welt nicht unbedingt der Himmel auf Erden ist. Also Veränderung ja, aber bitte keinen stressigen Unternehmerjob mehr, sondern lieber Bergführer, Greenkeeper, Romanautor, Vortragsreisender, Landschaftsgärtner, Yogalehrer, Biowinzer, Hüttenwirt …

Download der kompletten Umfrage:

http://www.wirtschaftsverlag.at/downloads/70/Umfrage-Ergebnis-Oesterreichs-Wirtschaft.pdf

 

 

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