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Hofer bewirbt derzeit eifrig Nicht-Lebensmittel

Mischbetriebe: Der Unmut steigt & formiert sich / E-Mail-Protest im Laufen

29.03.2020

Nachdem seitens der Politik immer noch keine Klarstellung in Sachen „Mischbetriebe“ erfolgt ist, soll ein E-Mail-Protest direkt an die Politiker für mehr Nachdruck sorgen. Jeder betroffene Fachhändler (aller Branchen) kann und soll mitmachen.

Auch Spar, Rewe, Lidl & Co. halten sich nicht an die Bestimmungen.
Viele beworbene Produkte sind online gar nicht zu haben.

Bereits in der Vorwoche berichteten wir über den Ärger, der derzeit in weiten Teilen des Fachhandels – auch abseits der Elektrobranche – herrscht. Während die klein- und mittelständischen Händler laut Regierungsbeschluss geschlossen halten müssen, verkauft der Lebensmittelhandel weiterhin Elektrogeräte und andere Güter, die nicht zwangsläufig der Grundversorgung dienen. Das Bundesgremium des Elektro- und Einrichtungsfachhandels habe dazu auch bereits „alle Hebel in Bewegung gesetzt“, hieß es am 22. März. Geholfen hat’s bisher leider noch nichts. Weitere Gespräche soll es aber am Montagnachmittag, 30.03., geben.

Mischbetriebe sind nicht nur ein „Elektro-Problem“

Jetzt formiert sich eine immer breitere Widerstandsfront – und zwar auch abseits des Elektrofachhandels. Sieben österreichische Fachhandelsverbände aus der Mode-, Sport- und Spielzeugbranche haben sich zusammengeschlossen, um gegen die existenzbedrohenden Zustände zu protestieren und zu mehr Solidarität im österreichischen Handel aufzurufen. Ebenso, wie der Elektrofachhandel kämpft auch die Mode-, Sport- und Spielzeugbranche derzeit ums Überleben. Gleichzeitig verkaufen die Lebensmittelhändler ihr komplettes Sortiment munter weiter. Und das obwohl eigentlich klar geregelt ist, dass nur Produkte zur Sicherung der Grundversorgung verkauft werden dürfen.

Hofer legt mit seinem Werbeflyer nach

Das Fass zum Überlaufen brachte nun ein Werbeflyer des Diskonters Hofer. Darin werden ganz ungeniert (Einbau-)Geschirrspüler, Waschmaschinen, Handmixer, Küchenmaschinen, Staubsauger, Sandspielkästen, Heimtrainer und Kompressoren (um nur ein paar wenige Produkte zu nennen) beworben. Und das alles, obwohl der Verkauf der Produkte laut aktueller Verordnung in den Filialen eigentlich gar nicht gestattet wäre. „Mir ist schon klar, dass Hofer diese Aktionen bereits lange im Voraus geplant hat“, so ein Elektrofachhändler im Gespräch mit Elektrojournal Online. „Aber dass sie in der aktuellen Lage die Frechheit besitzen, die Produkte nun in den Filialen anzubieten, hätte ich mir nicht gedacht. Wenn sie die Aktionsprodukte beispielsweise nur über ihren Onlineshop anbieten würden, wäre das für mich absolut ok. Das wäre auch dem restlichen Handel gegenüber nur fair.“

Nur mit der Fairness ist es in der Sattledter Hofer-Zentrale so eine Sache: viele der beworbenen Produkte sind online nämlich gar nicht erhältlich (Stand: 29.03., 21 Uhr), sondern können nur in den Filialen gekauft werden. „Fairness dürfte bei Hofer wohl eher nur dann gefragt sein, wenn’s als Marketinggag herhalten kann. Beispielsweise wenn die Ladenöffnungszeiten ,zum Wohle der Mitarbeiter‘ verkürzt werden – eine Aktion die ich übrigens sehr vorbildlich finde. Aber noch mehr ärgert es mich, wenn ich auf der Hofer-Homepage die Hashtags #gemeinsamschaffenwirdas und #mitherzundvernunft lesen muss. Da wird mir schlecht“, macht der Elektrohändler seinem Ärger Luft. „Nur damit wir uns nicht falsch verstehen: hier geht’s natürlich nicht nur im Hofer, sondern auch um Spar, Rewe und alle anderen.“

E-Mail-Protest: Mitmachen erwünscht

Nachdem es sich die Politik offenbar nicht mit den Lebensmittelgiganten verscherzen will (warum sonst herrscht dort eisiges Schweigen im Walde?), werden nun die einzelnen Branchen aktiv. Via Facebook und Whatsapp wird bereits zum E-Mail-Protest aufgerufen. Der Aufruf:

Ich bin jetzt 30 Jahre in der Elektrobranche, will diese noch viele Jahre erleben und brauche daher kurz 3 bis 4 Minuten eurer Zeit. Und zwar jetzt gleich, und nicht erst später oder morgen!

Öffnet ein Mail-Programm, kopiert die Mail-Adressen der Ministerien in die Empfänger, kopiert die Betreffzeile und kopiere den Petitions-Text oder entwirf einen eigenen Text. Leitet diesen Aufruf bitte auch an all eure Kontakte weiter – via Whatsapp oder Social Media. Nur so können wir einen entsprechenden Druck aufbauen. Wer Mail-Adressen von Politikern hat, kann diese diesem Aufruf natürlich beifügen und mitverteilen. Es geht um nichts Geringeres als um unsere Branche, unsere Jobs, unsere Geschäfte und das Fortbestehen nach der Krise – und somit um uns alle gemeinsam.

Ich habe vor etwas über einer Woche, kurz nach Beginn der Geschäftsschließungen, eine Mail an Bundeskanzler und Minister betreffend der Ungerechtigkeit des Verkaufes von Elektrogeräten, Sportartikel etc. im Lebensmittelhandel geschrieben, aber nur eine typische Wischi-Waschi-Politantwort von wegen „wie viele andere wichtige Themen in Arbeit“ erhalten. Wie zum Hohn dann diese Woche unter anderem das Hofer-Prospekt, aber nicht als einziges in dieser Art in welchem eine Unmenge von Nicht-Lebensmittel beworben wird. Wenn sich jeder einzeln nur ärgert, und Umsatz durch unlauteren Wettbewerb verliert, bringt das nicht viel – ein breiter Protest möglicherweise schon.

Vielen Dank für Eure Unterstützung. 

Und hier der Mailtext

Mailadressen:

service@bka.gv.atministerbuero@bmi.gv.at; post@sozialministerium.atservice@bmdw.gv.at

Betreff: Unlauterer Wettbewerb von Lebensmittelkonzernen die neben Lebensmitteln auch Elektrogeräte, Sportgeräte, Gartenmöbel und Geräte etc. verkaufen

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Kurz, sehr geehrte Frau Ministerin Schramböck, sehr geehrte Herren Minister Nehammer und Anschober, 

Eines vorweg: Hochachtung vor allen Menschen an der Front im Lebensmittelhandel, Apotheken, Ärzten, Polizei, öffentlichen Verkehrsmitteln, Müllabfuhr, den arbeitenden und produzierenden Betrieben und vielen mehr, die tagtäglich eine Wahnsinnleistung bringen. Und natürlich auch allen anderen, wie auch Ihnen in der Regierung, die das Land am Laufen halten. Ebenso wie jenen, die sich auch nach zwei Wochen an die Empfehlungen halten. Vielen Dank für die vielen Maßnahmen von Euch und der Bundesregierung, um welche uns viele Länder beneiden.
 
Und um die Durchsetzung eines Punktes der Maßnahmen geht es. Die klare Trennung im Handel bei verschiedenen Sortimenten, und das Verkaufsverbot auch dort, an das sich die geldgierigen Konzern Chefs im Lebensmittelhandel, die geraden den Umsatz Ihres Lebens mit der Krise mit den erlaubten Sortiment machen nicht halten. Und damit zusätzlich, mit Frechheit und unlauterem Wettbewerb neben Lebensmitteln auch Elektrogeräte, Gartengeräte, Bekleidung, Sportgeräte usw. verkaufen. Beispielsweise Hofer, die Rewe Gruppe, Metro, Spar, Lidl usw..

Widerspricht dies nicht den Bestimmungen?
Und auch der Fairness und dem Miteinander?
Wo ist da der Team Österreich-Gedanke? 
Wie und wann wird dagegen vorgegangen? 
 
Oder wird der Umsatzverlust der z.B. dem Bekleidungs-, Sport- und Elektrohandel usw. entsteht, obwohl der Umsatz nach der Krise wieder dringend benötigt wird, als Kollateralschaden einfach hingenommen?

 Mit freundlichen aber empörten Grüßen

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