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Offline informieren und Online kaufen, oder läuft es doch andersrum?

Megatrend „online recherchieren, offline kaufen“?

14.10.2015

„Erst online checken, dann aber im Geschäft kaufen“ – zwar ist in aller Munde, dass „das böse E-Commerce“ Geschäftsexistenzen ruiniere, dass das gegenteilige Kaufverhalten in Wahrheit aber noch verbreiteter ist, sehen die allerwenigsten. 

Tatsächlich gibt es für das Phänomen „online recherchieren, offline kaufen“ – noch – nicht einmal einen deutschsprachigen Begriff, wie es in einem Online-Artikel von welt.de heißt („Die Ladenbesitzer schlagen zurück, 28.09.2015). Im angloamerikanischen Raum wird das Phänomen subsumiert unter „Research online, purchase offline“, also „ROPO“ – in etwa: „online recherchieren, offline kaufen“. In der Fachliteratur tauchen jetzt auch die Begriffe „Local Commerce“ – weil: „lokal-digitales Shopping“ – sowie „Webrooming“ auf, Letzterer bezeichnet den Trend, dass das Web immer mehr zum „Schaufenster-Ersatz“ wird.

Auch das Zahlenmaterial einer Studie im Auftrag des Shopping-Portals KaufDA in Kooperation mit der Hochschule Niederrhein und dem Handelsverband Deutschland (HDE) spricht für diesen Trend: Demzufolge haben im vergangenen Jahr 39 Prozent der Deutschen „sehr oft“ nach besagtem Muster eingekauft; überraschend: der Kauf online folgte in dieser Untersuchung erst auf Rang zwei (37 %).

Berliner Zukunftsmusik?

Die Vorteile dieser Methode leuchten ein: Online werden die Preise sowie die Erfahrungen und Empfehlungen anderer Kunden beobachtet, um das Produkt sogleich im Geschäft anzugreifen, auszuprobieren und allenfalls auch mitzunehmen.

Berliner Zukunftsmusik: Das in Berlin ansässige Start-up Locafox zeigt per iPhone-App oder Website an, welche Geschäfte in der unmittelbaren Umgebung das gesuchte Produkt verkaufen – Entfernung und Preis sind dabei wesentliche Kategorien. Vor allem Elektronik-Ketten wie Medimax, Conrad Electronics, Gravis, Cyberport oder Atelco sind bei Locafox vertreten – aber auch schon Produkte von Media-Markt, Saturn sowie Expert.

Wird es also bald „Local Commerce statt E-Commerce“ heißen? Dieser Meinung ist zumindest Karl Josef Seilern im welt.de-Artikel, dort sieht er in Deutschland einen „155-Milliarden-Markt“ für Local Commerce, was dem vierfachen Umfang von jenem des E-Commerce entspräche.

Aber auch andere Start-ups zeigen auf, etwa „Simply Local“ (vom Handelskonzern Metro indirekt finanziert), zudem wittern die Online-Riesen Google (dort gibt es schon den Reiter „Shopping“), eBay (etwa mit dem Produkt „eBay Now“) und Amazon das große Geschäft.

Kurzum: das „klassische Shopping“ wird à la longue nicht verschwinden. In einer GfK-Studie geben beispielsweise 74 Prozent der befragten 16- bis 21-Jährigen in insgesamt zehn Ländern an, vorzuhaben, künftig mindestens genauso viel oder sogar noch mehr in „konventionellen Geschäften“ einzukaufen. 65 Prozent wünschten sich, das Händler ihren Kundenservice in den Geschäften auch im Online-Bereich anbieten und – und das ist wohl nicht unwesentlich –: auch umgekehrt. Werden wir also – schon in naher Zukunft – erleben, dass die Welten Local Commerce und E-Commerce zusammenwachsen?

Rudolf Preyer

Original erschienen am 14.10.2015: Elektrojournal.
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