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Zurück aus der Zukunft

14.09.2011

Heute steckt die Elektromobilität noch in den Kinderschuhen. Doch in 40 Jahren wird sie ein selbstverständlicher Teil des Alltags geworden sein. Wir haben eine Zeitreise gewagt und Guillaume de Vulpian, der die Anfänge als Generaldirektor des Elektropioniers Renault miterlebt hat, zum Interview im Jahr 2051 getroffen.

Monsieur de Vulpian, wenn Sie an die Anfänge der Elektromobilität zurückdenken: Warum war der Umstieg zu Beginn so zögerlich, wovor hat man sich in den 2010er-Jahren gefürchtet?
Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass es damals vielen Menschen nur schwer gelungen ist, sich von der konventionellen Technik zu trennen. Während die Automobilindustrie besonders stolz auf ihre, für damalige Verhältnisse, verbrauchsarmen Verbrennungsmotoren war, sind die Autofahrer vor allem an ihren liebgewonnen Gewohnheiten gehangen. Sie wollten weiterhin schnell tanken, aber auch die damals noch höhere Reichweite der Verbrennungsmotoren war ihnen wichtig. Heute – im Jahr 2051 – stellt sich diese Frage überhaupt nicht mehr.


Warum nicht?
Weil die Batterien bereits während des Fahrens über Induktion aufgeladen werden. An dieser Lösung haben unsere Ingenieure damals sehr intensiv gearbeitet, um eine wirklich praktikable Alternative anbieten zu können.


Welche Argumente haben denn die Menschen zum Umstieg bewogen, bevor dieses Problem restlos gelöst wurde?
Unter anderem, dass der damals noch hohe Preis der Batterien durch die niedrigen Energie- und Wartungskosten im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren ausgeglichen werden konnte. Zum Durchbruch hat aber sicher die Verbesserung der Reichweite geführt. Neben diesen praktischen Überlegungen haben sich aber auch immer mehr Menschen nach einer saubereren Umwelt gesehnt und in der Elektromobilität die Lösung erkannt.


Um dieses Ziel zu erreichen, wurden Schritt für Schritt auch diverse Maßnahmen vonseiten der Politik gesetzt wie eine massive MöSt-Erhöhung und eine City-Maut für Verbrennungsmotoren. Wie wurde diese Vorgehensweise damals aufgenommen?
Ganz abgesehen von den massiven Umweltproblemen und Naturkatastrophen, die sich rund um den Erdball häuften und immer mehr Menschen zum Umdenken brachten, mussten diese Maßnahmen auch aufgrund der Verknappung des Erdöls sehr rasch getroffen werden. Denn es wurde immer schwieriger und teurer, Öl zu fördern. Die Elektromobilität hat zudem auch dazu geführt, dass man endlich wieder seine Wohnung lüften konnte, ohne den Schmutz, die Abgase, aber auch den unerträglich gewordenen Lärm ertragen zu müssen. Das hat viele Menschen überzeugt. Zudem wurde der Umstieg damals auch mittels Förderungen beschleunigt.


Wie hat sich dadurch das Stadtbild der Metropolen geändert?
Der damalige Gürtel in Wien hat sich zum Beispiel zu einer attraktiven Freizeitoase entwickelt. Inzwischen gibt es entlang der Autobahnen auch keine Lärmschutzwände mehr, und man kann den Anblick unserer wunderschönen Landschaft wieder genießen.


Welche Länder haben denn als Erste komplett auf Elektromobilität umgestellt? Wo sind heute noch Verbrennungsmotoren im Einsatz?
Die europäischen Länder, die USA, Japan und China waren am stärksten sensibilisiert und als Erste bereit für eine Umstellung. Dass heute noch irgendwo ein Verbrennungsmotor im Einsatz ist, kann ich mir gar nicht vorstellen!


Wann hat Renault eigentlich aufgehört, Autos mit Verbrennungsmotoren zu bauen?
Sobald die wichtigsten technischen Herausforderungen, Preis und Reichweite, gemeistert wurden, ging die Umstellung sehr schnell. Zu diesem Zeitpunkt war bereits die Infrastruktur vorhanden, sodass keine Nachfrage nach Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren mehr existierte. Heute können wir diese Fahrzeuge nur mehr im Technischen Museum bestaunen, wo sie neben den Dampflokomotiven aus dem 19. Jahrhundert stehen.


Was zahlt man heute im Durchschnitt pro Monat dafür, unbegrenzt mobil zu sein?
Mobilität ist heute kein Thema mehr für Arm oder Reich. Für 30 Ekras, (Anm: Europäische Währung seit 2040) die für jedermann erschwinglich sind, kann man mittels Flatrate von A nach B gelangen, ohne darüber nachdenken zu müssen. Dabei wechselt man einfach und unkompliziert zwischen Bahn, E-Auto und E-Bike, ganz nach Bedarf. Teuer ist heute nur noch das Beamen, weil es sich um eine sehr innovative Technologie handelt.


Nach Fukushima hat Europa schrittweise den Ausstieg aus der Atomkraft vollzogen. Woher kommt heute die Energie, um die E-Mobile zu betreiben?

Einige Lobbys haben lange verhindert, dass wir die Energie der Sonne, aber auch die Energie im Inneren unseres Planeten besser nutzen. Es hat zwar etwas gedauert, bis diese grundsätzlich kostenlos vorhandene Energie kostengünstig eingesetzt wurde, heute kann man sich ein Leben ohne diese gefahrlosen und sauberen Energiequellen aber gar nicht mehr vorstellen! Und bis das Licht der Sonne ausgeht, werden noch viele Millionen Jahre vergehen, und dann wird die Menschheit vielleicht schon in einer anderen Milchstraße zu Hause sein.

Welche Probleme gibt es denn jetzt aufgrund der E-Mobilität?
Bei einer gleichzeitigen Anwendung des Beamens kann es zu Interferenzen kommen. Das ist eben eine Technologie, die noch in den Kinderschuhen steckt. Auch wenn ich heute schon ein sehr alter Mann, wenngleich mit einem jung gebliebenen Geist ausgestattet, bin, werde ich die Lösung dieses Problems bestimmt erleben können!

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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