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Zukunft Brennstoffzelle?

15.11.2014

Irgendwann werden Wasserstoffantriebe unsere Autos nach vorne bringen, heißt es seit Jahren. Die Frage ist nur: Wann ist irgendwann? Die WIRTSCHAFT zeigt Potenziale und Probleme der Technologie und begab sich auf eine Probefahrt.

Text: Oliver Weberberger und Gerhard Brunnbauer

Immer mehr Elektroautos sickern in unseren Verkehrsalltag. Anfangs noch kaum der Rede wert, scheint das Thema „E-Mobilität“ doch schön langsam an Fahrt zu gewinnen. Die Konzepte werden alltagstauglicher, langsam auch kostengünstiger, und schlussendlich scheint es endlich auch richtig trendy zu werden, elektrisch zu fahren. Von unten nach oben – also vom E-Bike bis zum Elektroauto – steigt die Akzeptanz bei Herrn und Frau Österreicher. So weit, so gut, wäre da nicht das leidige Thema der Reichweitenproblematik beziehungsweise die Frage „Wo und wie lange laden?“ Die Erzeugung von elektrischer Energie durch den Einsatz einer Brennstoffzelle könnte, frei nach dem Motto „Ich hab mein eigenes Kraftwerk an Bord“, der Problemlöser sein. Mit einem Schlag würden K.-o.-Kriterien wie Ladezeit, Reichweite und Usability obsolet. Doch wie funktioniert das Konzept überhaupt?

Die Funktionsweise der komplexen Technik ist schnell erklärt: Durch die Oxidation von Wasserstoff wird elektrische Energie erzeugt, in Hochleistungs-Akkus zwischengespeichert und zum Antrieb des Elektroantriebs verwendet. Das Endprodukt des Oxidationsprozesses ist Wasserdampf. Die freiwerdende Wärme kann zum Heizen des Fahrzeugs genutzt werden. So weit, so gut, aber wäre das alles so einfach, würden längst überall wasserstoffbetriebene Autos herumfahren. Dass dem nicht so ist, liegt an einer Reihe von Knackpunkten, die das schöne Leben mit der Brennstoffzelle derzeit noch verhageln:

1. Die Erzeugung von Wasserstoff

Reiner Wasserstoff existiert in der Natur nämlich nicht. Er muss erzeugt werden. Derzeit wird Wasserstoff hauptsächlich aus fossilen Energieträgern, wie Erdöl, Kohle oder Erdgas gewonnen. So produziert beispielsweise die OMV jährlich rund 100.000 Tonnen Wasserstoff aus Erdgas. Durch Elektrolyse wird Wasser elektrisch gespalten. Als Nebenprodukt entsteht dabei Kohlendioxid. Will man komplett energieneutral agieren, ist es notwendig, diese CO2-Emission zu vermeiden. Dies funktioniert aber nur dann, wenn der Strom hierfür aus erneuerbaren Energieträgern, wie zum Beispiel Wind-, Sonne- oder Wasserenergie, stammt.

2. Die Frage nach der rollenden Bombe

Laien fällt bei Wasserstoff gleich mal die gleichnamige Bombe ein. Natürlich ist Wasserstoff hochexplosiv – aber auch Erdgas und Benzin sind das. Moderne Wasserstofftanks halten mittlerweile extremen Belastungen stand. Sie werden bei Verkehrsunfällen nur deformiert, bleiben aber dicht. Die schwindenden Sicherheitsbedenken bei den Erdgas-autos zeigen aber, dass Befürchtungen in Bezug auf die Sicherheit von Wasserstoff relativ schnell vom Tisch sein werden.

3. Wo tanken?

In ganz Österreich existiert derzeit erst eine einzige Wasserstofftankstelle in Wien. Mittelfristig in Planung sind Tankstellen in Innsbruck und Linz. In Österreich wären Tankstellen im Umkreis der Landeshauptstädte anfänglich sicher ausreichend, um die Technologie in der Breite zu pushen. Sobald es genügend Nachfrage nach Wasserstoff gibt, werden sich auch die Tankstellen vervielfachen.

4. Wo bekommt man Brennstoffzellenautos?

Hyundai, Mercedes und Toyota rittern derzeit um die Vormacht im Wasserstoffbereich. Hyundai ist bereits seit einem Jahr mit dem ix35 FCEV am Markt, und Toyota steht kurz vor der Serieneinführung des eher eigentümlich designten FCV. Ebenfalls kurz vor dem Serienstart ist der auf der B-Klasse basierende F-Cell von Mercedes. Interessant sind die Ambitionen von BMW. Der bayerische Premium-Hersteller hat seine Entwicklungen in Sachen Wasserstoff-Verbrennungsmotor (BMW Hydrogen7) auf Eis gelegt und denkt derzeit intensiv darüber nach, wie ein Fuel Cell Electric Vehicle (FCEV) mit BMW-Genen aussehen könnte – als Technologiepartner fungiert dabei Toyota. Man darf gespannt sein.

5. So eine Brennstoffzelle kostet Geld

Schon normale Elektroautos sind teuer. Dass saftige Aufschläge für den Einsatz der Brennstoffzellentechnik fällig werden, liegt auf der Hand. Der Hyundai ix35 FCEV kann derzeit um rund 1.800 Euro monatlich über vier Jahre gemietet* werden. Die Kosten für ein Kilo Wasserstoff liegen derzeit bei rund 9,10 Euro. Experten rechnen allerdings mit einem Preisverfall bei größerer Verbreitung der Wasserstoff-Autos auf rund 2,50 Euro pro kg.

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