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Zero Waste

08.06.2018

Der private steirische Entsorgungsbetrieb Saubermacher nimmt seinen Firmennamen sehr ernst. Sie wollen so sauber machen, dass null Abfall zurückbleibt.

Will Mülltrennung und -entsorgung dank Digitalisierung revolutionieren: Ralf Mittermayer von Saubermacher.

Saubermacher entsorgt und recycelt Müll und will „Zero Waste“. Zum Beispiel, indem sie im gemeinsam mit Lafarge Perlmoser gegründeten Unternehmen „ThermoTeam“ sogenannten Ersatzbrennstoff für die Zementerzeugung produzieren. Grundlage dafür sind ausgewählte Abfälle – anderweitig nicht verwertbare Kunststoffe aus der Verpackungssammlung, gemischte Gewerbeabfälle, Siedlungsabfälle. Der daraus produzierte Brennstoff hat einen mehrfachen Nutzen. Er verwertet bestehenden Abfall und ersetzt die in der Zementindustrie üblichen fossilen Brennstoffe.

„Wir wollen im Idealfall gar keinen Abfall hinterlassen“, sagt Ralf Mittermayer, Sprecher des Vorstandes, „sämtliche Stoffe sollen am Ende ihres Lebenszyklus so aufbereitet werden können, dass sie in einem unendlichen Kreislauf geführt werden.“ Eine große Chance auf dem Weg dorthin sieht das Unternehmen in der Digitalisierung. Das beginnt im eigenen Haus. „Wir haben bisher jährlich vier Millionen Blatt Papier verbraucht, um unser Geschäft abzuwickeln, vom Lieferschein bis zur Rechnung. Das kann im IT-Zeitalter nicht der Idealzustand sein“, meint Mittermayer. Aber das ist erst der Anfang. Seit 2016 ist auch ein Mobile-Order-Management-System (MOM) im Einsatz, welches die Routen der Müllwägen genauestens koordiniert und dadurch Treibstoff und Emissionen und auch den Papiereinsatz reduziert. 

Neue Lösungsansätze

Mit wastebox.biz hat Saubermacher eine moderne App und Plattform für die Baustellenentsorgung entwickelt. Das System erinnert an den privaten Taxidienst Uber oder die Vermittlungsplattform booking.com. Jede Anfrage wird über eine Internetplattform verwaltet und geht sofort an einen Fahrer in seiner LKW-Kabine. Eine Mulde ist zum Abholen. Ist ein LKW in der Nähe und gerade leer, nimmt er sie gleich mit. Und das muss nicht einmal ein Saubermacher-LKW sein, denn in dem System kann jeder konzessionierte Fachbetrieb Partner von wastebox.biz werden und mitmachen. „Im urbanen Bereich ist die Wahrscheinlichkeit, dass gerade ein leerer LKW in der Nähe ist, sehr hoch“, weiß man bei Saubermacher. Die Kunden profitieren von mehr Flexibilität und Transparenz auf Knopfdruck. Das spart Zeit und Geld. Gleichzeitig wird die Umwelt geschont, denn der Auftrag wird an die am nächsten gelegenen Fahrzeuge gemeldet. Durch die Logistikoptimierung wird der CO2-Ausstoß reduziert.

Die Digitalisierung in der Abfallwirtschaft erreicht auch die Kunden. „Die Leute wollen online bestellen, einen digitalen Lieferschein, ein laufendes Monitoring, einen Ansprechpartner, Transparenz und schnelles Feedback“, sagt Mittermayer, „also haben wir eine App entwickelt, die über die nächsten Abfuhrtermine informiert.“ Klingt gut, „aber der Erfolg war gering“. 

Also hat Saubermacher gemeinsam mit Energie Steiermark die App „Daheim“ um Dinge erweitert, die mit Abfall nichts zu tun haben. Sie bietet Gemeindenachrichten, Veranstaltungsinfos, Ordinationszeiten, das Mittagsmenü vom Gasthaus und vieles mehr. Die Nutzung ist seitdem gewaltig gestiegen. Die Ideen dazu auch. So bietet Saubermacher gemeinsam mit der Energie Steiermark über die Daheim-App die Möglichkeit an, Elektroautos zu mieten.

Analogen Müll digital beseitigen

Seither hört man im Unternehmen den Begriff des „virtuellen Entsorgers“ und positioniert sich als Leader in Waste-Intelligence. Der Abfall, den es zu transportieren gilt, bleibt analog, die digitalen Zusatzleistungen nehmen zu.  Die allgemeine „Trennmoral“ ist gesunken, hört man aus dem Unternehmen. Vielleicht kann die App helfen. Oder unablässige PR-Aktionen: Der österreichische Höhenbergsteiger Hans Wenzl hat im Mai 2017 den Mount Everest bestiegen und im Auftrag von Saubermacher auch eine Umweltinspektion über das Abfallaufkommen am höchsten Berg der Welt durchgeführt. Schon beim Trekking in das Basislager beobachtete er das Littering und unterrichtete Einheimische sowie Touristen darüber, den Abfall richtig zu trennen und zu entsorgen. Ebenfalls im Mai des Vorjahres wurde das Unternehmen im Bereich Re-Use und Recycling von Batteriesystemen aus der E-Mobilität mit dem Energy Globe Austria Award in der Kategorie „Erde“ ausgezeichnet. Und zwar konkret für ein stationäres Speichermedium, das aus gebrauchten Akkus von KTM-Freeride-E-Motorrädern gebaut wurde. Darüber hinaus wurde auch der bisherige Recyclingprozess von Lithium-Ionen-Batterien entscheidend weiterentwickelt: Saubermacher bringt nun für die sichere Lagerung und den fachgerechten Transport von Lithiumbatterien ein selbstentwickeltes Spezialfass auf den Markt. 

Wie sieht Abfallentsorgung in 30 Jahren aus? Mittermayer lacht: „Die Müllabfuhr wird es noch geben, aber keinen Abfuhrkalender mehr. Dafür hat meine Tochter Irina, die dann 47 Jahre alt sein wird, einen digitalen Assistenten, der ihr sagt: ‚Hallo Irina, deine Abfalltonne ist gerade geleert worden. Deine Abfälle können zu 80 Prozent wiederverwertet werden. Damit gehörst Du zu den Top Ten in deinem Freundeskreis. Gratuliere!‘“ 

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