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Elektro-Autos wird nachgesagt, dass sie in der Anschaffung teurer sind als benzingetriebene.

Zahlt sich Elektro aus?

30.03.2020

Elektro-Autos wird nachgesagt, dass sie in der Anschaffung teurer sind als benzingetriebene. Eine Besonderheit des österreichischen Umsatzsteuerrechts macht den Betrieb für Unternehmen aber günstiger. 

Jänner 2020: „Neuzulassungen von E-Autos steigen“, meldet der Bundesverband Elektromobilität Österreich im trockenen Statistiker-Deutsch. 695 neue Elektro-Autos wurden im ersten Monat des noch jungen Jahres neu zugelassen, ein Plus von 37,1 Prozent gegenüber dem Jänner 2019. Sieht auf den ersten Blick nach viel aus, ist es aber nicht. Insgesamt waren lediglich drei Prozent aller Neuzulassungen im Jänner dieses Jahres vollelektrische Autos, im Jänner des Vorjahres waren es allerdings nur 2,0 Prozent, im ­Gesamtjahr 2019 dann schon 2,8. „Mühsam nährt sich das E(-Auto)-Hörnchen“, würden weniger trocken formulierende Kommentatoren zur aktuellen Entwicklung anmerken. Revolutionen jedenfalls sehen anders aus.

Wie, dazu reicht ein Blick nach Norwegen. Im Jänner dieses Jahres wurden dort 4.236 Elektro-Pkw neu zugelassen, das entspricht einem Marktanteil von stolzen 44,3 Prozent an allen Neuzulassungen. In puncto Elektromobilität ist Norwegen, übrigens das ölreichste Land Europas, längst zu einem internationalen Vorreiterland geworden. 

Zu wenig Strom?

Während hierzulande noch heftig über die Auswirkungen der E-Mobilität diskutiert wird, schaffen die Norweger Fakten. Ab 2025 sollen im Land der Fjorde keine Fahrzeuge mit fossilen Antrieben mehr verkauft werden. Eines der häufigsten Argumente der E-Auto-Skeptiker in Österreich: „Wenn alle ein E-Auto fahren, haben wir zu wenig Strom.“ Stimmt nicht, heißt es dazu im Faktencheck E-Mobilität. Rein rechnerisch würde der Strombedarf bei einer Million Elektro-Autos in Österreich um 3,6 % auf 2,6 TWh wachsen. Selbst wenn ganz Österreich der Elektromobilität frönen würde und nur mehr „E-Flitzer“ über Österreichs Straßen gleiten würden, stiege der zusätzliche Strombedarf von derzeit rund 70 TWh lediglich um rund 18 %. Dazu kommt, dass E-Autos derzeit zum Ausgleich von Lastschwankungen im Stromnetz beitragen, da sie vorwiegend in der Nacht „getankt“ werden.

Teurer aber gefördert

Das zweite Argument gegen das E-Auto, welches immer wieder vorgebracht wird, ist der Faktor Kosten. E-Autos gelten – vor allem aufgrund der höheren Anschaffungskosten als „teuer“. Eigentlich zu Unrecht – auf alle Fälle aus Sicht eines Unternehmens. Dafür sorgen steuerliche Sonderregelungen bei der Anschaffung eines PKW. Prinzipiell gilt, dass Vorsteuern bei der Anschaffung eines Personenkraftwagens, auch wenn sie betrieblich genutzt werden, nicht abgezogen werden können. Ausnahme: Es handelt sich um ein Auto, welches im Betrieb mit einem CO₂-Ausstoß von 0 Gramm aufwarten kann, was reine E-Autos bekanntlich tun. Vor diesem Hintergrund und mit dem Wissen, dass der österreichische Staat unter dem Titel E-Mobilitätsbonus die Anschaffung von Elektro-Autos zusätzlich fördert (3.000 Euro, wovon 1.500 bereits beim Händler vom Kaufpreis abgezogen werden) lässt sich  eine Beispielrechnung für die Anschaffungskosten von zwei relativ gleichwertigen Automodellen aufstellen, wie die Tabelle am Ende des Artikels zeigt. 

Auch der VW e-Golf, der mit 100 kW (136 PS) nur unwesentlich weniger Leistung aufweist, kommt mit einem aktuellen Listenpreis von 33.990 Euro brutto bei Ausnutzung sämtlicher Steuervorteile und Boni schon in der Anschaffung günstiger als sein „fossiler“ Kollege. Bei der neuen E-Mobilserie aus dem Hause VW, mit der der Konzern noch stärker E-Automobilisten ansprechen will, soll der ID.3 zu einem Preis von unter 30.000 Euro angeboten werden. Übrigens, Marktführer bei E-Autos in Österreich war 2019 Tesla mit einem Anteil von 32,1 Prozent. Mit dem Tesla Model 3 hat der US-Elektro-Autopionier auch hierzulande einen Coup gelandet. Von 2.966 neu zugelassen Tesla-Modellen waren 2.342, also insgesamt fast 79 % Tesla 3. Das mit einem Allradantrieb versehene Model 3 (Reichweite von 530 km) kostet aktuell 56.100 Euro. In diesem Fall steht der E-Mobilitätsbonus von 1.500 ebenfalls zu. Was die Umsatzsteuer betrifft, wartet der Gesetzgeber allerdings mit einer kleinen Besonderheit auf. Zwar kann auch hier die Vorsteuer von 9.350 Euro abgezogen werden, allerdings muss für die sogenannte „Luxustangente“ die Eigenverbrauchsumsatzsteuer herausgerechnet und abgeführt werden. Die Luxustangente betrifft jenen Betrag, der die sogenannte Angemessenheitsgrenze von 40.000 Euro übersteigt. Im Fall des Tesla 3 wären dies 16.1000 Euro. Die Möglichkeit des Vorsteuerabzuges reduziert den Kaufpreis damit lediglich um rund 6.666 Euro. Der tatsächliche Kaufpreis für einen Tesla 3 rutscht damit – aus Sicht eines Unternehmers – auf unter 50.000 Euro.

Ohne Sachbezug dahinbrausen

Damit nicht genug, bergen E-Autos aber noch einen weiteren Steuervorteil, der deren Anschaffung als Firmenfahrzeug noch einmal attraktiv macht. Für E-Autos, die Dienstnehmern zur Verfügung gestellt werden, entfällt der sogenannte Sachbezugswert. Für ein benzingetriebenes Fahrzeug muss ein monatlicher Sachbezugswert (2 % der Anschaffungskosten) angesetzt werden. Dieser fließt in die Lohnsteuerbemessungsgrundlage ein und erhöht die Lohnsteuer entsprechend. Für E-Autos gilt das nicht, und der Dienstgeber erspart sich in diesem Fall die Entrichtung der auf den Sachbezugswert entfallenden Lohnnebenkosten (rd. 30,5 %). 

Strom im Dauervergleich

So weit, so gut, doch wie sieht es mit den laufenden Kosten aus. Um diese zu ermitteln, beziehungsweise zu vergleichen, nehmen wir für beide Autos eine Nutzungsdauer von acht Jahren bei einem jährlichen Kilometerverbrauch von 20.000 an. Damit lässt sich die Modellrechnung aufstellen, die oberhalb zu sehen ist.
Basierend auf dieser Modellrechnung kommt der Betrieb eines E-Autos um rund 5.000 Euro günstiger als ein in etwa gleich starkes benzingetriebenes Fahrzeug, selbst ohne Berücksichtigung der Servicekosten. Diese fallen laut Experten bei einem E-Auto weit geringer aus, da E-Kraftfahrzeuge unter anderem deutlich weniger Verschleißteile haben. Ein Kostenvorteil, der auch für Privatpersonen durchaus relevant ist.

Text: Harald Fercher

ANSCHAFFUNGSKOSTEN
 

Nissan Leaf ZE1 MY19 inkl. Batterie 
40 kWh; Automatik/Frontantrieb

VW Golf Comfortline TDI SCR DSG

Viertürig (DSG 7-Gang); Frontantrieb

Leitung Max 110 kW (150 PS) 110 kW (150 PS)
Verbrauch je 100 km 20,6 kWh 4,4 l
CO₂ 0 116 g/km
Reichweite (kombiniert, städtisch 389 km) 270 km -
Preis ab (Listenpreis brutto) in Euro 36.800,-- 32.820,--
E-Mobilitätsbonus 1.500,-- 0
Kaufpreis brutto 35.300,-- 32.820,--
Verminderung des Kaufpreises durch:    
- Möglichkeit des Vorsteuerabzugs (nur für Unternehmen) 5.833,33 0
- Förderung Bund (für alle, die rechtzeitig beantragen) 1.500,-- 0
Anschaffungskosten 27.916,67 32.820,--

 

LAUFENDE KOSTEN
  Nissan Leaf ZE1 MY19 inkl. Batterie 
40 kWh; Automatik/Frontantrieb
VW Golf Comfortline TDI SCR DSG; 
Viertürig (DSG 7-Gang ); Frontantrieb
Kilometer in acht Jahren 160.000 160.000
Verbrauch je 100 km 20,60 kWh 4,4 Liter
Verbrauch total acht Jahre kWh bzw. Benzin in l 32.960 7.040
Preis kWh bzw. Benzin je Liter 0,21 1,196
Kosten Verbrauch nach acht Jahren 6.921,60 8.419,84
Motorbezogene Versicherungssteuer/Jahr befreit 432,--
Motorbezogene Versicherungssteuer in acht Jahren befreit 3.456,--
Kosten Treibstoff und motorbezogene Versicherungssteuer gesamt in acht Jahren 6.921,60 11.875,84

 

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