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Wo ist die Datei?

06.06.2019

Wenn Daten verschwinden, gelöscht oder zerstört werden, ist Feuer am Dach. Ein paar simple Verhaltensweisen können das Schlimmste verhindern. Klassische Fehler und einfache Tipps.

„Egal wo und wie digitale Daten gespeichert werden, sie können auch heutzutage defekt werden“, erklärt Nicolas Ehrschwendner, CEO von Attingo Datenrettung – und er spricht aus der Erfahrung von bereits 22 Jahren. Die Fälle ähneln sich immer wieder: Betroffene melden sich, wenn Festplatten heruntergefallen sind, ein falsches Netzteil angesteckt wurde, bei einem Headcrash, Feuer- und Hochwasserschäden oder wenn ein USB-Stick bricht. Abgesehen von diesen physischen Schäden gibt es noch die logischen Probleme. „Das sind Fälle, wo Datensätze versehentlich gelöscht werden, manchmal ist auch Sabotage im Spiel oder gar Hackerangriffe“, ergänzt Ehrschwendner.

Bei vielen dieser Katastrophen ist noch nicht alles verloren, wenn professionelle Datenretter zum Einsatz kommen. Einer davon ist Attingo in Wien, das Unternehmen hat viele eigene Werkzeuge sowie Software entwickelt und kümmert sich rund um die Uhr um Notfälle bei Datenverlust, von verlorenen Fotos bis zu kaputten Servern von Konzernen.

Wenn die Festplatte klackert

Die häufigste Ursache von Datenverlust bei Festplattenlaufwerken ist immer noch der Headcrash. Dabei schlagen die Schreibe- und Lese-Köpfe auf den Magnetscheiben auf. „Oft ist es erst nur ein kleiner Einschlag und die Festplatte funktioniert noch weiter, aber dadurch entstehen kleine Partikel und über diese ‚stolpern‘ die Köpfe später wieder und schlagen erneut auf“, erklärt Ehrschwendner. Im Worst Case kann binnen weniger Minuten die ganze Magnetschicht abgetragen werden – und dann sind die Daten unrettbar verloren. Wer also einen Headcrash vermutet, weil seine Festplatte klackert, sollte sofort den Stecker ziehen. Denn weitere Startversuche können noch mehr zerstören.

Falscher Knopf, alles weg

Ein ähnlicher Ratschlag gilt auch beim unabsichtlichen Löschen von Daten: Nicht selber herumprobieren, sondern besser Strom aus. Denn in Wirklichkeit sind die Daten bei HDDs noch da, erklärt Ehrschwendner: „Der Computer verwaltet die Daten ähnlich wie bei einem Inhaltsverzeichnis eines Buches. Wird eine Datei gelöscht, so wird sie im Verzeichnis als gelöscht markiert, aber die Daten selbst verbleiben noch an der alten Position und werden zum Überschreiben freigegeben.“ Wer jetzt weiterarbeitet oder gar Rettungssoftware installiert, läuft Gefahr, damit genau seine gesuchten Daten zu überschreiben.

Auch SSDS haben ein Ablaufdatum 

Bei Solid State Discs, kurz SSDs werden die Daten elektronisch auf Chips gespeichert, der Zugriff ist dadurch schneller und es gibt auch keine mechanischen Teile mehr. Dies ist allerdings kein Grund, dass Datenretter arbeitslos werden, denn die Lebenszeit der Zellen in den Chips ist stark beschränkt. Einzig bei gelöschten Daten einer SSD sind die Chancen auf Rettung bauartbedingt sehr gering.

Wissen, was zu tun ist

Dank DSGVO haben Firmen nun meist ausführliche Richtlinien zum Thema Datenschutz, Datenrettung bleibt hier aber meist außen vor. Ehrschwendner appelliert daher, dass IT-Verantwortliche sich bereits vor dem Tag X entspannt Gedanken machen: „Datenrettung sollte Teil der Sicherheitsrichtlinien sein. Dazu gehört: Welche Datenretter gibt es für welches Fehlerbild, welche wähle ich aus und wie sollen sich die eigenen Kollegen bei Datenverlust idealerweise verhalten?“ Denn in der Panik ist es Unternehmen unmöglich, einen geeigneten Partner auszuwählen, und so passiert es schon mal, dass die Datenträger – und damit sensible Firmendaten – unwissentlich im Ausland landen, weil der Datenretter sie an einen Subunternehmer weitergegeben hatte. Ein Szenario, das unter Umständen noch schlimmer ist, als der Verlust.

Autor/in:
Mag. Stephan Strzyzowski
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