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Wo die Zahlung am häufigsten ausbleibt

14.11.2016

Abnehmer aus den USA lassen österreichische Unternehmer momentan vermehrt auf ihr Geld warten. Dieser starke Anstieg der Zahlungsverzüge amerikanischer Abnehmer hat das Land auf Platz 3 der Länder mit den höchsten Verzügen katapultiert. Türkei und Mexiko führen die Liste an.

Die OeKB Versicherung veröffentlicht erneut die zehn Exportländer mit den höchsten Verzügen per Ende September 2016. Für die Entwicklung der Verzüge und der Schäden wurden die Werte zum Ende des dritten Quartals 2016 mit den Zahlen des zweiten Quartals 2016 verglichen.

Auf Zahlungsverzug folgt meist Schaden

In 75 Prozent der Fälle ist ein Verzug der Vorläufer eines Schadensfalles. Das restliche Viertel resultiert aus der Insolvenz von Abnehmern. „Wenn unsere Versicherungsnehmer steigende Verzüge melden, dann ist das für uns ein wichtiger Indikator für die zukünftige Entwicklung eines Landes. Denn genau in diesen Ländern werden erfahrungsgemäß auch die Schäden steigen“, erklärt Karolina Offterdinger, Vorstand der OeKB Versicherung – eine Marke der in Österreich führenden Kreditversicherung Acredia Versicherung AG.

USA und Mexiko: Spitzenplatzierung mit dem höchsten Anstieg an Zahlungsverzügen

Die Vereinigten Staaten von Amerika nehmen erstmals einen Platz in der Liste jener zehn Länder ein, aus denen Zahlungen an österreichische Unternehmen am häufigsten ausbleiben. Die möglichen Ursachen für die plötzliche finanzielle Schwäche US-amerikanischer Unternehmen sind neben dem niedrigen Ölpreis auch der rückläufige Privatkonsum, die sinkenden lokalen Investitionen sowie die politische Unsicherheit rund um die Präsidentschaftswahl. „All das hat negative Auswirkungen auf das Wachstumspotenzial der US-amerikanischen Wirtschaft und als eine führende Wirtschaftsmacht wirkt sich diese Entwicklung wesentlich auf ihre Handelspartner aus“, so Offterdinger. Gemäß seiner aktuellsten Einschätzung geht der Internationale Währungsfonds (IWF) für 2016 von einem verlangsamten Wachstum von 1,6 Prozent gegenüber den 2,6 Prozent von 2015 aus.

Auch für Mexiko erwartet der IWF sinkende Wachstumsraten (2016: 2,1 %; 2015: 2,3 %). Laut Offterdinger keine überraschende Voraussage: „Man sagt ja auch ‚When US sneezes, Mexico catches a cold‘.“ Durch die enge wirtschaftliche Verknüpfung mit den USA sei Mexiko von deren Wirtschaftsentwicklung abhängig. „Immerhin gehen etwa 80 Prozent der Exporte Mexikos in die Vereinigten Staaten.“ Und umgekehrt ist Mexiko nach Kanada auch einer der wichtigsten Handelspartner der USA. Die Kreditversicherung beobachtet die Vereinigten Staaten und die weiteren Entwicklungen laufend. Denn dieser sprunghafte Anstieg der Verzüge sei erst ein Vorbote der weiteren Entwicklung.

Ecuador: Sinkende Rohstoffpreise lassen Verzüge steigen

Die hohe Abhängigkeit von Erdölexporten und die konstant niedrigen Ölpreise schwächen die wirtschaftliche Entwicklung Ecuadors. Erdöl ist neben Bananen und Shrimps der wichtigste Wirtschaftssektor des Landes. Auch das Erdbeben heuer im April stellt das Land vor große Herausforderungen. Der IWF erwartet demnach 2016 ein negatives Wirtschaftswachstum (2016:-2,3 %; 2015: 0,3 %).

Peru: Steigende Zahlungsverzüge durch steigende Exporte

Versicherungsnehmer der OeKB Versicherung liefern verstärkt nach Peru. Laut Offterdinger sei daher ein Anstieg der Verzüge zu erwarten gewesen. „Verspätet eintreffende Zahlungen sind heute noch kein Grund zur Beunruhigung, sondern einfach eine logische Folge der verstärkten wirtschaftlichen Beziehungen“, kommentiert Offterdinger die Entwicklung. Für Peru prognostiziert der IWF nunmehr ein Wirtschaftswachstum von 3,7 Prozent (2015: 3,3 %).

www.acredia.at

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