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Trotz Krise investieren einige heimische Industriebetriebe in die Zukunft

Wo die Industrie jetzt investiert

19.10.2020

Wer in unsicheren Zeiten Geld in die Hand nimmt, braucht Mut. Den beweisen aktuell diverse heimische Industriebetriebe, die nicht vor geplanten Vor­haben zurückschrecken. 
Zum Glück.

Wie volatil die Wirtschaftslage derzeit ist, zeigt ein Stimmungsbild aus Niederösterreich. Während im Herbst 2019 noch 36 Prozent der Unternehmen Neuinvestitionen planten, waren es im Mai nur noch 19 Prozent, wie eine Umfrage der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ) zeigt. Der Anteil jener Unternehmen, die keine Investitionen planen, hat sich hingegen verdoppelt: Er liegt im Mai bei 38,8 Prozent. 

Ein wesentlich optimistischeres Bild zeichnet eine Karmasin-­Studie im Auftrag des Landes Niederösterreich, die im Sommer durchgeführt wurde. Zwar gaben fast 80 Prozent der befragten Unternehmer an, dass sie von der Krise hart getroffen wurden. Dennoch planen 41 Prozent im Herbst Investitionen oder Neuaufnahmen von Mitarbeitern.
Ist Niederösterreich hier ein positiver Sonderfall? Ein Rundumblick auf die Investitionsvorhaben der Industrie in den Bundesländern zeigt: Diese Phase der Ungewissheit hält viele Unternehmen nicht von ihren Expansionsplänen ab. Eine Tatsache, die sich auch auf die jeweilige Region mit ihren mittelständischen Betrieben durchaus positiv auswirkt. Ergeben sich doch aus großen Investitionsprojekten jede Menge Aufträge für andere Unternehmen, was wiederum Arbeitsplätze sichert.

Klares Wachstums

Signal In der Steiermark investiert zum Beispiel die Admonter Holzindustrie AG im Zeitraum von 2020 bis 2022 insgesamt 25,5 Millionen Euro in Anlagen, Maschinen und Digitalisierung. „Wir sind stolz darauf, gerade in Zeiten wie diesen, solche Investitionen tätigen zu können und mit Mut und Zuversicht in die Zukunft zu blicken. Wir setzen damit ein klares Signal auf Wachstum und Bekenntnis zum Standort“, sagt Wirtschaftsdirektor und Aufsichtsratsvorsitzender des Benediktinerstiftes Admont Franz Pichler.
Auch der Leiterplattenhersteller AT&S bleibt in puncto Investitionen auf Kurs. Das Unternehmen plant, über einen Zeitraum von vier Jahren bis zu 120 Millionen Euro in ein Technologie-Upgrade zu investieren. Bis 2023 sollen damit am Standort Leoben-Hinterberg 200 zusätzliche Jobs geschaffen werden. Mit der Investition kann die Produktionskapazität der sogenannten IC-Cores – sie ermöglichen die Integration der Prozessoren und Mikrochips auf der Leiterplatte – um 50 Prozent gesteigert werden. Derzeit werden in Leoben-Hinterberg pro Jahr 225.000 Panels produziert, das entspricht einer Fläche von 56.000 m² oder fast acht Fußballfeldern. Nach dem Technologie-Upgrade können knapp 340.000 Panels produziert werden.

Aus der Krise heraus

„In den Industriestandort Steier­mark gerade in dieser Phase der Ungewissheit zu investieren, ist nicht nur ein wichtiges Signal, sondern auch unabdingbar. Wir denken nicht nur daran, durch diese Krise zu kommen, sondern auch aus ihr heraus“, meint dazu Stefan Stolitzka, Präsident der Industriellenvereinigung Steiermark.

In Oberösterreich setzt Loxone, Spezialist für intelligente Gebäudeautomation, im Herbst ein bereits länger geplantes Projekt um. 55 Millionen Euro werden in den Standort Kollerschlag investiert. Damit entsteht auf knapp acht Hek­tar der Loxone Campus – ein in Europa einzigartiges Projekt aus Büro, Hotel, Schulungs- sowie Logistikzentrum. Die geplante Fertigstellung ist im ersten Quartal 2023. Die Unternehmen Nordfels und M-Tron in Bad Leonfelden halten ebenfalls an ihren Vor-Corona-Plänen fest und nehmen insgesamt mehr als 17 Millionen Euro in die Hand. M-Tron, internationaler Spezialbetrieb für Aufzugstechnik und Sonderprojekte in den Bereichen Metallverarbeitung und Stahlbau, baut auf einem 20.000 Quadratmeter großen Areal einen Gebäudekomplex, der ein neues Produktionsgebäude und Büroräumlichkeiten beherbergt. Nordfels GmbH, der Maschinenbaubetrieb mit Schwerpunkt Automatisierung von Hightech-Anwendungen für die Industrie, schafft mit seinem Erweiterungsbau bis zu 50 neue Arbeitsplätze.

Neue Recycling-Anlage

Die Treibacher Industrie ist mit 800 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber in Kärnten und produziert Hochleistungskeramik für den Zahnersatz, treibstoffsparende Flugzeug-Beschichtungen und Zusatzstoffe für Waschpulver und Wasseraufbereitung. Am Standort Althofen werden nach eigenen Angaben 100 Mio. Euro investiert. Eine Recycling-Anlage wird damit neu gebaut und die bestehende Anlage ersetzt. 

Auch die Entscheidung der Wagner GmbH, im Vorarlberger Nüziders drei Millionen zu investieren, fiel noch vor dem Lockdown. Das Familienunternehmen, das in den Bereichen Anlagenbau, Energieversorgung und Haustechnik tätig ist, baut unter anderem eine rund 650 Quadratmeter große Montagehalle. „Durch ein innovatives Heiz- und Kühlsystem ist die neue Halle ganzjährig klimatisiert, verbraucht keine Ressourcen und produziert sogar Energie mit einer Kombination aus Photovoltaik-Anlage und Grundwasserkollektor“, erklärt Geschäftsführer Martin Wagner.

Text: Markus Mittermüller

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