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Eveline Pupeter fühlt sich im Credo ihres Unternehmens bestätigt: Die älteren Menschen müssen digitalisiert werden.

Wir verfolgen unsere langfristigen Ziele

10.04.2020

Eveline Pupeters Unternehmen Emporia Telecom war aufgrund der Fertigung in China schon früh mit der Corona-Krise konfrontiert. Wie sich die Lage in Shenzhen aktuell gestaltet, warum die Zeit gerade gut ist, um neue Projekte anzustoßen und wie praktikabel die Maßnahmen der Regierung sind, erklärt die Unternehmerin im Interview.

Ihr Unternehmen Emporia stellt in China Smartphones her, die für die ältere Generation optimiert sind. Wie ist die Lage vor Ort?

Ich bin laufend mit unserem Technik-Chef  in Shenzhen, einem Mühlviertler, in Gespräch. Er ist für die Produktion verantwortlich und berichtet mir, dass mittlerweile wieder alles soweit unter Kontrolle ist. Durch unsere Fertigung in China haben wir uns schon sehr früh mit dem Corona-Virus befassen müssen, denn unserer 30 Mitarbeiter durften nach den traditionellen Neujahrs-Ferien ihre Arbeit nicht mehr antreten. Das war am 10. Februar. China scheint die Krise aber mittlerweile gut bewältigt zu haben. Nachdem zwei Monate lang alles still gestanden ist, läuft der Betrieb in Shenzhen nun wieder ganz normal.

Bei Ihnen gab es keinen Krankheitsfall?

Zum Glück nicht. Weder in China noch hier in Linz. In Shenzhen sind allerdings die Vorsichtsmaßnahmen sehr rigoros. Bevor man Büros und Fabriken wieder aufsperrt, muss man nachweisen, dass alles desinfiziert wurde und dass man ausreichend Masken hat. Da wir in China schon früh gesehen haben, wie rasch sich dieses Virus ausbreiten kann, haben wir uns entschieden, in Österreich zwei Schichten zu fahren, als die Krise hier losgegangen ist. Damit die Teams wechseln können, wenn etwas passiert. Denn von Österreich geht die Ware raus.

Läuft der Betrieb in Österreich in vollem Umfang?

Seit 19.3 haben wir Kurzarbeit, allerdings nicht für alle Mitarbeiter, da wir manche Bereiche, wie das Lager oder die Reparatur, nicht komplett herunterfahren können. Letzte Woche gab es dann die positive Überraschung, dass Hartlauer am Dienstag wieder aufsperren darf. Das ist in Österreich unser größter Kunde. Deswegen stehen jetzt Lieferungen an, die raus müssen. Wir holen also schon mit nächster Woche wieder Mitarbeiter aus der Kurzarbeit raus.

Wie stark hat euch die Krise bis jetzt getroffen?

Wirtschaftlich spüren wir den Shutdown natürlich. Aber wir fühlen uns auch in unserem Credo bestätigt: Die älteren Menschen müssen digitalisiert werden. Sebastian Kurz spricht aktuell von zwei Millionen Menschen in Österreich, die kein  Smartphone haben. Sie brauchen in dieser Situationen natürlich mehr denn je eine funktionierende Anbindung an die digitale Welt. Nun versuchen wir entsprechende Initiativen zu starten. Die harte wirtschaftliche Realität ist, dass wir im März einen Umsatzrückgang von rund 30% hatten. Im April ist es noch nicht abzuschätzen.

Lässt sich das aufholen, wenn die Geschäfte wieder öffnen?

Wir glauben nicht an große Nachholeffekte. Doch es gibt auch Lichtblicke. Viele Menschen haben jetzt mehr Zeit. Diesen Umstand nützen wir, um mit Geschäftspartnern neue Projekte anzustoßen.

Und das trifft jetzt auf offene Ohren?

Überraschender Weise. Ja! Wir konnten zum Beispiel eine große Kooperation mit einer belgischen Bank abschließen, die Smartphones von uns mit vorinstallierter Banking-App an Mitarbeiter und Kunden rausgeben wird. Wir sehen, dass jetzt in Wochen klappen kann, was sonst Monate dauert. Wir konnten auch einen großen deutschen Netzbetreiber als Partner gewinnen. Die Notwendigkeit, die Älteren zu digitalisieren, wird jetzt erkannt. Das kommt uns zugute.

"Wir verfolgen unsere langfristigen Ziele auch in der Krise mit unverminderter Kraft."

Wie beurteilten Sie die Maßnahmen der Regierung?

Sie sind natürlich sinnvoll und hilfreich, verwaltungstechnisch aber sehr aufwändig. Es ist schwierig, da man im Vorhinein festlegen muss, wer in Kurzarbeit geht und in welchem Ausmaß. Das im Realbetrieb auch so abzubilden, ist schwierig. Oft stellt sich dann heraus, dass man andere Leute braucht, als jene, die man behalten hat. Darauf muss man reagieren und wieder alles ändern. Das Management ist also komplex. Wir wissen ja nicht, wann Bestellungen oder Reparaturen reinkommen.

Habt ihr eine generelle Strategie, um gut durch die Krise zu kommen?

Ja. Wir verfolgen unsere langfristigen Ziele auch in der Krise mit unverminderter Kraft. Wir haben jetzt mehr Ressourcen dafür. Und die aktuelle Situation zahlt voll auf unser Thema, die dringend notwendige Digitalisierung der älteren Menschen, ein. Im Tagesgeschäft reagieren wir möglichst zeitnah auf Entwicklungen, um bestmöglich für unsere Kunden da zu sein. Die Gehälter unserer Mitarbeiter versuchen wir sogar vor der Zeit zu zahlen, um größtmögliche Stabilität und Sicherheit zu signalisieren.

Gibt es etwas, das Ihnen aktuell Mut macht?

Mein super Team und die tolle Führungsmannschaft. Die sind so wach und hell, da wird keine Stunde an der Zukunft gezweifelt. Mir macht auch Hoffnung, dass in China nach zwei Monaten Shut-Down wieder Business as usual läuft. Zwar sind die Maßnahmen streng, aber dafür gibt es derzeit auch  keine sichtbaren  Anzeichen, dass die Infektionen dort wieder aufflammen werden.

Autor/in:
Mag. Stephan Strzyzowski
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