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Wie tickt Österreich im Klimaverhalten?

26.03.2019

Experten der Joanneum Research befragten 18.000 Europäer zu ihrem Klima- und Energieverhalten, darunter auch 600 aus Österreich. Darüber, dass  jeder Einzelne etwas dazu beitragen muss, dass  die Klimaziele erreicht werden, herrscht laut Studie größtenteils Einigkeit. Doch der Weg zum Stopp der Klimaerwärmung ist steil. Was Einzelpersonen oder Familien ohne Verlust von Lebensqualität dazu beitragen können und was die größten Klimasünden sind, fassen die Experten von Life, dem Zentrum für Klima, Energie und Gesellschaft, zusammen.

Im Rahmen des EU-Projekts „Echoes“ wurden 18.000 Europäerinnen und Europäer im Herbst 2018 mittels detaillierter Fragebögen befragt. „Anhand der repräsentativen Datenbasis konnten wir errechnen, wie sich der Energieverbrauch und der Treibhausgas-Ausstoß von Bevölkerungsgruppen mit verschiedenen Arten der Lebensführung zusammensetzen“, fasst Neil Bird, Experte für Lebenszyklusanalysen von LIFE, zusammen. Berücksichtigt wurden die Bereiche Wohnen, Mobilität, Konsum, Ernährung, Freizeitverhalten und Informationsbeschaffung.

Dabei zeigte sich, dass sich eigene Entscheidungen besonders stark beim Wohnen und in der Mobilität auf die persönliche Klimabilanz auswirken: So haben die klimaschädlichsten zehn Prozent der Bevölkerung beim Wohnen einen rund viermal so großen und bei ihrer Mobilität sogar einen etwa achtzehnmal so großen Treibhausgas-Ausstoß wie jene zehn Prozent mit dem klimafreundlichsten Lebensstil.

Aber was sind eigentlich die treibenden Kräfte hinter dem Klimaverhalten? Unser tägliches Leben ist stark von Routinen geprägt. Um diese zu ändern, braucht man Alternativen, die mit dem restlichen Leben vereinbar sind. „Die Auswertungen haben ergeben, dass das Problembewusstsein in der Bevölkerung sehr ausgeprägt ist. Die Motivation, das Ruder selbst in die Hand zu nehmen, fehlt aber oft noch, weil viele gar nicht so genau wissen, wo sie anfangen sollen. Und dass kaum jemand bereit ist, von heute auf morgen sein ganzes Leben umzukrempeln, ist keine Überraschung“, erläutert Stephan Schwarzinger, Experte für nachhaltige Lebensstile bei Life. Die Experten sind daher überzeugt, dass eine schrittweise Annäherung an eine klimafreundliche Lebensweise funktionieren kann und als Chance für Wirtschaft und Gesellschaft gesehen werden muss. „Es geht weniger um Verzicht, als um das Ersetzen oder Verbessern von klimaschädlichen Verhaltensweisen.“ Wenn jede Einzelperson jede Woche eine klimabelastende Verhaltensweise mit einer nachhaltigeren ersetzte, rücke die Erreichung der Klimaziele in greifbare Nähe. „Jede und jeder kann etwas tun!“, appellieren die Experten für nachhaltige Lebensstile.

Die Forscher optimieren auch ihren eigenen Lebensstil in Richtung besserer Klimaverträglichkeit: Der Direktor des Zentrums Life und langjährige Vegetarier Franz Prettenthaler entscheidet situationsabhängig zwischen dem Fahrrad und einem gut besetzten Hybrid-Auto, Hobbypilot Stephan Schwarzinger bewältigt seinen Alltag mit dem Rad und kompensiert dadurch mehr Emissionen als er mit seinem Hobby jährlich verursacht, und auch der gebürtige Kanadier Neil Bird pendelt täglich mit dem Zug zwischen Gleisdorf und Graz und kompensiert so die gelegentlichen Besuche in seiner alten Heimat.

„Wenn jeder und jede Einzelne versucht, unter den österreichischen Durchschnittsemissionen des Vorjahres zu liegen, bewegen wir uns gemeinsam in die richtige Richtung!“, zeichnet Franz Prettenthaler einen Weg zur Erreichung der Pariser Klimaziele vor.

Was man selbst am besten tun kann, um seine individuelle Klimabilanz zu verbessern, ist rasch auf dieser Webseite herauszufinden: www.lifestylecheck.at

Original erschienen am 26.03.2019: Die Wirtschaft.
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