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Wer Ideen fördert

15.05.2019

Forschung und Entwicklung sind für die Industrie überlebenswichtig. Vier Anlaufstellen stellen Förderungen zur Verfügung. Aktuelle Beispiele zeigen, dass der Hebel wirkt.

Gerade für die exportorientierte österreichische Industrie sind Investitionen in Forschung und Entwicklung ein Muss. Sie sorgen dafür, dass Produkte und Produktionsprozesse wettbewerbsfähig bleiben. Firmen, die mehr als fünf Prozent ihres Umsatzes für F & E ausgeben, können laut Wifo ihre Beschäftigtenzahl im Schnitt um vier Prozent pro Jahr erhöhen – je höher also die Forschungsquote, desto höher auch die Widerstandsfähigkeit.

Vier Institutionen der Forschungsförderung

Allerdings bergen gerade längerfristige Forschungsprojekte Risiken – denn niemand weiß, ob am Ende auch ein marktreifes Produkt steht. Deshalb übernehmen in Österreich vier Gruppen von Institutionen die Aufgabe, dem Mittelstand, der Industrie und Start-ups bei der Finanzierung und Beratung zur Seite zu stehen. Das ist erstens der Wissenschaftsfonds FWF, der Forschung in der klassischen Wissenschaft kofinanziert. Zweitens die Forschungsförderungsgesellschaft (FFG). FFG-Programme richten sich an Projekte, bei denen noch Entwicklungsschritte bis zur Marktreife fehlen. Drittens bieten die Bundesländer eigene Programme und Beratungen an. Viertens schließlich das Austria Wirtschaftsservice: eine Spezialbank, die den Schwerpunkt auf den Bereich der Finanzierung von Neugründungen und Investitionsvorhaben legt. Die FFG hält das breiteste Angebot vor. Ganze 3854 Projekte hat diese Institution im Vorjahr unterstützt und dabei Förderungen von 833 Millionen Euro ausgeschüttet. Die Hebelwirkung, die diese Gelder in den Unternehmen auslösen, ist groß: „In keinem Industrieland der OECD investiert die Wirtschaft strukturbereinigt mehr in Forschung und Entwicklung als in Österreich“, so die FFG heuer im März bei ihrer Bilanz des Vorjahres. Das belegen auch einige aktuelle Projektbeispiele.

Geförderte Praxisbeispiele: Rohöl aus Müll

Die OMV, der mit Abstand größte heimische Industriekonzern, arbeitet gerade im Projekt namens „Reoil“ an der Umwandlung von Kunststoffmüll in Rohöl. Das Verfahren klingt einfach, ist in Wirklichkeit aber sehr komplex: Verpackungsabfälle werden zerkleinert und mit einem chemischen Lösungsmittels auf 300 Grad erhitzt. Dabei werden langkettige Kohlenwasserstoffverbindungen in kurzkettige Rohölverbindungen umgewandelt. Eines Tages soll die Pilotanlage in Schwechat, die schon in Betrieb ist, rund ein Drittel des heimischen Plastikmülls recyceln.

Plastik zu Ersatzbrennstoff

Der steirische Abfallwirtschaftsbetrieb Saubermacher entwickelt über seine Firmentochter Thermoteam gerade neuartige Verfahren, wie man Plastikabfall in hochwertigen Ersatzbrennstoff verwandelt. In einer Anlage in Feldkirchen bei Graz sind dazu schon ein Vorzerkleinerer, ein Windsichter und ein Sieb in Betrieb. Der fertige Ersatzbrennstoff geht direkt an ein benachbartes Zementwerk – wobei nach Firmenangaben umgerechnet 79.000 Tonnen Steinkohle eingespart werden.

Upcycling von PET

In die andere Richtung geht es beim Maschinenbauer NGR aus Feldkirchen an der Donau. Vor wenigen Wochen haben die Oberösterreicher eine neuartige Technologie vorgestellt, die den Kunststoff PET vom Abfall zurück in hochwertigen Grundstoff verwandelt. Dabei wird in einem „Aufbereitungsreaktor“ dem Plastikmüll beim Schmelzen Wasser entzogen, bevor es in einem Hochleistungsvakuum entgiftet wird. Das Ergebnis: reine PET-Schmelze, die man wieder zu Trinkflaschen verarbeiten kann.

3D-Druck mit Titan

An schmelzenden Materialien forscht auch gerade Joanneum Research – allerdings geht es hier um Titan, Aluminium und Vanadium. Das Ziel: aus der Legierung daraus Pulver zu machen und dann damit Leichtbauteile aus dem 3D-Drucker herzustellen, die man wiederum für Flugzeuge oder Elektroautos benötigt. Eine besonders anspruchsvolle Technik, denn bekanntlich lässt sich Titan nicht so einfach einschmelzen und verarbeiten wie Plastik. Allerdings klingen mögliche künftige Anwendungen sehr vielversprechend. Entsprechend groß ist das Interesse der Industrie: Bei diesem Projekt sind der Flugzeugzulieferer FACC, der Stahlriese voestalpine und das niederösterreichische Ingenieurbüro Prime Aerostructures an Bord.

 

Autor/in: 

PETER MARTENS

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