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Wenn Schüler zu Lehrern werden

06.06.2016

Die einen geben den Takt vor, die anderen hecheln hinterher oder kommen gar nicht mit: Eine digitale Kluft trennt gesellschaftliche Gruppen. Neue Ansätze wie Reverse Mentoring und Technikvermittlung in der Schule sollen den Graben verkleinern.

Künstliche Intelligenz, Roboter und Computer sind der Menschheit schon jetzt große Stützen – die Digitalisierung ist im Alltag und in der Berufswelt angekommen und bringt viele Vorteile. Die Tatsache, dass in Zukunft kaum ein Lebensbereich ohne Vernetzung auskommen wird, stellt die Gesellschaft aber auch vor Herausforderungen: Wie viele und welche Jobs wird uns die Technologie abnehmen? Was bleibt dann noch für uns zu tun? Und was passiert mit Menschen, die mit der Technologie nicht mithalten können, die keine entsprechende Ausbildung haben und keine Arbeit mehr finden?

Der Zukunftsexperte Gerd Leonhard traute sich im April auf der Konferenz SubOptic 2016 in Dubai folgende Prognose zu: „Mit Vernetzung und verwandten Technologien werden 2030 ungefähr 40 bis 60 Prozent aller Jobs komplett von Maschinen erledigt werden. Also Arbeiten wie Bodenwischen in Flughafenterminals, Cappuccinos zubereiten oder auch Vermögensberatung.“ Denn auch Bereichen wie Finanzen, Immobilien, Medizin, Energie und Lebensmittel stehe der Umbruch noch bevor. Industrien wie Medien, Telekommunikation und das Transportwesen haben ihn in den vergangenen Jahren schon erlebt.

Michael Landertshammer, Abteilungsleiter für Bildungspolitik in der WKO sowie Geschäftsführer des WIFI, sieht keinen Grund für Panik: „Ich gehöre zu denen, die mehr Chancen in der Industrie 4.0 sehen.“ Es habe schon mehrere technische Revolutionen gegeben, die nie das Ende der Arbeit bedeutet haben. Und: „Wir haben heute wesentlich weniger Arme und Hungernde als noch vor 20 Jahren.“  

Computerkurs für Ältere

Und dennoch: Zweifellos geht durch die Gesellschaft so etwas wie ein „Digital Gap“, also eine digitale Kluft. Das heißt: Die einen, vor allem junge Menschen, die mit dem Internet und vernetzten Technologien groß werden, stehen an vorderster Front, haben selten mit der Bedienung von Technik Probleme und lernen auch schneller, selbst etwas zu programmieren. Ältere haben häufiger Schwierigkeiten und müssen selbst das Benutzen von Smartphones oder Computerprogrammen erst einmal lernen – geschweige denn, dass sie wüssten, was es braucht, um eine App zu programmieren. Aber in Zeiten, in denen Fabriken digitalisiert werden, jeder Händler einen Onlineshop hat und in jedem Unternehmen mit Computern und diversen Spezialprogrammen gearbeitet wird, kann das zum Problem werden. Nicht selten landen ältere Arbeitnehmer nach einem Jobverlust in einem Computerkurs, in dem sie sich erst einmal Basiswissen erarbeiten.

Aus Sicht von Landertshammer dürfen diese Menschen nicht im Regen stehen gelassen werden: „Es wäre falsch, auf eine ganze Gruppe der Gesellschaft zu verzichten und jemanden, der noch ein paar Jahre arbeiten müsste und will, in Frühpension zu schicken.“ Genauso falsch sei es, diese Menschen zwangszuverpflichten und ihnen zu sagen: „Jetzt ist IT angesagt.“ Richtig wäre dagegen ein Talentecheck, sodass eine Person, die zum Beispiel ihr Leben lang Verkäufer war, eine neue Aufgabe findet, für die es nur einer eher kurzen Einschulung bedarf: „Vielleicht ist so jemand gut im Überzeugen und Sprechen und lässt sich gut in einem Call Center einsetzen.“ 

Mentoring einmal anders

Innerhalb von Unternehmen gibt es neben Weiterbildungen auch andere Möglichkeiten, zum Beispiel ein sogenanntes Reverse ­Mentoring. Dabei wird das tradierte Mentorenkonzept umgedreht und ein Digital Native coacht einen „alten Hasen“ in Sachen Internet und Technologie. Auch Michael Landertshammer macht gerade ein solches Mentoring mit einem jungen Kollegen: „Ich finde das genial. Wir sind jetzt schon zweimal zusammengesessen, und der Kollege hat mir Dinge gezeigt, die zum Teil nicht einmal meine Kinder wissen.“ Optimistisch stimmen Landertshammer auch so manche Studienergebnisse. So hat etwa das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) erhoben, dass nur jedes zehnte Unternehmen, das digital stark aufgestellt ist, kurzfristig Jobs abbauen will. Gut ein Drittel dieser Unternehmen plane hingegen, innerhalb eines Jahres mehr Mitarbeiter einzustellen. Auch auf fünf Jahre gesehen wolle ein Großteil der Firmen eher neue Arbeitsplätze schaffen als abbauen. Davon würden insbesondere Fachkräfte mit einer abgeschlossenen beruflichen Aus- oder Fortbildung sowie Akademiker profitieren, heißt es. 

Vorbereitung in der Schule

Letzteres zeigt, wie wichtig die Ausbildung, aber auch das ständige Weiterlernen für die Zukunft sind. Für Michael Landertshammer beginnt der Bedarf schon in der Schule und sogar im Kindergarten. Im Alter von drei bis fünf Jahren werde die Basis für die Zukunft gelegt, womit Kindergartenpädagogen eine hohe Verantwortung zukommt. In der Schule müsse die Basis im Programmieren, aber auch die Funktionsweise von Algorithmen vermittelt werden. Und wichtig sei, dass Anwendungssoftware „nicht nur irgendwie gekonnt, sondern wirklich beherrscht wird.“

Künstliche Intelligenz, Roboter und Computer sind der Menschheit schon jetzt große Stützen – die Digitalisierung ist im Alltag und in der Berufswelt angekommen und bringt viele Vorteile. Die Tatsache, dass in Zukunft kaum ein Lebensbereich ohne Vernetzung auskommen wird, stellt die Gesellschaft aber auch vor Herausforderungen: Wie viele und welche Jobs wird uns die Technologie abnehmen? Was bleibt dann noch für uns zu tun? Und was passiert mit Menschen, die mit der Technologie nicht mithalten können, die keine entsprechende Ausbildung haben und keine Arbeit mehr finden?

Der Zukunftsexperte Gerd Leonhard traute sich im April auf der Konferenz SubOptic 2016 in Dubai folgende Prognose zu: „Mit Vernetzung und verwandten Technologien werden 2030 ungefähr 40 bis 60 Prozent aller Jobs komplett von Maschinen erledigt werden. Also Arbeiten wie Bodenwischen in Flughafenterminals, Cappuccinos zubereiten oder auch Vermögensberatung.“ Denn auch Bereichen wie Finanzen, Immobilien, Medizin, Energie und Lebensmittel stehe der Umbruch noch bevor. Industrien wie Medien, Telekommunikation und das Transportwesen haben ihn in den vergangenen Jahren schon erlebt.

Michael Landertshammer, Abteilungsleiter für Bildungspolitik in der WKO sowie Geschäftsführer des WIFI, sieht keinen Grund für Panik: „Ich gehöre zu denen, die mehr Chancen in der Industrie 4.0 sehen.“ Es habe schon mehrere technische Revolutionen gegeben, die nie das Ende der Arbeit bedeutet haben. Und: „Wir haben heute wesentlich weniger Arme und Hungernde als noch vor 
20 Jahren.“  

Computerkurs für Ältere

Und dennoch: Zweifellos geht durch die Gesellschaft so etwas wie ein „Digital Gap“, also eine digitale Kluft. Das heißt: Die einen, vor allem junge Menschen, die mit dem Internet und vernetzten Technologien groß werden, stehen an vorderster Front, haben selten mit der Bedienung von Technik Probleme und lernen auch schneller, selbst etwas zu programmieren. Ältere haben häufiger Schwierigkeiten und müssen selbst das Benutzen von Smartphones oder Computerprogrammen erst einmal lernen – geschweige denn, dass sie wüssten, was es braucht, um eine App zu programmieren. Aber in Zeiten, in denen Fabriken digitalisiert werden, jeder Händler einen Onlineshop hat und in jedem Unternehmen mit Computern und diversen Spezialprogrammen gearbeitet wird, kann das zum Problem werden. Nicht selten landen ältere Arbeitnehmer nach einem Jobverlust in einem Computerkurs, in dem sie sich erst einmal Basiswissen erarbeiten.

Aus Sicht von Landertshammer dürfen diese Menschen nicht im Regen stehen gelassen werden: „Es wäre falsch, auf eine ganze Gruppe der Gesellschaft zu verzichten und jemanden, der noch ein paar Jahre arbeiten müsste und will, in Frühpension zu schicken.“ Genauso falsch sei es, diese Menschen zwangszuverpflichten und ihnen zu sagen: „Jetzt ist IT angesagt.“ Richtig wäre dagegen ein Talentecheck, sodass eine Person, die zum Beispiel ihr Leben lang Verkäufer war, eine neue Aufgabe findet, für die es nur einer eher kurzen Einschulung bedarf: „Vielleicht ist so jemand gut im Überzeugen und Sprechen und lässt sich gut in einem Call Center einsetzen.“ 

Mentoring einmal anders

Innerhalb von Unternehmen gibt es neben Weiterbildungen auch andere Möglichkeiten, zum Beispiel ein sogenanntes Reverse ­Mentoring. Dabei wird das tradierte Mentorenkonzept umgedreht und ein Digital Native coacht einen „alten Hasen“ in Sachen Internet und Technologie. Auch Michael Landertshammer macht gerade ein solches Mentoring mit einem jungen Kollegen: „Ich finde das genial. Wir sind jetzt schon zweimal zusammengesessen, und der Kollege hat mir Dinge gezeigt, die zum Teil nicht einmal meine Kinder wissen.“ Optimistisch stimmen Landertshammer auch so manche Studienergebnisse. So hat etwa das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) erhoben, dass nur jedes zehnte Unternehmen, das digital stark aufgestellt ist, kurzfristig Jobs abbauen will. Gut ein Drittel dieser Unternehmen plane hingegen, innerhalb eines Jahres mehr Mitarbeiter einzustellen. Auch auf fünf Jahre gesehen wolle ein Großteil der Firmen eher neue Arbeitsplätze schaffen als abbauen. Davon würden insbesondere Fachkräfte mit einer abgeschlossenen beruflichen Aus- oder Fortbildung sowie Akademiker profitieren, heißt es. 

Vorbereitung in der Schule

Letzteres zeigt, wie wichtig die Ausbildung, aber auch das ständige Weiterlernen für die Zukunft sind. Für Michael Landertshammer beginnt der Bedarf schon in der Schule und sogar im Kindergarten. Im Alter von drei bis fünf Jahren werde die Basis für die Zukunft gelegt, womit Kindergartenpädagogen eine hohe Verantwortung zukommt. In der Schule müsse die Basis im Programmieren, aber auch die Funktionsweise von Algorithmen vermittelt werden. Und wichtig sei, dass Anwendungssoftware „nicht nur irgendwie gekonnt, sondern wirklich beherrscht wird.“

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