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Wenn die Family Business macht

17.05.2017

Familienbetiebe denken und handeln über Generationen hinweg. Ihre größte Gefahr ist ein Abdriften in anonyme Größe. Familie oder Organisation, das ist hier die Frage.

Sind Familienbetriebe besser als Konzerne oder Aktiengesellschaften? Dieser Frage gehe ich seit vielen Jahren nach. Und ich bekenne: Als ich meine Werbeagentur in Wien hatte, habe ich lieber mit inhabergeführten Unternehmen gearbeitet. Da hatte ich die Frau Müller der Firma Müller als Ansprechpartnerin. Auf ihr Wort konnte ich mich verlassen. Wenn sie gesagt hat, sie will etwas aus diesem und jenem Grund, dann war da kein verborgener Hintergedanke an eigene Karriereschritte und kurzfristige Gewinnoptimierung.

Product Manager großer Konzerne wollten oft bloß irgendwelche schnellen Aktionen, damit sie in ihrer kurzen Regentschaft in einer bestimmten Produktgruppe Erfolge hatten, welche sie für den nächsten Karriereschritt qualifizieren sollten. Wie wohltuend ­waren da immer die Eigentümer. Gestern erst hat mir Christoph Hofstadler, Inhaber der jungen ­innovativen Baufirma Quabus gesagt: „Wir werden den Bau revolutionieren. Aber es hat Zeit.“ Revolution, die Zeit hat. Herrlich. „Familienbetriebe arbeiten für die Kinder“, wie Manuela Mätzener vom Institut für Familienbetriebe (ifub) anmerkt, und nicht für den Value eines Shareholders, „sie ­ernähren immer die Familie und forcieren nicht primär Eigenkapitalquoten.“ Alleine aus dem Versorgungsaspekt heraus streben sie natürliches Wachstum und Nachhaltigkeit an. Was das Wohl der Familien gefährdet, wird gegen das erforderliche Risiko abgewogen. Die Familie gewinnt bei dieser Rechnung meist. Was Familienbetriebe lieben: Zusammenhalt, Tradition, Sparsamkeit, Unabhängigkeit von Banken, somit in summa: Freiheit. Wie sehr die Stärke der Vergangenheit mit der Offenheit für das Neue in Balance ist, mag unterschiedlich sein, doch generell werden Familienprinzipien höher eingestuft als Organisationsprinzipien.

Was ist denn in die „DNA erfolgreicher Familienunternehmen“ eingeschrieben? Unter diesem Titel hat die WeissmanGruppe für Familienunternehmen eine erhellende Studie für Österreich und Südtirol verfasst: 75 % der Familienbetriebe sehen Multikulturalität als Entwicklungschance, glauben also an den Erfolg durch kulturelle Vielfalt. 87 % der Betriebe bleiben in Familienhand, in Österreich liegt der Wert sogar bei 94 %. Die Studie erkennt eine „nachhaltige, generationenübergreifende Unternehmensausrichtung durch eine gesunde und bedachte Führung.“ Und wenn der Erfolg sich einstellt, wird die ganze Welt zum Markt: „Erfolgreiche Familienunternehmen arbeiten in ausländischen Märkten. Die besten von ihnen weltweit.“

Meine Zuneigung zu Familienbetrieben hat auch Dämpfer erlitten. Ich habe ungeeignete Menschen in Führungspositionen erlebt, einfach weil Familie mehr gezählt hat als Kompetenz. Ich habe turbokapitalistische Familienbetriebe erlebt. Ab einer bestimmten Größe spielt es offenbar keine Rolle mehr, ob der Betrieb Inhaber- oder sonstwie geführt ist. Die Organisationsstruktur und die Größe übernehmen das Kommando. In der Soziologie kennt man einen ­Tipping Point, der bei rund 120 Personen liegt. Bis zu dieser Größenordnung – ungefähr die Größe einer Dorfgemeinschaft – kennt man einander. Jede weitere Person da­rüber hinaus führt in Anonymität und erfordert Strukturen. Organisation ersetzt plötzlich Familie. Größe macht etwas mit Unternehmen. Größe ändert Haltungen. Ein Familienbetrieb, der zu einer AG wird, ist kein Familienbetrieb mehr. Ist das schlimm? Marcus Weixelberger von der IT-Firma Gekko sieht es radikal: „Großkonzerne werden in den nächsten dreißig Jahren verschwinden.“ Zu wenig nachhaltig, zu wenig flexibel. Family Business hat also den Fokus auf „family“. Das Business ergibt sich daraus.

Autor/in:
Harald Koisser
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