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Weniger Steuern zahlen

02.12.2013

Wer zahlt schon gern Steuern? Mit folgenden Maßnahmen kann man die Steuerlast zumindest zu reduzieren.

Die scheidende Finanzministerin wird es vielleicht freuen. Mit mehr als 137,5 Milliarden nahm der Fiskus im vergangenen Jahr um 4,6 Prozent mehr Steuern ein als noch ein Jahr davor. Kein Wunder, mit einer Abgabenquote von 43,1 Prozent liegt Österreich nur knapp unter dem historischen Höchststand. Für Unternehmen gilt es deshalb, Wege zu finden, um ein paar Euro vom Staat zurückzubekommen. „Neben der elektronischen Rechnungslegung, die Unternehmen beim Unternehmensserviceportal (USP) beantragen müssen, da die Bundesdienststellen ab 1. Jänner nur mehr elektronische Rechnungen annehmen, sollten sich Unternehmen bis Jahresende auch noch um einige einfach zu erreichende steuerschonende Maßnahmen kümmern“, rät Christine Weinzierl, Partnerin bei PwC Österreich. Die wichtigsten haben wir in folgender Übersicht zusammengestellt.

1. Gewinnfreibetrag nützen
Liegt der Gewinn unter 30.000 Euro, ist es einfach. Hier können Unternehmen ohne jegliche Nachweise den Grundfreibetrag von 13 Prozent geltend machen – also maximal 3.900 Euro. Erwirtschaftet man als Selbstständiger mehr als 30.000 Euro Gewinn, wird es ein wenig komplizierter. Dann müssen die Ausgaben nämlich durch konkrete Investitionen belegt werden. Gelingt das, steht Unternehmen mit einem Gewinn von 30.000 bis 175.000 Euro ein Freibetrag von 13 Prozent zu.

Neue Bestimmungen, weniger Abschreibvolumen
Für höhere Gewinne darf ab heuer allerdings nur mehr ein geringerer Prozentsatz geltend gemacht werden. Von 175.000 bis 350.00 Euro kann ein Freibetrag von sieben Prozent genutzt werden. Bei Gewinnen bis zu 580.000 Euro sind es immerhin noch 4,5 Prozent, darüber hinaus wurde der Freibetrag aber gänzlich gestrichen. In Summe können sich Unternehmen also maximal 45.350 Euro zurückholen.

Welche Investitionen abzugsberechtigt sind
Es kann also für Betriebe von erheblichem Vorteil sein, einige Anschaffungen noch schnell vor Jahresende zu tätigen. Dies gilt vor allem, wenn das aktuelle Geschäftsjahr einen satten Gewinn abwirft und Investitionen anstehen, welche die Finanz als „abnutzbare körperliche Anlagen“ begreift, die eine Nutzungsdauer von mindestens vier Jahren aufweisen. Also beispielsweise Maschinen, Betriebs- und Geschäftsausstattung, EDV, Büroeinrichtung oder Fahrzeuge.

Ankauf von Wertpapieren
Für jene, die heuer keine sinnvollen Investitionen in Firmenanlagen tätigen können, hält der Gesetzgeber aber weiterhin eine Hintertür offen, über die der Gewinnfreibetrag in Anspruch genommen werden kann. Dann nämlich, wenn Wertpapiere erworben werden, die den Voraussetzungen von § 14 des Einkommensgesetzes entsprechen. Dabei handelt es sich um Papiere, die eine Laufzeit von vier Jahren aufweisen, von Emittenten aus der EU stammen und unter folgende Wertpapiergattung fallen: 1.) Staats- und Unternehmensanleihen, 2.) Garantiezertifikate mit hundertprozentiger Kapitalgarantie, 3.) Bundesschatzscheine, 4.) Investmentfonds (Anleihen-, Mischfonds, aber keine Aktienfonds).

2. Vorgezogene Investitionen
Da für Investitionen, die nach dem 30. 6. getätigt werden, noch unabhängig vom Anschaffungszeitpunkt die halbe Jahres-AfA geltend gemacht werden kann, kann ein Vorziehen mancher geplanter Investitionen in den Dezember Vorteile bringen. Sogenannte geringwertige Wirtschaftsgüter, die einen Anschaffungswert von 400 Euro nicht überschreiten, können übrigens sofort zur Gänze abgezogen werden.

3. Bildungsfreibetrag oder Bildungsprämie
Zusätzlich zu den für die Mitarbeiter aufgewendeten externen Aus- und Fortbildungskosten können Firmen einen Bildungsfreibetrag in der Höhe von 20 Prozent dieser Kosten geltend machen. Dabei ist zu beachten, dass diese Aufwendungen 2.000 Euro pro Tag nicht übersteigen dürfen. Alternativ zum Freibetrag kann übrigens auch eine sechsprozentige Bildungsprämie geltend gemacht werden. Aber Vorsicht! Bei internen Fortbildungsmaßnahmen steht den Unternehmen weder eine Bildungsprämie noch ein Freibetrag zu.

4. Spenden
Auch Gutes zu tun kann die Steuerlast mindern. Denn der Gesetzgeber erlaubt die Absetzung von Spenden aus dem Betriebsvermögen. Dadurch kann der Gewinn des laufenden Geschäftsjahres für die Augen des Fiskus um bis zu zehn Prozent geschmälert werden. Allerdings grenzt der Gesetzgeber die Nutznießer einigermaßen ein. Steuerschonend wirken Ausgaben für Forschungseinrichtungen, Museen, das Bundesdenkmalamt ebenso wie für Einrichtungen, die sogenannte „mildtätige Zwecke“ wie Entwicklungshilfe verfolgen. Ebenso anerkannt werden Spenden für Feuerwehren oder Organisationen, die sich dem Umwelt-, Natur- und Artenschutz widmen. Eine Übersicht über alle begünstigten Organisationen ist über die Website des Finanzministeriums abrufbar.
Zu den Spenden sind übrigens auch Sponsorenzahlungen an diverse gemeinnützige, kulturelle oder sportliche Organisationen absetzbar. Allerdings muss dafür eine angemessene Gegenleistung in Form von Werbung verbunden sein. Für die Finanz handelt es sich dann übrigens nicht um Spenden, sondern um Werbeaufwendungen.

5. Antrag auf Gruppenbesteuerung
Kapitalgesellschaften können durch die Bildung einer Unternehmensgruppe die Gewinne und Verluste der in den dort einbezogenen Gesellschaften ausgleichen. Das gilt auch für ausländische Tochterunternehmen. Voraussetzung ist eine Kapitalbeteiligung von mindestens 50 Prozent und die Mehrheit der Stimmrechte am jeweiligen Unternehmen. Alle Kapitalgesellschaften, die mit Ende Dezember das Geschäftsjahr beenden, haben noch bis 31. Dezember Zeit, den entsprechenden Antrag auf Gruppenbesteuerung beim Finanzamt einzubringen.

6. Forschungsprämie sichern
Unternehmen, die Aufwendungen für Forschung verbuchen können, können sich eine zehnprozentige Forschungsprämie abholen. Sie ist als Steuergutschrift konzipiert und wirkt darum in Gewinn- wie Verlustjahren gleichermaßen. Eigenforschungen sind dabei betraglich nicht gedeckelt. Um die Prämie tatsächlich bewilligt zu bekommen, ist ein positives Gutachten der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) notwendig.

Autor/in:
Redaktion.DieWirtschaft
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